MESSIAS - seht das Lamm Gottes
7 Videos über den Messias ... (in englisch mit schriftlicher deutscher Übersetzung)

Mit freundlicher Genehmigung vom Neal A. Maxwell Institute for Religious Scholarship  http://messiahjesuschrist.org/  bzw.  http://dermessias.org/        
... als DVD kaufbar ... hier

 

 


Manche Sichtweisen in den folgenden Filmen sind womöglich Neuland bzw. Fremdland für einige Christen. Deshalb meine Empfehlung: Öffne dein Herz und fühle hinein in diese hervorragenden Präsentationen. Sicher bestärkt das Ganze deinen Glauben und womöglich bringen neue Aspekte mehr Licht.



Es gibt folgende 7 Epsisoden


Episode 1

Bevor Abraham war, der vorirdische Heiland

Episode 2

Kennst du die Herablassung Gottes? ... Geburt und Kindheit !!!

Episode 3

Bist du Gottes Sohn? ... Macht und Autorität !!!

Episode 4

Er stieg auf einen Berg ... Bergpredigt und Wunder !!!

Episode 5

Ich habe die Weinkelter allein getreten ... Sühnopfer !!!

Episode 6

Er ist nicht hier, Er ist auferstanden ... Auferstehung !!!

Episode 7

Apostasie und Wiederherstellung ... Siehe, der Bräutigam kommt ... Zweites Kommen und Endgericht


Einleitung

  1.  









1. Episode: Bevor Abraham war, der vorirdische Heiland

 

Wer ist diese antike Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, der buchstäbliche Retter der Welt? In dem Versuch, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Wissenschaftler das Göttliche und unterscheiden zwischen dem geschichtlichen Jesus, dem sterblichen Mann, und dem Jesus des Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Wissenschaftler darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und religiöse Offenbarung zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis davon zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Er wurde als Bauer, Mystiker, charismatischer Führer, weiser Lehrer und einflussreicher Sozialkritiker bezeichnet. Seine Worte wurden genau studiert, bearbeitet und fast in jede Sprache übersetzt. Geschichten der vielen, von ihm vollbrachten Wunder wurden selbst von den obskursten Kulturen glorifiziert. Doch die Geschichte und das Leben von Jesus Christus begannen lange vor Bethlehem. Indem wir die biblischen Aufzeichnungen gemeinsam mit dem Buch Mormon und modernen Offenbarungen studieren, sind wir in der Lage, ein vollständigeres Bild des Jesus von Nazaret zu präsentieren. Um die uralte Frage „Wer ist dieser Mann?“ beantworten zu können, müssen wir eine Reise zurück zum Anbeginn, noch vor den Ursprung aller Dinge, in vorirdische Gefilde antreten.

ANDREW C. SKINNER: Angesichts der Tatsache, dass das Neue Testament so tiefgreifend auf das Konzept eines vorirdischen Daseins eingeht, ist es überraschend, dass das vorirdische Dasein nicht auch ein zentraleres Thema für viele andere Christen in der heutigen Welt ist. Wir wissen, zum Beispiel, dass es sowohl biblische als auch nicht-biblische, oder außerbiblische, Quellen gibt — Quellen, die nicht Teil des Neuen Testaments sind — die generell über das Prinzip oder das Konzept eines vorirdischen Daseins sprechen. Doch es gibt auch bemerkenswerte Quellen, die nicht nur das generelle Konzept eines vorirdischen Daseins bejahen, sondern sich zudem auch auf das vorirdische Dasein von Jesus Christus konzentrieren. Diese Hinweise gehen entweder auf die Zeit vor Jesus Christus oder auf den zwischentestamentalen Zeitraum zurück, als Jesus wirkte.

MARCUS H. MARTINS: In der Köstlichen Perle bekommen wir wichtige Informationen über den Heiland und sein vorirdisches Werk. Außerdem beinhaltet es einen Bericht Abrahams über eine dieser Unterhaltungen mit dem Herrn. Es ist ein bemerkenswerter Aspekt, dass Abraham mit dem vorirdischen Heiland zu tun hat. Er stellt sich vor und sagt: „Mein Name ist Jehova.“ Abraham berichtet weiterhin: „Der Herr legte seine Hand auf meine Augen, und ich schaute die Dinge, die seine Hände gemacht hatten, und sie vervielfachten sich vor meinen Augen, und ich konnte das Ende davon nicht sehen.“ Eine andere wichtige Einsicht, die wir bekommen, ist, dass Jesus Christus nicht nur schon vor diesem Leben Gott war, sondern auch, dass er, als Schöpfer zahlloser Welten, kein Anfänger war, dass diese Erde, auf der wir leben und die Erfahrungen, die wir hier machen, in den Ewigkeiten wirklich nichts Neues sind, und dass der Herr nicht mit uns experimentiert und hofft, dass etwas Gutes aus diesem Plan der Erlösung hervorgeht. Nein, er hat dies schon unzählige Male getan.

ALISON COUTTS: Wir schauen durchs Hubble-Weltraumteleskop und sehen diese unglaublichen Bilder endloser Galaxien, die soeben vom Heiland erschaffen wurden, und in Abraham 12 steht, wie all dies geschieht. Er zeigt ihm endlose Welten, und Abraham kann das Ende von all dem, das erschaffen wurde, nicht sehen.

MICHAEL D. RHODES: In Abraham Kapitel 3 bekommen wir eine bemerkenswerte Beschreibung des vorirdischen Rates im Himmel. Es heißt, dass in diesem Rat im Himmel viele der Edlen und Großen zusammengekommen waren, die Kinder Gottes. Es wird erklärt, dass diese Edlen und Großen tatsächlich Geister waren, den Intelligenzen gegenübergestellt, die schon immer existierten. Es sind also die Geistkinder Gottes, von denen hier die Rede ist. Und dass einer unter ihnen stand, der wie Gott war, bezieht sich selbstverständlich auf Jesus Christus, der über den Plan spricht, in diesen Raum hinabzusteigen, denn dort gibt es Stoffe, mit denen sie einen Platz bauen können, wo — eine Erde, auf der diese Leute, diese Kinder Gottes wohnen können.

JOSEPH FIELDING MC CONKIE: Unser ewiger Vater versammelt seine Familie zum sogenannten Großen Rat im Himmel. Der Vater schließt sich diesem Rat an und überprüft mit uns das gesamte System und den Plan der Erlösung. Es ist wichtig zu verstehen, dass es sein Plan ist, dass diese Idee von ihm stammt.

MICHAEL D. RHODES: Dann macht Gott, der Vater, einen Vorschlag: „Wen soll ich senden?“ In dieser sterblichen Existenz werden wir in einer Verfassung sein, in der wir Fehler machen werden und ein Erlöser gebraucht wird. Und Christus — Gott, der Vater, fragt nach einem Freiwilligen.

ALISON COUTTS: Die Frage des Vaters: „Wen soll ich senden?“ ist irgendwie eigenartig, denn es ist offensichtlich, dass er seinen Sohn schicken wollte. Der Sohn war für diese Aufgabe vorherbestimmt. Aber man denkt zudem an den Garten von Gethsemane, in dem der Heiland sagt: „Gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Ich glaube also, er war sich nicht sicher, ob er der Aufgabe gewachsen war. Ich kann mir vorstellen, dass dieses Element der Ungewissheit entscheidend für denjenigen war, der dieses Opfer auf sich nahm, dieses große Sühnopfer, dieses unermessliche Opfer. Es war nicht nur ein Opfer des Vaters, seinen eigenen Sohn hinzugeben, sondern auch ein Opfer des Sohnes, es zu tun, da er nicht wusste, ob er es bewältigen konnte.

Andererseits haben wir Luzifer, der wahrscheinlich nicht die geringste Absicht hat, so ein Opfer auf sich zu nehmen. Wie wir ihn kennen, entspricht es seinem Charakter, nie etwas zu tun, das ihn selbst gefährden könnte. Er bestand auf hundertprozentige Garantien. Und für diese Garantien wollte er all den Ruhm.

DAVID M. WHITCHURCH : „Da entbrannte im Himmel ein Kampf; Michael und seine Engel Erhoben sich, um mit dem Drachen zu kämpfen. Der Drache und seine Engel kämpften.“ (Offenbarung 12:7). Anhand dieser hochsymbolischen Sprache erkennen wir, dass es sich nicht um einen Kampf mit Schwertern und Waffen handelte, wie wir uns etwa eine konventionelle Schlacht vorstellen. Dies war ein Kampf des Zeugnisses, ein Kampf des Glaubens.

RICHARD D. DRAPER: Die Offenbarung ist extrem symbolisch, doch symbolisch auf eine Weise, die uns wirklich überrascht, denn Johannes sieht in seinen Visionen tatsächlich Dinge, die, ehrlich gesagt, in der realen Welt unmöglich sind. Wir müssen verstehen, dass die Offenbarung nicht dem Auge dargeboten wurde. Sie war nicht für den Stift oder die Feder gedacht, die Offenbarung wurde vielmehr dem Geist gegeben. Es ist ein Rätsel, das uns dazu zwingt, die wahre Bedeutung der Offenbarung zu entschlüsseln.

PAUL Y. HOSKISSON: Satan wird als Drache oder Schlange dargestellt, was symbolisch von größtem Interesse ist. Ich habe mich oft gefragt, was dieser Symbolismus bedeutet, denn der Herr verwendet alle möglichen Symbole, wenn er spricht. Wir wissen, dass der große Drache natürlich ein Symbol für Satan ist. Wie es in Vers 9 heißt: „Die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt.“ Das soll nicht heißen, dass — Wir sollen uns Satan nicht als Drache oder Schlange vorstellen. Es zeigt uns symbolisch, wer er ist und was er tut. Er zerstört, er ist fürchterlich und furchterregend.

RICHARD D. DRAPER: Mit diesem Zorn will er alles niederreißen. Wir sehen also, dass die Kraft Satans nur dazu dient, Dinge zu zerstören. Was die Engel betrifft, diese Engel sind wir, die auf Gottes Seite an diesem Kampf teilnahmen, was uns wiederum sagt, dass wir nicht einfache Wesen waren, die in dieser vorirdischen Welt umhertrieben, sondern dass wir tatsächlich Mitstreiter im Kampf waren. Wir bezogen Stellung. Während dieser Zeit vollbrachten wir Dinge, die das Werk und geistliche Wirken des Herrn auf Erden unterstützten.

ALISON COUTTS: Die Erkenntnis, dass der Erlöser genauso an uns glaubt wie wir an ihn glauben, dass er uns zutraut zu bewältigen, was er uns aufgetragen hat — und was er von uns verlangt, ist im Vergleich zu dem, was er vollbracht hat, so minimal — ist eine der größten Bestärkungen des Evangeliums und eines der Dinge, das mir, ja, allen von uns, ermöglicht, das zu tun, wozu er uns aufgefordert hat.

GAYE STRATHEARN: Sie erinnern sich wohl daran, dass, kurz nachdem der stürmische See zur Ruhe gebracht wurde, Jesus und seine Jünger in Gedera von Bord gingen, oder, was laut Matthäus wahrscheinlicher ist, im Land der Gergesener, was gleich dort drüben an der Ostseite des Sees Genezareth liegt. Dort treffen sie auf einen Mann, der von einer Legion von Teufeln besessen ist. (siehe Matthäus 8:28).

S. KENT BROWN: Ich erinnere mich an die Geschichte. Dieser Mann hat in den Grüften gelebt. Markus beschreibt dies auf hochinteressante Weise: „Als er Jesus sah, –“ Mir gefällt diese Stelle — „schrie er auf, fiel vor ihm nieder und rief laut: ‚Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, Sohn des höchsten Gottes?'“ Mir gefällt diese Passage.

JOHN S. TANNER: In gewisser Weise weisen beide Ereignisse — das Beruhigen des Sees und die Begegnung mit dem Dämon — auf die vorirdische Gestalt Jesu hin. Denn als die Dämonen ihn als den Sohn des allerhöchsten Gottes erkennen, sprechen sie einfach etwas aus, was sie vor langem, in ihrer Präexistenz, gelernt hatten. Als die stürmischen Gewässer von ihm beruhigt werden, hören sie auf den Befehl von Jehova, der das Wasser für Mose teilte und am Anfang der Schöpfung die Gewässer vom Festland trennte. […]

MICHAEL D. RHODES: Michael ist natürlich, wie Joseph Smith erklärt, kein anderer als Adam. Interessanterweise bedeutet sein Name „der wie Gott ist.“ Michael hatte den Status eines Edlen und Großen. Er wurde auserwählt, der Vater der menschlichen Rasse zu sein, der aufgrund seiner Rechtschaffenheit, seines Glaubens und dadurch, wie er sich auf die Aufgabe vorbereitet hatte, in der Lage war, diese wichtige Rolle zu übernehmen. Er ist der Patriarch der gesamten menschlichen Rasse.

PAUL Y. HOSKISSON: Es ist dieser Mann, Michael, der wie Gott ist, der dazu auserkoren wurde, die himmlischen Streitkräfte im Kampf gegen Satan, den Drachen, zu führen. Mir scheint es, als habe der Erlöser, wie es oft der Fall ist, bei diesem Kampf im Himmel einen Teil seiner Autorität und Vollmacht an Michael übertragen, denn es besteht kein Zweifel, dass es Michael ist, der die Streitmacht des Guten gegen die Streitmacht des Bösen führt. Aber es ist das Blut des Lammes, der Erlöser, das Sühnopfer, die entscheiden, wer als Sieger aus der Schlacht hervorgeht. Es ist der Glauben der Menschen an Jesus Christus, der dazu beiträgt, dass er die Aufgabe bewältigt, dass er es schafft, das Sühnopfer zu erbringen, und dadurch ihre Herzen gewinnt. Es sind die Worte Michaels und seiner Engel, die die himmlischen Heerscharen überzeugen und den Sieg Jesu Christi in der Präexistenz herbeiführen.

RICHARD D. DRAPER: Das Buch Alma, Kapitel 13, gibt uns wirklich außerordentliche Einsicht. Es wird nicht so viel über den Kampf an sich erzählt, aber es wird die Bühne beschrieben, auf der der Kampf stattfand. „Und diese Priester wurden nach der Ordnung seines Sohnes ordiniert, auf eine Weise, dass dadurch das Volk wissen konnte, auf welche Weise sie nach seinem Sohn ausschauen sollten wegen der Erlösung. Und dies ist die Weise, nach der sie ordiniert wurden — sie waren von Grundlegung der Welt an gemäß dem Vorherwissen Gottes, und aufgrund ihres außerordentlichen Glaubens und ihrer guten Werke berufen und vorbereitet; zuallererst war es ihnen überlassen, Gut oder Böse zu wählen; weil sie nun das Gute erwählt und überaus großen Glauben ausgeübt haben, sind sie durch eine heilige Berufung berufen.“ Vers 4: „Und so sind sie aufgrund ihres Glaubens zu dieser heiligen Berufung berufen, während andere den Geist Gottes aufgrund der Härte ihres Herzens und Verblendung ihres Sinnes verwerfen, während sie, wenn es nicht deswegen wäre, eine ebenso große Freiheit gehabt hätten wie ihre Brüder. Oder kurz gesagt, zuallererst waren sie auf derselben Stufe wie ihre Brüder.“ (Alma 13:2–5). Essentiell wird uns erklärt, dass es in dieser vorirdischen Welt wirklich um Entscheidungsfreiheit ging. Es gab diejenigen, die sich für Gott entschieden haben. Aber beachten Sie die Formulierung „überaus großen Glauben.“ Was uns wieder zurück zur Offenbarung führt, nämlich? Dass das Blut Jesu Christi noch nicht vergossen worden war. Die Wahrheit ist, dass Jesus noch nicht das Sühnopfer vollbracht hatte, und deshalb mussten wir den Worten des Vaters und dem Versprechen des Sohnes glauben, dass er auch wirklich das Sühnopfer zustande bringen würde. Bei diesem Kampf im Himmel haben wir also alles auf eine Karte gesetzt. Wir sagten: Jesus wird nicht versagen. Obwohl kein Reservesystem existiert, wird Jesus nicht versagen. Wir sind uns dessen ganz sicher, und deshalb gehen wir dieses Risiko ein und legen dann Zeugnis dafür ab, diese ausdrucksstarken Worte, die wir, auf dieser Philosophie basierend, verwenden. Und es hat sich ausgezahlt. Zwei Drittel entschieden sich tatsächlich für Jesus und durften deshalb mit ihm in den himmlischen Gefilden bleiben.

MARCUS H. MARTINS: Ein Drittel dieser Geister wählte Luzifers Plan. Luzifer rebellierte, und dieses eine Drittel entschied sich, Luzifer und seiner Rebellion zu folgen. Im Wesentlichen basierte ihre Rebellion darauf, Jehova nicht als ihren Erlöser zu akzeptieren. Es gibt keinen Plan B. Entweder Sie nehmen Jehovas Plan an, oder Sie werden nicht erlöst. Deshalb wurden er und diese Geister “Verdammnis” oder “Söhne der Verdammnis” genannt.

O gotteslästernde vermessne Rede,

Die nie ein Ohr im Himmel noch vernahm,

Am wenigsten erwartete, von Dir So Schimpfliches zu hören,

Undankbarer, So hoch gestellt selbst über Deine Fürsten!

Kannst mit verruchtem Tadel Du den Ausspruch Des Herrn verdammen,

der verkündend schwur, Dass vor dem eingebornen Sohne,

dem Er erst mit Recht das Königs-Zepter gab

Sich alle Himmelgeister beugen sollten,

Um in der schuldigen Verehrung

ihn Als König zu erkennen? (John Milton, Fünfter Gesang, Das verlorene Paradies, Buch V, 809–818)

ALISON COUTTS: Hier haben wir genau dasselbe wie bei Abraham, dass Satan seinen eigenen Plan wollte, mit Entscheidungsfreiheit nichts zu tun haben und die Freien binden wollte.

MARCUS H. MARTINS: Sie wurden aus der Gegenwart Gottes verstoßen, hinausgeworfen, um ruhelos auf Erden umherzuziehen. Der Herr erlaubte ihnen hier zu sein und zu versuchen, uns zu verführen. Das Einzige, das wir daraus schließen können, ist, dass diejenigen von uns, die hier am Leben sind, den Plan des Erlösers gewählt haben, der von Anfang an der Plan des Vaters war. Wir vertrauten darauf, dass dies der Weg zurück war, oder der einzige Weg zurück zur Gegenwart des Vaters. Und wir vertrauten darauf, dass Jehova wirklich unser Erlöser werden würde und dass ihm seine Mission nicht misslingen würde, wenn die Zeit kommen würde.

S. KENT BROWN: Was fällt uns auf die bleibende Frage der Beziehung zwischen Jesus und Jehova ein?

GAYE STRATHEARN: Wissen Sie, in den Jahrhunderten, seit Jesus an diesen Ufern wanderte, haben sich viele christliche Gelehrte darum bemüht, den Gott des Alten Testaments mit dem Jesus des Neuen in Übereinstimmung zu bringen.

JOHN S. TANNER: Ich glaube, das liegt daran, dass zu viele Leute den einen ausschließlich als einen Gott der Gerechtigkeit und den anderen ebenso exklusiv als einen Gott der Gnade betrachten. Deshalb fällt es ihnen schwer zu akzeptieren, dass die zwei tatsächlich nur einer sind. Und dieser eine ist Jesus Christus.

GAYE STRATHEARN: Viele Gelehrte bestehen darauf, dass nur spätere Christen eine Verbindung zwischen den beiden gewissermaßen erzwangen, um ihre neue Religion rechtfertigen zu können.

S. KENT BROWN: Anhand frühester Literatur und manch anderer überraschender Quellen können wir meiner Meinung nach bestätigen, dass Jehova, der das Volk in der Wüste mit Manna nährte, derselbe Jesus ist, der die 5000 mit ein paar Laiben Brot und Fischen speiste, und zwar ganz in der Nähe von hier.

ERIC D. HUNTSMAN: In einer Aussage, die Joseph Smith zugeschrieben wird, soll der Prophet behauptet haben, dass das erste Wunder Jesu die Schöpfung war. Um Elder Talmage zu umschreiben: Ein Wunder ist keine Verletzung der Naturgesetze, sondern der Einsatz höherer Gesetze, die wir nicht verstehen, um das erwünschte Ziel zu erreichen. Was wiederum perfekt zum Logos Hymnus passt: “Alles ist durch das Wort geworden” (see John 1:3). Aber diese Idee finden wir nicht nur im Logos Hymnus oder in den frühen christlichen Texten des Johannes. Tatsache ist, dass in manchen Texten, die wahrscheinlich früher als das Evangelium des Johannes geschrieben wurden, in den Paulusschriften zum Beispiel, Bezugnahmen auf Jesus als Schöpfer zu finden sind.

RICHARD D. DRAPER: Eine Neigung, die bei Paulus auffällt, ist, dass er Schriften aufgreift, die sich im Alten Testament auf Jehova beziehen, und sie dann im Neuen Testament auf Jesus selbst umschreibt. Paulus verstand, genau wie die frühe Christengemeinde, das Jesus tatsächlich der Jehova des Alten Testaments war.

RICHARD HOLZAPFEL: Dieses Zitat des Paulus, oder seine Anspielung im 10. Kapitel seines Briefes an die Römer, scheinen wirklich Teil einer breiteren Diskussion gewesen zu sein, die für die frühesten Christen ein Gesprächsthema war. Sie können sich die Verwunderung vorstellen. Natürlich steht während des irdischen Wirkens Jesu zur Debatte: Ist er ein großartiger Lehrer? Ist er ein Prophet, der von Gott gesandt wurde? Ist er der Nachfolger Johannes des Täufers? Oder ist er tatsächlich der mashiach, der Messias, der Auserkorene, den Gott geschickt hatte? Hier verkündet Petrus, dass er der Messias ist, aber zudem sogar, dass er auch Gott der Herr ist.

CECILIA M. PEEK: Im Evangelium des Johannes, Kapitel 8, Vers 58, erzählt er, dass sie ihn nach einem langen Streitgespräch mit den Pharisäern und anderen mit folgenden Worten herausfordern: „Du bist noch kein fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?“ Und seine berühmte Antwort darauf ist: „Ehe Abraham wurde –“ und im Griechischen ist der Ausdruck dafür genesthaiegô eimi, was dieselbe Formulierung ist, die in der griechischen Übersetzung des Alten Testaments im Exodus Kapitel 3, Vers 14, verwendet wird, wo sich der Gott des Alten Testaments Mose gegenüber als „Ich bin der ‘ich-bin-da’“ identifiziert, bevor er fortfährt: „So sollst du zu den Israeliten sagen: Der ‘Ich-bin-da’ hat mich zu euch gesandt.“ Er scheint also mit dem Gebrauch dieses Verbs zu suggerieren: „Ich bin der Gott des Alten Testaments.“ Mit anderen Worten: „Ich bin Jehova.“ Es scheint auch klar zu sein, dass seine Zuhörer seine Antwort auch genauso auffassten, denn laut Johannes griffen sie unverzüglich darauf nach Steinen, mit denen sie ihn bewarfen. Mit anderen Worten, die implizite Suggestion ist, dass sie bereit waren, ihn für Blasphemie zu steinigen, weil er unverholen aussprach, dass er Jehova ist.

ANDREW C. SKINNER: Ich finde, dass auf den Seiten des Neuen Testaments ein Jesus porträtiert wird, der so voll Leidenschaft ist, dass er sich selbst kaum helfen kann. Wenn er auf jemanden in Not trifft, ist es sein natürlicher Instinkt, auf diese Person zuzugehen und ihr zu helfen. Dann ist es auch noch die Frau am Brunnen, laut Kapitel 4 des Johannesevangeliums, der er seine wahre Identität enthüllt. Sie ist beeindruckt von der Fähigkeit Jesu, die Zukunft vorherzusehen, und es ist fast so, als wollte uns Johannes Schritt für Schritt ihre Realisation der wahren Identität Jesu wiedergeben. Schließlich sagte die Frau zu ihm: „Ich weiß, dass der Messias kommt.“ Und Jesus antwortet ihr mit seiner spektakulären Verkündung: „Ich bin es, ich, der mit dir spricht (siehe Johannes 4:26 ... Einheitsübersetzung).”

CECILIA M. PEEK: Die Geschichte der Frau am Brunnen ist für mich eine sehr signifikante Entfaltung von mehreren belangvollen Themen des Johannes. Hier wendet er sich an eine Frau, die Samariterin ist, die in den Augen der traditionelleren jüdischen Gemeinde also gemieden werden sollte. Dennoch geht Jesus auf sie zu und spricht sie an. Darüberhinaus macht er es in seinem Wortwechsel recht klar, dass es sich um ein Frau handelt, deren Leben nach gesetzlichen Standards als sündhaft gilt. Jesus rät ihr, ihren Mann zu holen, worauf sie antwortet: „Ich habe keinen Mann.“ Christus kennt ihre Vergangenheit und gibt ihr das auch zu verstehen. Die Frau sagt: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.“ Aber selbst als ihm deutlich vor Augen liegt, dass sie ein sündhaftes und unvollkommenes Leben führt — und es sich nicht einmal um das Leben einer jüdischen Frau, sondern um das Leben einer samaritanischen Frau handelt, weshalb sie aus jüdischer Perspektive sowieso schon außerhalb des Gesetzes stand, und weil sie zudem aufgrund ihrer Lebensweise außerhalb dieser Grenzen — verkehrt und spricht Christus trotzdem weiterhin mit ihr und versucht, sie zum Glauben zu bekehren.

Wenn er also zu ihr sagt: „Ich bin es“, und außerdem seinen Status als Gott des Alten Testaments offenbart, scheint er meiner Meinung nach auch etwas über seine absolute Präsenz zu sagen. Und zwar meine ich das ebenso in einem temporalen wie chronologischen Sinn, dass genau jetzt, in diesem Moment, alle Momente präsent sind. „Ich bin der völlig präsente und völlig gegenwärtige Gott. Und deine Vergangenheit und Zukunft können in diesem Moment des Glaubens entschieden werden. Deine Vergangenheit kann dir vergeben werden. Deine Zukunft kann dir versichert werden, wenn du jetzt glaubst.“

Ich glaube, die samaritanische Frau verstand und machte dies auch recht klar, weil sie es zu ihm sagt, und als sie sich auf den Weg macht, um anderen über ihn zu erzählen, sagt sie: „Da ist ein Mann, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe: Ist er vielleicht der Messias?“ Ich glaube, die Kombination seiner prophetischen Kraft, mit der er ihr erwidert, und die Beteuerung seiner Identität mit „Ich bin es“ bestärken sie sicherlich in ihrem Glauben, dass er wirklich Christus ist.

CAMILLE FRONK OLSON: Die frühen Christen verstanden, dass Jesus Christus der Gott des Alten Testaments war. Sie verstanden, dass er immense Pracht und Kraft besaß, um sogar die Erde erschaffen zu können und dass er selbst vor jedem anderen Wesen erschaffen wurde. Und dennoch legte er diese Pracht ab, um auf dieser Erde als Diener geboren zu werden, damit er für uns sterben und sein Sühnopfer erbringen konnte.

RICHARD D. DRAPER: Wir müssen dasselbe tun, was wir im Himmel getan haben. Als erstes müssen wir das Zeugnis, das wir hatten, zurückgewinnen. Dann als zweites müssen wir laut den Geboten des Evangeliums leben, um den Geist Gottes in unser Leben zu bekommen. Mit Hilfe dieses Geistes müssen wir die Kraft haben, zu tun, was wir vorher getan haben. Und was ist das? Zu bezeugen. Von ganzem Herzen und ganzer Seele zu bezeugen, dass Jesus der Christus ist und der vorherbestimmte Erlöser war, der in der Mitte der Zeiten herunterkam und all die Dinge tat, die er versprochen hatte. Deshalb brachte er die Erlösung. Es ist unsere Aufgabe zu bezeugen, dass dieselbe Erlösung auch heute in Jesus Christus ist.

ANDREW C. SKINNER: Es ist offensichtlich, dass er die Menschen liebte. Er wanderte durch die Dörfer. Es gibt wahrscheinlich viele Leute, die Nachkommen der Menschen sind, die zu Zeiten Jesu hier gelebt haben. Sie können sich vorstellen, wie er durch die Dörfer zog, sie liebte, sich um sie kümmerte und einfach ihr Leben segnen wollte.

ANDREW C. SKINNER: Das Sühnopfer kommt gewissermaßen einer Makro-Erlösung gleich. Eine Erlösung für das gesamte Universum. Aber wenn Sie andererseits durch die Dörfer laufen, bekommen Sie wirklich das Gefühl, dass es eine Mikro-Erlösung ist, dass er an jeder einzelnen Person interessiert ist, ihren Sehnsüchten, ihren Wünschen, ihren Bedürfnissen, ihren Leiden. Er nimmt sich, wie gesagt, die Zeit, die spezifischen Leiden zu heilen, aber er nimmt sich auch die Zeit, die gesamte Person zu heilen. Jede individuelle Person zusammengenommen, ergibt dann die Makro-Erlösung.

Mit dem aufrichtigen Bestreben, den historischen Jesus, den sterblichen Mann, kennenzulernen und zu verstehen, nehmen Heilige der Letzten Tage bereitwillig an, dass die Geschichte Jesu weit vor die Erschaffung der Welt zurückgeht, dass er, bevor er auf den Straßen von Palästina wandelte, der Jehova des Alten Testaments war, der auf Anweisung seines Vaters Himmel und Erde, und “alle Dinge, die sich darin befinden, erschuf“. (3 Nephi 9:15).


2. Episode: Kennst du die Herablassung Gottes? ... Geburt und Kindheit !!!


Wer ist diese archaische Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, im wahrsten Sinne des Wortes, der Retter der Welt? In der Debatte, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Gelehrten das Göttliche und unterscheiden zwischen dem Jesus der Historie, einem sterblichen Mann, und dem Jesus unseres Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Gelehrte darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und moderne Erkenntnisse zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Bilder von Maria und Jesus als Baby vermitteln uns seit langem eine Vorstellung, wie sich die Geburt des Retters abgespielt haben könnte. Und trotzdem, aufgrund unterschiedlicher Darstellungen im Neuen Testament, stellen manche Gelehrte die traditionelle Sichtweise der Geburt Jesu Christi in Frage. Andere wiederum betrachten diese Unterschiede als Gelegenheiten, um ein klareres Verständnis über die Geburt und Jugend des Heilands, als der sterbliche Messias sein Priestertum auf Erden begann, zu erlangen.


JOHN S. TANNER: Christians have long loved the story of the birth of Jesus. In fact we’ve loved it almost beyond recognition. Christmas is now layered over with fanciful traditions and legends. But beneath all of these, there remains the good news of the condescension of God and of the fulfillment of biblical prophecy. Jesus’ miraculous birth is considered by Christians around the world to be at the very center of history. It bisects time and divides the ages. So the story of Jesus’ birth is both central and it’s beloved. No part of Jesus’ life story has been treated so tenderly by believers, or so critically by scholars.

Die Geschichte der Geburt Jesu liegt Christen seit langem sehr am Herzen. Tatsächlich verherrlichen wir sie fast bis zur Unkenntlichkeit. Weihnachten wird heutzutage von fantasiereichen Traditionen und Legenden bestimmt. Aber als Grundlage bleibt die gute Nachricht der Herablassung Gottes und die Erfüllung der biblischen Prophezeiung bestehen. Die wunderbare Geburt Jesu markiert für Christen in aller Welt den Zenit der Menschheitsgeschichte. Sie halbiert die Zeitrechnung und unterteilt sie in Zeitalter. Die Geschichte der Geburt Jesu ist also ebenso zentral wie beliebt. Kein Teil der Lebensgeschichte Jesu wird von Gläubigen so liebevoll oder von Gelehrten so kritisch behandelt. In der Tat haben sich die Kritiker auf die Diskrepanzen zwischen dem Evangelium nach Matthäus und dem Evangelium nach Lukas fixiert. In einem wird Jesus von weisen Männern begrüßt. Im anderen heißen ihn Schafhirten willkommen. In einem ist das Baby im Haus, im anderen ist es, selbstverständlich, in der Krippe. In dem einen Evangelium scheint aus der Perspektive Josefs erzählt zu werden, wohingegen das andere aus der Sicht Marias zu erzählen scheint. Es gibt also Unterschiede in Sachen Geographie, Genealogie und sogar betreffs der Chronologie.

Aber deuten die unterschiedlichen Details auf Erdichtungen in beiden Erzählungen hin oder kann man sie überzeugend unter einen Hut bringen und somit eine fundamentale Glaubwürdigkeit des Kanons etablieren?

RICHARD LLOYD ANDERSON: Zur Weihnachtszeit sind wir glücklicherweise immer noch von einer Vielzahl von Bestätigungen und Erinnerungen der Gemeinschaft über die Geburt Christi umgeben. Ich hoffe, dass das immer so sein wird. Währenddessen arbeiten wir daran, einen detaillierten Blick auf die Evangelien nach Matthäus und Lukas zu werfen, um die wahre Geschichte der Weihnacht auch wirklich zu verstehen.

JOHN S. TANNER: Es ist ein großer Segen, dass uns die Stellen in der Bibel über Christi Geburt sehr geläufig sind. Allerdings ist das auch einer der Nachteile. Die Leute gehen diese Stellen oft mit der Haltung an, genau das vorzufinden, was ihren Erwartungen entspricht, und sind nicht immer offen dafür, was in Wirklichkeit dort steht.

Im Evangelium nach Lukas heißt es „Da geschah es, als sie dort waren -“ (Lukas 2:6) Ich glaube, wir haben das wieder in der wunderbaren Prosa der deutsche Bibelübersetzung gelesen. Aber wie lange waren sie dort, als sie dort waren? Wie lange waren sie in Bethlehem, bevor diese Tage vollendet waren? Waren sie in der Nacht angekommen?

Wenn wir die Bibel lesen, ermutige ich oft meine eigene Familie dazu, die Sache einfach etwas langsamer anzugehen, um manche Worte wirklich aufzunehmen und sich Zeit für die Details zu nehmen, die uns die Bibel bietet, und Fragen zu stellen, den Text nach dem, was wir wissen, zu untersuchen, und vielleicht auch danach, was wir nicht wissen, und die Fragen, die wir einfallsreich in unserem Verstand beantworten wollen.

THOMAS A. WAYMENT: Es ist eine wichtige Erkenntnis, dass die Evangelien miteinander verknüpft sind. Es handelt sich nicht um drei oder vier separate Erzählungen über Jesus. Und als Gelehrte können wir unter anderem erkennen, dass Matthäus, Markus und Lukas ganz klar voneinander geborgt haben. Es ist fast mit der Lösung eines Puzzle vergleichbar: herauszufinden, wer die Quelle und wer die Person, die geborgt hat, war.

S. KENT BROWN: Die Leserschaft beeinflusst in hohem Maß, wie Matthäus und Lukas ihre Geschichten über Maria und Josef und das Kind präsentieren. Matthäus schreibt für ein jüdisches Publikum. Dies ist ganz am Anfang seines Evangeliums offensichtlich, das er mit einer Genealogie beginnt, die auf Abraham basiert. In der Einleitung seiner Geburtserzählung reproduziert Matthäus eine Genealogie Jesu, die an sich höchst symbolisch ist. Es gibt drei Reihen von 14 Generationen, die mit Abraham beginnen und mit Jesus enden. Es ist höchst symbolisch, die Geschichte mit Abraham zu beginnen. Jemand betrachtet das Matthäusevangelium und sagt, dass seine Erzählung schon diese symbolische Struktur beinhaltet. Eigentlich versucht er, die Frage seiner jüdischen Freunde zu beantworten: „Wenn Jesus der Messias war, warum haben wir ihn dann nicht erkannt? Warum war es für uns nicht offensichtlich?“

RICHARD HOLZAPFEL: Das Matthäusevangelium scheint eine uralte Biographie zu sein. Und zwar laut allen klassischen Definitionen, wohingegen das Lukasevangelium keine Biographie ist. Wie manche Gelehrte vorgeschlagen haben, handelt es sich bei Lukas um eine historische Erzählung, die die Historie der Erlösung beschreibt, und er verwendet dafür eben die Form einer historischen Erzählung. Also, im Grunde genommen schrieb Matthäus eine Biographie, die sich auf Jesus konzentriert, und Lukas schrieb eine historische Erzählung und erzählt die Geschichte Jesu, aber er bringt auch viele andere Beweise vor, die bestätigen, dass er der versprochene Messias ist.

S. KENT BROWN: Lukas schreibt, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen — dass Christen Juden sein können, aber sie haben ein völlig verschiedenes Bezugssystem. Eine Sache, zu der Lukas immer wieder zurückkehrt, besonders in Kapitel 1 und 2, ist die Tatsache, dass diejenigen, die mit dem Beginn dieser Geschichte zu tun hatten, alle das Gesetz respektierten. Das ist ein Thema, das in Kapitel 1 und Kapitel 2 immer wieder auftaucht, dass diese Leute dem Gesetz gemäß respektvoll und gehorsam sind.

Wenn man zum Beispiel zwischen diesen zwei Geburtserzählungen wählen würde, Matthäus auf einer Seite, und Lukas auf der anderen, entscheiden sich die meisten gläubigen Gelehrten für Matthäus und verwerfen Lukas, da er aus mehreren Gründen historisch unzuverlässig sein soll.

Ich persönlich glaube, es ist möglich, die beiden zu vereinen und eine übereinstimmende Geschichte auszumachen, die in den zwei Erzählungen existiert — Matthäus hebt Jesus als davidischen König hervor und Lukas hebt Jesus als den Mann aller Männer hervor, der nicht nur von Abraham, sondern weiter zurückgehend von Adam abstammt.

ANDREW C. SKINNER: Niemand kannte wirklich die ganze Geschichte, was ein gute Lektion dafür ist, warum man andere nicht richten sollte, weil wir es wirklich nicht wissen.

Maria verlässt Nazaret, um ihre Cousine Elisabet zu besuchen, und als sie zurückkommt, ist sie schwanger. Darüber wurde in dem Dorf Nazaret wahrscheinlich sehr viel geredet. Sobald Maria in dieses kleine Dorf Nazaret zurückkehrt, ist ihr Leben nie wieder dasselbe. Und wie in manchen kleinen Dörfern, die ich kenne, weiß jeder über die Angelegenheiten des anderen bescheid, und ich glaube, das war bei Maria genauso der Fall. Wenn sie also vom Besuch ihrer Cousine Elisabet zurückkehrt, kommt sie laut der Überlieferung aus der Ein Kerem-Region, südlich von Jerusalem, schwanger mit einem Kind zurück.

“ Und es begab sich: Ich schaute und sah die große Stadt Jerusalem und auch andere Städte. Und ich sah die Stadt Nazaret; und in der Stadt Nazaret sah ich eine Jungfrau, und sie war überaus anmutig und weiß. Und es begab sich: Ich sah die Himmel offen, und ein Engel kam herab und trat vor mich hin; und er sprach zu mir: ‚Nephi, was siehst du?‘ Und ich sprach zu ihm: ‚Eine Jungfrau, überaus schön und anmutig, mehr als alle anderen Jungfrauen.'“ (1 Nephi 11:13).

MARCUS H. MARTINS: Das Buch Mormon bietet uns interessante Einsichten über Maria. Als erstes beginnen wir mit Nephis Vision von Maria, Jahre vor der Geburt des Heilandes. Das ist eine klare Indikation für uns, dass Maria vorherbestimmt war, die Mutter des Heilands zu sein. Das war kein zufälliges Ereignis, das zur Zeit der Geburt des Heilandes stattfand.

Nephi beschreibt Maria und verwendet eine Ausdrucksweise, die der Prophet Joseph Smith am Anfang des 19. Jahrhunderts mit „überaus anmutig und weiß” (1 Nephi 11:13) übersetzte. Mit unserer Alltagssprache des 21. Jahrhunderts als Ausgangspunkt betrachten wir das und sagen: Wie ist dieses „überaus anmutig und weiß“ wirklich gemeint?

Nun ja, wenn wir die Definition dieser Worte im Wörterbuch nachschlagen, bezog sich Nephi wahrscheinlich nicht nur auf ihre physischen Charakteristika, ihre Schönheit, sondern auch auf die Vorstellung, dass sie rein und unschuldig, eine liebenswerte Person, aber gleichzeitig auch eine sehr tugendhafte Frau war.

JUSTIN SU’A: Ursprünglich war es eine Frage. Der Geist fragt Nephi in Vers 10: „Was wünschst du?“ Und das war, nachdem er den Baum gesehen hatte, die Vision des Baumes, den Lehi gesehen hatte. Nephi antwortet: „Die Bedeutung davon zu wissen.“ Und anstatt ihm die Bedeutung zu geben, gibt ihm der Geist mehr Visionen. In Vers 13 sieht er — „Ich sah eine Jungfrau, und sie war überaus anmutig und weiß.“ Es geht weiter: „Eine Jungfrau, überaus schön und anmutig, mehr als alle anderen Jungfrauen.“ Und in Vers 18 — „Siehe, die Jungfrau, die du siehst, ist die Mutter des Sohnes Gottes nach der Weise des Fleisches.“ Eine paar Verse weiter zeigt der Geist sie ihm. Nephi sagt: „Ich schaute und sah wieder die Jungfrau, und sie trug auf den Armen ein Kind.“ Dann fragte der Geist Nephi noch einmal: „Kennst du die Bedeutung des Baumes, den dein Vater gesehen hat?“ Und nun konnte Nephi antworten: „Ja, das ist die Liebe Gottes.“ Ich finde es sehr interessant, dass er ihm anstatt — um ihm die Bedeutung des Baumes zu erklären, lehrte er ihn über Maria, die Mutter von Jesus Christus.

JOSEPH FIELDING MC CONKIE: „Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt…” (Lukas 1:26 Einheitsübersetzung) Als Gabriel zu Maria kam, ist das Gefühl, das man von der ganzen Geschichte bekommt, völlig anders als das, als er Zacharias erschien. Zacharias hatte Angst. Für Maria scheint es eine viel natürlichere Sache gewesen zu sein, und zwar in so einem Maß, dass angedeutet wird, dass spirituelle Erfahrungen nichts Neues für sie waren und es eventuell nicht das erste Mal war, dass sie Anweisungen von einem Engel erhalten hatte.

CAMILLE FRONK OLSON: Hier haben wir eine junge Frau, die nicht ins Gewicht fällt oder besonderen Status besitzt, die von einem Engel aufgesucht wird, der ankündigt, dass sie die Mutter des Sohnes Gottes sein wird. In ihrer Antwort zeigt sie immensen Glauben: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ (Lukas 1:34 Einheitsübersetzung) Sie verstand nicht, wie das sein konnte, da sie eine Jungfrau war.

BRENT L. TOP: Ich bin beeindruckt von Marias Hingabe und Glaubenstreue. Nicht ein einziges Mal sagt sie: „Das ist unmöglich.“ Sie weiß, dass es geschehen wird, und sie unterwirft sich mit völligem Gehorsam, Glauben und Hingabe dem Willen des Vaters.

S. KENT BROWN: Viele Monate bevor der Engel Gabriel hier in Nazaret der jungen Maria erscheint, sucht er einen alternden Priester namens Zacharias im Tempel von Jerusalem auf und verkündet, dass ihm seine Frau einen Sohn schenken wird: „Dem sollst du den Namen Johannes geben.“ (Lukas 1:13 Einheitsübersetzung)

Monate bevor das junge Mädchen aus Nazaret den Messias gebiert, wird der Sohn, der für den Messias den Weg bereitet, von Elisabet, Marias viel älterer Cousine, in die Welt gesetzt.

“Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet. Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: ‚Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.'“ (Lukas 1:42 Einheitsübersetzung)

CAMILLE FRONK OLSON: Maria, die die Mutter des Sohnes Gottes werden würde und Elisabet, die Mutter des Johannes, waren laut dem Lukasevangelium Cousinen. Sie hätten sich also gekannt. Sie hätten also miteinander zu tun gehabt.

Elisabet würde endlich, nach Jahrzehnten, in der Lage sein, ein Kind zu gebären, sogar einen Sohn. Als sich dieses Gerücht in den Bergen von Judäa verbreitete, würde sich jedermann mit Elisabet freuen. Das wäre ein glorreicher und bemerkenswerter Tag gewesen. Die Tatsache, dass Maria herausfand, dass sie ebenfalls schwanger war, konnte nur ein freudiges Ereignis sein, wenn sie durch diesen Geist verstehen würde, was diese außergewöhnliche Geburt für sie und den Rest der Welt bedeuten würde.

Sie geht und besucht Elisabet, wie ihr der Engel aufgetragen hat. Elisabet, eine ältere Frau, für die die Zeit der Mutterschaft schon lange vorbei war, trifft diese junge, junge — viel jüngere Frau, als wir geneigt sind, uns vorzustellen — Maria. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Maria ein bisschen nervös war. Sie hat es niemand erzählt. Es ist nicht ihre Rolle, es irgendjemand zu erzählen. Elisabet wird klar, dass sie nicht die einzige ist, die ein Kind erwartet. Doch anstatt Maria zu kritisieren und zu sagen: „Was hast du nur getan? Das ist keine gute Sache!“, fängt Elisabet an, Gott zu lobpreisen und sagt: „Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“ Wie konnte Elisabet das wissen? Maria erzählt es ihr nicht. Wir haben keine Indizien, dass Elisabet irgendein Engel erschien. Sie sagt uns einfach ganz frei heraus, dass der Heilige Geist durch das ungeborene Kind zu ihr sprach. Johannes, ein Elias, ein Vorläufer, verrichtet schon seine Arbeit indem er bezeugt, dass der Sohn Gottes in Kürze geboren werden wird.

In diesem bemerkenswerten Moment können Sie das Auge Gottes auf diesen zwei Frauen sehen. Es gibt keinen helleren, strahlenderen, bemerkenswerteren Platz oder Zeit auf Erden als das, was wir in diesem Moment geschehen sehen. Maria und Elisabet bestimmen die Zukunft von uns allen.

ANDREW C. SKINNER: Da wir in Nazaret sind, haben wir die Gelegenheit, über die Verlobung von Maria und Josef nachzudenken. Zu Zeiten Jesu war es ein jüdischer Brauch, wenn sich ein junger Mann und eine junge Frau verloben wollten, dass ihre Väter zu einem Treffen zusammenkamen, um der Hochzeit zuzustimmen. Von diesem Zeitpunkt an sind der junge Mann und die junge Frau offiziell verlobt. Typischerweise dauert dieses Arrangement ein Jahr an. Dann, am Abend vor der Hochzeit, treffen sich die Frauen beider Familien mit der jungen Frau, um Geschenke auszutauschen, Ratschläge zu geben und zu feiern. Josef und Maria dürften solche Momente des Glücks kaum oder überhaupt nicht genossen haben.

Wenn wir buchstäblich behaupten, dass Josef und Maria wahrscheinlich kaum glückliche Zeiten miteinander verbrachten, von ihrer formellen Vermählung nach der Verlobung angefangen, bis weit über die Zeit der Geburt ihres erstgeborenen Sohnes hinaus, sprechen wir meiner Meinung nach darüber, dass es, angesichts der sozialen Verhältnisse oder des normalen Tagesablaufs dieser Zeit, kaum Platz für große Glücksgefühle gab. Allerdings dürfte es am himmlischen Hof an Glücksgefühlen nicht gefehlt haben.

ALISON COUTTS: Ich möchte gerne glauben, dass Josef alles glaubte, was Maria ihm erzählte. Wie dem auch sei, er war ein Zimmermann, also sehr praktisch veranlagt. Offensichtlich dachte er lange darüber nach, was er tun sollte. Sie waren verlobt, was fast dasselbe wie verheiratet ist. Und so entschloss er sich für eine heimliche Scheidung. „Heimlich“ entspricht in diesem Fall „privat“. Es war keine Scheidung in der Öffentlichkeit, aber etwas, das er seiner Meinung nach tun konnte, um ihr die Todesstrafe zu ersparen.

Wie wir wissen, schritt der Herr mit einem Engel ein, um Josef Mut zu machen. Er weiß, dass der Kurs, den er einschlagen kann, der richtige sein wird, dass er, und vor allem Maria, beschützt sein werden.

JUSTIN SU’A: Mir gefällt die Erzählung des Matthäus, in der er Josef in Vers 19 als gerechten Mann bezeichnet, weil er „sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.“ Es ist interessant zu sehen, dass allein der Gedanke, sich von ihr zu trennen, ihm Kummer verursacht. „Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum“, der ihm genau erklärte, wer dieses Kind sein würde und welche Rolle er und Maria spielen würden. Aufgrund dieses Erlebnisses gewann er eine völlig neue Perspektive. Nach dem Besuch des Engels hatte er hundertprozentiges Vertrauen in die Gebote des Herrn und war seiner zukünftigen Braut treu ergeben (Matthäus 1:19-25).

ALISON COUTTS: Bethlehem ist etwa 160 Kilometer von Nazaret entfernt. In der heutigen Ausdrucksweise ist Maria nun im neunten Monat schwanger. Maria macht die Reise auf dem Rücken eines Esels, der sie über holprige Bergwege transportiert. Es ist fast sicher, dass sie mit Leuten unterwegs waren. Es wäre damals viel zu gefährlich gewesen, zu versuchen, die Reise allein zu bewältigen. Was wiederum bedeutet, dass sie oft anhalten mussten, was für Maria immens unbequem gewesen wäre. Meiner Vorstellung nach waren sie zu der Zeit, als sie den Gasthof erreichten und es keinen Platz mehr für sie gab, nur zu zweit, man hatte sie also irgendwie zurückgelassen. All diese Hürden, die sie zu bewältigen haben, die physischen Strapazen, die ganze Situation, und dann steht zudem noch die Frage: „Wie kann ich den Sohn Gottes gebären? Wie wird es sein — Wie gehe ich damit um? Wie verarbeite ich das?“ Und dennoch war ihr Glauben stark, sie drängten weiter und erreichten ihr Ziel.

ERIC D. HUNTSMAN: Falls die Fakten, die uns Lukas liefert, korrekt sind, und Menschen von überall her kamen, um gezählt zu werden, oder sich eventuell darauf vorbereiteten, besteuert zu werden, und falls es tatsächlich Frühling war, wie die Heiligen der Letzten Tage glauben — dann war Jerusalem in der Tat eine völlig überfüllte Stadt, kurz vor dem Passahfest — wahrscheinlich würde es in Jerusalem selbst nicht für jeden Platz geben. Natürlich nur, wenn man Lukas jedes Wort glauben würde.

Ein Szenario, das für viele von uns ein Lieblingsteil der Weihnachtsgeschichte ist, ist diese Vorstellung des gemeinen Gastwirts, der nicht für alle Platz hat. Aber selbst dessen sind wir uns nicht so sicher, wie wir das gerne hätten. Es heißt, dass in dem Gasthof nicht genug Platz war, das Wort Gasthof ist tatsächlich eine Übersetzung des griechischen Wortes kataluma, das „Gasthof“ bedeuten kann, so etwas Ähnliches wie “Karawanen-Haltestelle”, aber auch “Gästezimmer” oder “das obere Zimmer”. Lukas hat diesen Ausdruck auch nur noch ein Mal benutzt, in Lukas 22:11, als Jesus das obere Zimmer fürs letzte Abendmahl vorbereitete. Es fehlt uns wirklich an all den Beweisen, um zu rekonstruieren, was sich in Bethlehem tatsächlich abspielte. Könnte es sich um eine kleine Gemeinde von Pilgern aus dem benachbarten Jerusalem gehandelt haben, oder eventuell um eine kleine Gemeinde, die von Leuten überfüllt war, die sich am Geburtsort ihrer Ahnen registrierten? Möglich. Es kann auch einfach so gewesen sein, dass Josef seine neue Braut nach Bethlehem brachte, weil er dort Verwandte hatte und nicht genug Platz im Haus war. Das Gästezimmer war voll. Marias Wehen setzen ein. Und der Stall war der beste Privatbereich, den sie finden konnten. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Felde und hielten Nachtwache bei ihrer Herde (Lukas 2:8 Einheitsübersetzung).

RICHARD HOLZAPFEL: Lukas erzählt uns, dass Hirten in den Feldern lagerten. Wir nehmen an, dass es Frühling war — dieses Szenario würde sich im Frühling abspielen — weil das die Lammungszeit wäre und die Hirten deshalb besonders beunruhigt und vorsichtig wären. Es steht zur Debatte, ob es überhaupt möglich ist, dass dort die Herden des Tempels gehütet wurden? Und selbstverständlich durften sie als Opfertiere keine Makel haben. Also, während der Lammungszeit galt besondere Vorsicht und besondere Sorge, um sicherzustellen, dass keines der Tiere verletzt werden würde und dass die Herden beschützt sind. Und auch aus ökonomischer Perspektive handelt es sich um die Zeit, in der die Lämmer am verletzlichsten sind, bei der Geburt, und deshalb sehen Sie diese — offensichtlich sind es nicht nur wie üblich junge Burschen, die die Herden behüten, sondern wohl auch ältere, reifere Hirten, die mehr Erfahrung haben, weil es sich eben um eine ökonomische Angelegenheit handelt. Es ist eine religiöse Angelegenheit.

Und sie scheinen zu dieser Zeit auf den Feldern gewesen zu sein, als sie plötzlich die Ankündigung der Geburt des langerwarteten Messias erhielten. Die Hirten sind natürlich außer sich vor Freude. Ich habe oft darüber nachgedacht, wenn es sich wirklich um Tempelhirten handelte, wie viel reichhaltiger und symbolischer die Geschichte war — dass sie die Geburt der Lämmer überwachten, die für das wichtigste und außerordentlichste Opfer im Tempel benutzt wurden, das Lamm ohne Makel, und genau in diesem Augenblick wurde das Lamm Gottes geboren.

CLYDE J. WILLIAMS: Als die Engel vor den Hirten erschienen, muss es sich für sie ganz klar um ein noch nie dagewesenes Ereignis gehandelt haben. Zuerst waren sie ebenso überrascht wie verängstigt. Doch dann erkannten sie die Botschaft. Es handelt sich nicht um etwas, das ihnen Unheil bringen wird. Aber das Wichtigste für mich ist, dass sie sich beeilen. Diese Hirten sind Gläubige, sie sind aufgeregt und voll Vorfreude zu gehen. Also machen sie sich nach Bethlehem auf, um die Stadt zu durchsuchen und diesen Messias zu finden, was unserer Suche nicht unähnlich ist. Sobald wir etwas über den Sohn Gottes erfahren haben, müssen wir uns auf die Suche machen, um ihn zu verstehen, und um zu ihm zu kommen und ihn zu finden.

S. KENT BROWN: Ich habe genug Vertrauen in Matthäus und Lukas. Matthäus berichtet höchstwahrscheinlich aus erster Hand, Lukas eventuell aus zweiter oder dritter Hand, aber basierend auf Augenzeugenberichten. Und ich finde, es sind diese Augenzeugenberichte, die alles andere überragen und mir sagen, ja, es handelt sich hier um ein wahres Ereignis. Ein Engel kam zu dem Priester. Ein Engel kam zu dieser kleinen jungen Frau in Nazaret. Ein Engel kam zu diesen Hirten. Und die Geschichte nimmt dort ihren Anfang. Und ich akzeptiere sie. Ich glaube sie und nehme sie beim Wort.

“Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Als Herodes merkte, dass ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurder er sehr zornig und er ließ in Bethlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten” (Matthew 2:13-16 Einheitsübersetzung).

DR. ZAHI HAWASS: Ägypten ist anders als jedes andere Land in der Welt. Wir wissen, dass Herodes I. von den Magiern über die Geburt eines neuen Kindes, das der König der Juden sein wird, unterrichtet worden war. Natürlich sorgte sich Herodes um sein Königreich, als er erfuhr, dass ein anderer der Führer der Juden sein wird. Dadurch wird sein Königreich bedroht. Dann befahl er eine Suche überall in Bethlehem, um diesen neugeborenen Jungen zu finden. Das ist genau, was sich abspielte. Dann mussten Josef, der Zimmermann, und Maria Bethlehem verlassen. Und der einzige sichere Ort für sie war meiner Meinung nach — Sie dachten, Ägypten sei ein sicherer Ort, um dem König zu entfliehen.

Sie blieben dreieinhalb Jahre lang in Ägypten. Ja. Und ich glaube, dass sie, aus Angst vor Herodes und seinen Männern, nie länger an demselben Ort blieben. Deshalb zogen sie von einem Ort zum anderen. Diese Orte sind bis heute heilig für Christen, und deshalb wurden an den Orten, an denen die heilige Familie Halt machte, auch so viele Kirchen gegründet. Wenn Sie irgendeinen Ort dieser Art aufsuchen, sehen Sie, dass sogar Muslims und Christen die Wunder immer noch wiederholen, die Jesus während seines Aufenthalts in Ägypten vollbrachte. All dies sind wirklich wichtige Beweise der Präsenz der heiligen Familie in Ägypten.

S. KENT BROWN: James E. Talmage vermutet, dass die Präsenz von Josef und Maria mit dem Kind in Bethlehem Fragen aufwerfen könnte. Und wir wissen, dass Herodes seine Antennen schon ausgerichtet hat. Es gibt also Leute, die dem Kind gegenüber misstrauisch sind. Zudem wurde ohnehin schon darüber gesprochen. Zum Beispiel gab es diesen Zwischenfall im Tempel, als den Leuten auffiel, dass Zacharias länger als üblich dort verweilte. Dann, als er herauskommt, kann er weder sprechen noch hören. Dann gab es Gerüchte aus Bethlehem, wo Hirten die Manifestation eines Engels gesehen haben sollen. Dann, anlässlich der Opferdarbietung für seine Geburt, machen beide, Simeon und Anna, ungewöhnliche Erfahrungen, als sie Maria und Josef, die das Kind mit sich bringen, im Tempel treffen. Sie unterhalten sich. In dieser Gesellschaft sind also schon Gerüchte über das Kind im Umlauf, dass irgendetwas vor sich geht. Dies hat die Auswirkung, dass sich Kräfte gegen Jesus aufrichten können, die ein Teil dieser Welt sind. Aber es existieren auch andere Kräfte, die in Opposition zu ihm stehen, aber Teil der ungesehenen Welt sind. Und irgendwie beginnen diese zwei Welten, sich gegen Maria und Josef zu richten. Sie wissen nicht über alles Bescheid, das vor sich geht, aber später in den Evangelien wird es klarer werden, dass sich all dies wirklich abspielt.

Wir befinden uns hier im Kloster der Syrer in der westlichen Wüste Ägyptens, das zum Teil dem Besuch von Maria, Josef und Jesus gewidmet ist, die während ihrer ersten Flucht vor König Herodes durch diese Gegend gekommen sein sollen.

Um die Zeitperiode des frühen Leben Jesu, zwischen der Zeit, als ihn seine Eltern nach Ägypten bringen, und der Zeit, als er im Alter von 30 Jahren sein irdisches geistliches Wirken beginnt, ist es mysteriöserweise sehr still, was natürlich zu Spekulationen und Verwirrung führt. Wie bei jeder Untersuchung des Leben Jesu lassen sich Antworten in den Texten der Evangelien und in den Werken zeitgenössischer christlicher und jüdischer Autoren finden, wie zum Beispiel bei Philo und Josephus.

“ Herodes starb, nur fünf Tage nach der Hinrichtung seines Sohnes, nachdem er 34 Jahre nach der Ermordung des Antigonus regiert und sein Königreich erhalten hatte.“ Flavius Josephus.

„Herodes starb, nur fünf Tage nach der Hinrichtung seines Sohnes, nachdem er 34 Jahre nach der Ermordung des Antigonus regiert und sein Königreich erhalten hatte.“ Flavius Josephus. „Erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum und sagte: ‚Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.‘ Und er ließ sich in einer Stadt namens Nazareth nieder.“ (Matthäus 2:20, 23).

S. KENT BROWN: Die Stadt Nazaret ist ein Ort, der für immer mit dem Namen Jesu assoziiert werden wird, in dem er vom Kind zum Mann heranwuchs. Zu Zeiten Jesu war Nazaret so ein unbedeutendes Dorf, dass es in den meisten Aufzeichnungen aus dieser Zeit nicht einmal erwähnt wird. Manche Gelehrte schätzen, dass es weniger als 500 Einwohner hatte. Lukas erzählt uns, dass hier in Nazaret eine junge Frau namens Maria vom Engel Gabriel besucht wird, der ihr ankündigt: „Du wirst ein Kind empfangen einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.“ Matthäus berichtet, nachdem die Familie mit dem jungen Kind nach Ägypten geflohen war, kehren Maria und Josef nach Palästina zurück, um sich wieder im Dorf ihrer Jugend niederzulassen. Hier wandelt der Gott des Abraham als Unbekannter in den Straßen von Nazaret.

PAUL Y. HOSKISSON: Viele Leute wundern sich, warum die Kindheit Jesu Christi in der Bibel kaum erwähnt wird. Wir haben nur diesen einen Vers. Aber die Leute habe sich bemüht, die Lücken zu füllen. Manche apokryphe Schriften erzählen von seiner Kindheit und was er tat, während er aufwuchs. Aus irgendwelchen Gründen beschloss der Herr, dass er uns darüber nicht unterrichten wollte.

MICHAEL D. RHODES: Die Menschen haben eine natürliche Neigung dazu, Lücken dieser Art auszufüllen, und es gibt — Zumindest im Altertum gab es viele Schriften über die Kindheit Jesu Christi, die eine Vielfalt bemerkenswerter Geschichten erzählten, zum Beispiel dass er im Geschäft seines Vaters Holz zum Sprießen brachte, dass er Tiere dazu brachte, zu tun, was er wollte, alle möglichen außergewöhnlichen Wunder vollbrachte, was natürlich alles pure Fiktion ist. Die Autoren der Evangelien schrieben nicht so viel darüber, weil es wirklich nicht so wichtig war.

JOHN S. TANNER: Wir wissen, dass er durch die Erziehung seiner Eltern die Feste beobachtet hat —wir sehen ihn bei Festen—, dass er zum Tempel gebracht wurde, wahrscheinlich in die synagoge und auch zu Hause belehrt wurde. All diese Elemente — Feste, Tempel, Synagogen, das Heim — spielten alle eine wichtige Rolle, wie ein jüdischer Junge aufwuchs.

Er wurde ermutigt, die Heilige Schrift zu studieren. Er wurde zu Hause dazu ermutigt. Er wurde in der Synagoge dazu ermutigt. Und auch der Tempel befürwortete diese Studien. Das dürfte ein entscheidender Teil seines Lebens gewesen sein. Es wurde sicherlich täglich gebetet, was uns wiederum zur Bibel zurückführt. Es dürfte ein sehr frommes Heim gewesen sein, ein orthodoxes Zuhause, dass die Gebote der Bibel befolgte.

CECILIA M. PEEK: Es gab bestimmt signifikante Überlappungen zwischen weltlicher und religiöser Erziehung, wobei die Synagoge wahrscheinlich das Zentrum jüdischer Bildung und Erziehung gewesen sein dürfte. Eine interessante Ironie des Leben Jesu ist, dass er beim Studieren der Heiligen Schrift über sich selbst lernen würde und Prophezeiungen lesen würde, die sich auf seine eigene Person und sein eigenes Leben bezogen.

ANDREW C. SKINNER: Den einzigen soliden biblischen Beweis in Bezug auf die Jugend Jesu, den wir besitzen, spielt sich auf der antiken Tempelstätte ab. Als Jesus 12 Jahre alt war, brachten ihn seine Eltern nach Jerusalem, um das alljährliche Passahfest zu feiern. Zu diesem Anlass lehrte Jesus im Tempel. Als seine Eltern, Josef und Maria, nach Nazaret zurückkehrten, was in etwa eine Tagesreise von Jerusalem entfernt ist, fiel ihnen auf, dass Jesus nicht bei ihnen war. Also kehrten sie nach Jerusalem zurück, um nach dem Jungen zu suchen.

JUSTIN SU’A: Sie hatten die Tagesreise von Jerusalem in Begleitung einer Gruppe galiläischer Pilger gemacht, die vom Passahfest auf dem Weg zurück nach Galiläa waren. Schließlich bemerkten sie, dass sich Jesus nicht unter ihnen befand. Ich kann mir vorstellen, dass sie völlig außer sich nach ihm suchten, jeden ihrer Schritte zurückverfolgten, aber ich glaube, sie waren noch größerem Druck ausgesetzt, weil es sich nicht nur um irgendein normales Kind handelte. Dies war nicht nur ihr geliebtes Kind, sondern auch der einziggezeugte Sohn des Vaters.

VICTOR L. LUDLOW: Lukas berichtet: „Nach drei Tagen fanden sie –“ seine Eltern — „ihn im Tempel; er saß mitten unter den Lehrern, hörte ihnen zu und stellte Fragen.“ Aber in den Fußnoten zu dieser Stelle heißt es, „und sie hörten ihm zu und stellten ihm Fragen.“ Es handelte sich also wirklich mindestens um einen wechselseitigen Dialog, weil er auch ihnen Dinge beibrachte. Ich nehme an, dass einige dieser Lehren, die er ihnen als Zwölfjähriger gab, tatsächlich fast dieselben fundamentalen Lehren waren, die sie 20 Jahre später von diesem Wundertäter aus Nazaret hören würden, der ihnen so viel Angst und Sorge bereitete. Vielleicht konnten sie diese Fragen und Ideen von einem Zwölfjährigen leichter akzeptieren. Er stellte keine Bedrohung für sie da. Aber offensichtlich betrachteten sie ihn Jahre später als Erwachsenen, der ihnen wahrscheinlich dieselben fundamentalen Dinge lehrte, als große Bedrohung ihres Einflussreichtums und ihrer Autorität.

JUSTIN SU’A: Als Maria und Josef den Tempel betraten, waren sie sehr betroffen und Maria tadelte: „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“ Es ist interessant zu sehen, wie Jesus darauf antwortete: „Da sagte er zu ihnen: ‚Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lukas 2:48–49 Einheitsübersetzung).

Aus dieser Antwort gehen für uns zwei Dinge hervor. Erstens, Jesus erinnert Maria daran, dass er nicht der Sohn Josefs ist, sondern der Sohn Gottes im Himmel. Und zweitens ist seine Antwort ein Indiz für Maria, dass er sein göttliches Potential und seine Rolle im Plan der Erlösung erkannt hat, sogar im zarten Alter von 12 Jahren.

S. KENT BROWN: Ich glaube, dass die Tatsache seiner Geburt die wahre Natur seiner Erfahrungen, die er unter uns macht, betont — dass er nicht als Geist durch sein Leben ging, als Person, die nicht dieselben Gefühle hat wie wir, der nicht sah, wie ich sehe, der nicht berührte, wie ich berühre, und auf den sich die Ereignisse und alle möglichen Dinge, die sich in meinem Leben abspielen, genauso auswirken wie auf mich. Alles war für ihn genauso real wie für mich, und das heißt, dass er mich versteht.

S. KENT BROWN: Die außergewöhnlichen Umstände der Geburt Jesu schaffen die Vorraussetzungen für sein außergewöhnliches Leben, das folgen sollte. Wie der Prophet Jesaja über das Kind, das inmitten von uns geboren wurde, schreibt: „Seine Herrschaft ist groß, und der Friede hat kein Ende. Auf dem Thron Davids herrscht er über sein Reich; er festigt und stütz es durch Recht und Gerechtigkeit, jetzt und für alle Zeiten.“ (Jesaja 9:7 Einheitsübersetzung).

Die Verkündigung der Geburt des Jesus von Nazaret in bescheidenste Verhältnisse resonierte über Jahrhunderte hinweg mit Königen und Bauern gleichermaßen. Die unterschiedlichsten Kulturen in aller Welt können sich mit dieser Geschichte identifizieren. Und obwohl über seine frühe Kindheit und Jugend wenig bekannt ist, weist die Erzählung über den Jungen Jesus, der die Gelehrten im Tempel belehrt, auf den Kurs hin, den der Heiland nehmen wird, um sein Königreich auf Erden zu etablieren.


3. Episode: Bist du Gottes Sohn? ... Macht und Autorität !!!



Wer ist diese archaische Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, im wahrsten Sinne des Wortes, der Retter der Welt? In der Debatte, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Gelehrten das Göttliche und unterscheiden zwischen dem Jesus der Historie, einem sterblichen Mann, und dem Jesus unseres Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Gelehrte darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und moderne Erkenntnisse zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Nach der Taufe Jesu im Fluss Jordan beschreiben die Autoren der Evangelien die göttliche Kraft und Autorität, die er am Beginn seines geistlichen Wirkens manifestiert. Die Schelte, die er dem Versucher in der Wüste erteilte, seine Sanierung des Tempels in Jerusalem, und sein Aufruf an die 12 Apostel, sich ihm anzuschließen, sind alles Beweise dafür, dass Jesus seine Berufung als lang erwarteter Messias anerkennt und akzeptiert.

JOHN S. TANNER: Als Junge sagt Jesus zu seinen Eltern: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Lukas hält fest, „Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte“ (Lukas 2:49–50 Einheitsübersetzung). Es scheint, dass die Eltern Jesu seine Anspielung auf sein irdisches geistliches Wirken nicht völlig verstanden.

Doch die wichtigere und tiefgreifendere Frage ist: „Inwieweit war sich Jesus selbst seiner messianischen Mission und göttlichen Natur bewusst?“ Gelehrte debattieren seit langem die Frage, ob sich Jesus selbst zum Messias ernennt oder ob ihm seine Göttlichkeit von seinen Anhängern zugeschrieben wird. Diese Frage rüttelt an den Wurzeln des Christentums.

THOMAS A. WAYMENT: Heute ist unter Gelehrten eine hitzige Debatte um die Frage im Gange, ob Jesus selbst glaubte, dass er der Messias oder der Erlöser der Welt sei oder ob ihm andere diese Worte später nach seinem Tod in den Mund legten. Und um dieses Problem zu verstehen, und zu verstehen, warum darüber überhaupt debattiert wird — Wenn wir das Neue Testament lesen, ist es absolut offensichtlich, dass er diese Dinge lehrte. Wir sehen, dass es Johannes verkündet. Wir sehen, dass es Jesus verkündet. Und die Basis dieser Debatte ist ein Dokument, ein hypothetisches Dokument namens Q. Q ist die Feststellung von Gelehrten, dass sich die ersten drei Autoren der Evangelien, Matthäus, Markus und Lukas, mitunter Wort für Wort kopierten. Also nahmen sie diese drei Evangelien und versuchten zu bestimmen, wer der Erste, wer der Zweite und wer der Dritte war. Dadurch können wir festlegen, wer wen kopiert hat. Es ist fast sicher, dass Markus die früheste Quelle ist. Wenn wir also Markus ausschließen, und Matthäus und Lukas miteinander vergleichen, finden wir etwa 65 Stellen, die Wort für Wort bei beiden zu finden sind. Aber es sieht so aus, als hätten die Autoren für diese 65 Redewendungen eine Quelle benutzt. Diese Quelle wir von Gelehrten Q genannt, nach dem deutschen Wort „Quelle“. Es wird angenommen, dass dieses Dokument das älteste christliche Dokument ist, das es gibt.

Wir haben also dieses Dokument und haben all diese Annahmen gemacht, dass alles, was sich nicht in Q befindet, zweitrangig ist — zweitrangig in Bezug auf Jesus, zweitrangig in Bezug aufs Christentum. Man kann diese Dinge also bewerten und Werturteile fällen. In Q behauptet Jesus nicht, dass er der Messias ist, folglich hat sich Jesus nicht als Messias bezeichnet, und andere Dinge dieser Art. Aber es existieren viele Lücken. Und wenn man all diese Lücken letztendlich zusammenaddiert, kann man recht drastische Schlussfolgerungen ziehen. Zum Beispiel, Jesus glaubte nicht, dass er das Messias war.

GAYE STRATHEARN: Und es entwickelt sich tatsächlich eine Art Verschiebung zwischen einer Hermeneutik des Glaubens und einer Hermeneutik des Verdachts. Mit Hermeneutik meine ich eigentlich eine Interpretation. Diese Hermeneutik des Verdachts besagt, dass sich die Kirche von der Akademie distanzieren sollte. Thomas von Aquin erklärte einst, dass wir Vernunft benötigen, um die Bibel zu verstehen, aber was er mit Vernunft meinte, war ein Verständnis des Geistes und Willen Gottes. Sobald wir ins Zeitalter der Erleuchtung kommen, ist menschliche Vernunft menschliche Vernunft. Wir brauchen nichts anderes, um uns zu helfen, dies zu tun. Alle Dinge, die sich nicht durch menschliche Rationalität erklären lassen, sollten wir einfach zur Seite schieben. Wir können sie nicht diskutieren. David Strauß würde sagen: „Es gibt keine Wunder. Sie sind mit dem menschlichen Verstand nicht zu beweisen.“

Also, die Anschauungen, mit denen Sie an den Text herangehen, bestimmen die Resultate, die Sie von dem Text bekommen. Offensichtlich haben wir alle bestimmte Anschauungen. Niemand liest einen Text, ohne Annahmen mit sich zu bringen. Die biblische Wissenschaft vertritt die Anschauung, dass Gott nicht existiert, dass er nicht — er ist nicht Teil einer weltlichen Erfahrung, und wenn wir deshalb im Neuen Testament eine Kombination von Himmel und Erde sehen, dann müssen sie nicht historisch gemeint sein. Sie lesen den Text also völlig anders.

THOMAS A. WAYMENT: Eine andere Sache, die für Gläubige sehr schwer zu verstehen ist, und ich glaube, das gilt für Gelehrte ebenso, ist, dass sie Menschen studieren, die Glauben hatten, doch die Gelehrten selbst teilen diesen Glauben nicht. Folglich existiert dieser Antagonismus. Wie soll ein Ungläubiger in der Lage sein, einen Gläubigen zu verstehen, und wie soll ein Gläubiger in der Lage sein, einen Ungläubigen zu verstehen.

Doch die Quintessenz ist, dass Annahmen bestimmen, was Sie finden werden. Wenn Sie an Wunder glauben, sehen Sie das nicht als nebensächlich. Wenn Sie glauben, dass Jesus der Messias war, kann es, wenn er es sagt, das Original sein und auf Jesus zurückgehen. Aber wenn Sie glauben, dass Jesus nicht der Messias war, sondern ein ganz normaler Mensch, und dass die Wunder Legenden sind, dann werden Sie einen Weg finden müssen, dies aus der Geschichte wegfallen zu lassen und zum wahren Jesus zu gelangen, dem Jesus der Wissenschaft.

JEFFREY R. CHADWICK: Als Johannes der Täufer etwa 30 Jahre alt war, begann er seinen geistlichen Dienst als ein Prophet Gottes. Die Öffentlichkeit reagierte auf ihn von Anfang an mit Enthusiasmus und voll Erwartung. Das jüdische Volk hatte seit Generationen keinen Propheten Gottes gesehen, und sie waren sofort bereit, ihn in dieser Rolle zu akzeptieren.

CAMILLE FRONK OLSON: Die Menschen hören Johannes zu und kommen aus den Städten, um ihn zu sehen. Wir lesen von Anfang an von einer Vielzahl Menschen. Selbst Zöllner und manche Soldaten sind darunter und sagen: „Was müssen wir tun?“ Das Aufsehen ist tatsächlich immens, in so einem Ausmaß, dass es laut Lukas 3, Vers 15 heißt: „Das Volk war voll Erwartung“ — Er spricht also von einer Vorstellung, dass es Erwartungen auf etwas gab. Und der Rest des Verses weist darauf hin, was dieses etwas ist. „Und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.“ Ist das der lang erwartete Messias? Die Erwartung, die Vorfreude ist vorhanden. Johannes entsprach in vieler Hinsicht ihren Vorstellungen, und es strömten Menschenmassen aus den Städten, um ihn zu hören, erpicht darauf, einen Wandel zu bringen.

JEFFREY R. CHADWICK: In Johannes 1, besonders in Vers 24, lesen wir, dass viele, die gekommen waren, von den Pharisäern geschickt wurden und zu jenen gehörten, die ihn fragten: „Wer bist du? Was sagst du über dich selbst?“ Die Pharisäer, genau wie das jüdische Volk, verehrten Johannes als Propheten und waren enttäuscht und unsäglich traurig darüber, dass ihn König Herodes hinrichten ließ.

Doch die Sadduzäer, die hohen Priester und Ältesten, die die Regierung und Administration von Judäa und Jerusalem führten, waren aus mehreren Gründen alles andere als glücklich über Johannes, den Propheten. In erster Linie vertraten sie die Auffassung, dass die Ära der Propheten vorüber war, und die Sadduzäer standen allen neuen prophetischen Bewegungen ablehnend gegenüber. Zweitens lehnten die Sadduzäer jede Idee in Bezug auf einen Messias von Israel vehement ab, ein Messias, der König werden würde und die Ordnung der Dinge, inklusive der politischen Ordnung, abändern würde. Die Sadduzäer — die hohen Priester und Ältesten — waren Alliierte Roms, und arbeiteten tatsächlich bei der Regierung Judäas mit Rom zusammen. Letztendlich hatte der römische Gouverneur, was die Regierungsangelegenheiten Judäas betraf, das Sagen, während die Sadduzäer, mit dem Hohenpriester an der Spitze, Jerusalem auf lokaler Ebene regierten, und das Allerletzte, das sie brauchten, war ein neuer Prophet, der die Ankunft eines Messias vorhersagte und den reibungslosen Verlauf ihrer Geschäfte in Jerusalem und am Tempelberg stören könnte. Die Führer der Pharisäer, wie zum Beispiel Leute wie Nikodemus, die unter den 71 Mitgliedern des jüdischen Senats, des Sanhedrin, saßen, dürften über Johannes Auftauchen sehr enthusiastisch gewesen sein. Die Sadduzäer hingegen widersetzten sich Johannes mit derselben Vehemenz, mit der sie später auch Jesus gegenüberstehen würden.

GAYE STRATHEARN: Nachdem Jesus im Alter von 12 Jahren den Tempel besucht, stammen die einzigen biblischen Aufzeichnungen, die wir über das Leben Jesu haben, von Lukas, der berichtet, dass er nach Nazaret zurückkehrte und weiterhin unter Aufsicht seiner Eltern lebte. Wir haben weder Informationen über Jesus als Teenager, noch über seine 20er Jahre. Tatsächlich taucht er erst im 15. Jahr der Regierungszeit von Tiberius, als Jesus etwa 30 Jahre alt war, wieder auf der Bildoberfläche auf, wie alle vier Autoren der Evangelien berichten. Und laut allen vier Berichten macht sich Jesus hierher, zum Fluss Jordan auf, um Johannes den Täufer zu finden.

CAMILLE FRONK OLSON: erste persönliche Treffen zwischen Johannes und Jesus, das die Bibel festhält, ist die Taufe Jesu, als Jesus an den Jordan bei Bethabara, zum Flussübergang, kam, um sich von Johannes taufen zu lassen.

GAYE STRATHEARN: Dort sitzt Johannes und sagt: „Ich müsste von dir getauft werden, und du kommst zu mir?“ Aber Jesus antwortete: „Lass es nur zu! Denn nur so können wir die Gerechtigkeit die Gott fordert ganz erfüllen.“ Er bekennt, dass er das Kriterium der Johannestaufe, nämlich die Umkehr, nicht erfüllt. Dennoch wird er getauft.

Ich finde, es ist eine sehr schöne Stelle, an der das Buch Mormon eine Verbindung herstellt, denn in der Bibel wird uns nicht erklärt, was es heißt, die ganze Rechtschaffenheit zu erfüllen, aber wenn wir zum 2. Nephi Kapiel 31 , gehen, wo Nephi, nachdem er eine Vision dieses Ereignisses hatte, an diesen Tag zurückdenkt und reflektiert — bemerkt er deutlich: Was bedeutet es, die ganze Rechtschaffenheit zu erfüllen? Nun ja, es dient dazu, den Kindern und Männern zu zeigen, dass Jesus demütig ist, und seinem Vater zu zeigen, dass er gehorsam ist. Und deshalb ist Jesus gewillt, sich taufen zu lassen, obwohl er erkennt — Johannes der Täufer erkennt, dass er es eigentlich nicht braucht, aber trotzdem tun wird, um uns und seinem Vater ein Beispiel zu zeigen.

JEFFREY R. CHADWICK: Obwohl ihm keine Sünden vergeben werden mussten, war es notwendig, diese autorisierte Vorbereitung, diese Durchführung des Ritus, was ihn auch darauf vorbereitete, seine Mission als Erwachsener zu erfüllen, von Johannes zu erhalten. Also folgte Johannes der Bitte Jesu und tauchte ihn unter im Wasser des Jordan.

CAMILLE FRONK OLSON: Als Jesus getauft war, “und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: ‚Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.'“ (Matthäus 3:16–17 Einheitsübersetzung).

Dieses Mal ist es etwas anderes, das der bestätigende Zeuge zu sein scheint. Dieses Mal ist es eine Taube und die Bezeugung vom Heiligen Geist, die Johannes das tiefere Zeugnis geben, dass es sich nicht nur um einen bemerkenswerten Mann handelt, der zu ihm kam, um getauft zu werden, sondern dass es tatsächlich der Sohn Gottes ist. Keine Frage, Johannes weiß ganz genau, wer das ist. Er weiß es durch das Zeugnis des Geistes. Dies ist der Sohn Gottes. Er erfüllt einen Teil seiner Rolle als Vorläufer, als ein Elija. Er, und nur er allein, war vorherbestimmt, den Sohn Gottes zu taufen. Er weiß, dass er es getan hat.

ANDREW SKINNER: Nicht weit von hier wurde Jesus getauft. Über meiner rechten Schulter liegt die alte Stadt Jericho, und nur ein bisschen weiter fließt der Jordan, wo, wie wir annehmen, Jesus getauft wurde. Die Taufe Jesu war ein außergewöhnliches Beispiel seines Gehorsams, mit dem er die Anweisungen und Wünsche seines Vaters befolgte. Man kann durchaus sagen, dass die meisten Leute glauben, die Taufe Jesu markiert den Beginn seines geistlichen Wirkens auf Erden. Man sollte eigentlich annehmen, dass sich Jesus nach so einer Darstellung seiner Kraft und Autorität, wie er sie bei seiner Taufe gab, unverzüglich nach Jerusalem aufmachen würde, um mit seinem Predigen und Lehren und Ermahnen vom Gipfel des Hügels und darüber hinaus auch im Tempel zu beginnen, wo er auch oft unterrichtete. Das war allerdings nicht der Fall. Viele Leute glauben, dass Jesus hierher kam, in die Nähe der alten Stadt von Jericho. Diese Wüste, diese karge Wildnis, wird für den Erlöser ein Platz des Fastens und Gebetes. Und am Ende der 40 Tage wird es auch ein Platz der Versuchung.

S. KENT BROWN: Um die judäische Wildnis zu verstehen, muss man eine Vorstellung der Topografie dieser Gegend haben. Wir fangen also hier mit Jerusalem an. Auf der Westseite des Ölbergs verläuft eine Straße ums Südende des Ölbergs und hinunter zum Toten Meer, die der Salzweg genannt wird. Es gibt eine andere Straße, die über die Spitze des Ölbergs vom Kidrontal aus führt und dann am Osthang hinunter bis Jericho verläuft. Zwischen diesen zwei Straßen, sowohl gen Norden, als auch gen Süden, liegt die Wildnis von Judäa. In dieser Landschaft existiert kein Flachland. Es gibt nichts als Hügel, die im Lauf der Jahrtausende durch Regen, Wind und so weiter abgetragen wurden.

ROGER R. KELLER: Jesus fastet in dieser Wildnis 40 Tage lang. Der Geist scheint ihn in diesem Zeitraum am Leben erhalten zu haben. Und als diese Zeit zu Ende geht, tritt genau an diesem Punkt Satan an ihn heran. Und dort beginnt er, ihn herauszufordern und zu versuchen. Tatsächlich kann das Wort „Versuchung“ wohl auch als „Prüfung“ übersetzt werden. Es handelte sich wahrlich um Prüfungen, die der Heiland bestehen musste. Es besteht kein Zweifel, dass es Versuchungen gab, aber es war definitiv auch eine Prüfung, bevor er seinen geistlichen Dienst antrat, den er niemals aufgab und für den Rest seines Lebens ausführte, um die Mission zu erfüllen, die ihm sein himmlischer Vater aufgetragen hatte.

 

KAYE TERRY HANSON: Als er Gnade um Gnade, Zeile um Zeile lernte, ist dies der Ort, wo er anfängt zu verstehen, was er zu tun hat. Er ist nach dieser Fastenzeit physisch völlig ausgehungert. Und genau an diesem Punkt schlägt Satan zu.

ROGER R. KELLER: Manche Gelehrte betrachten dies als rein psychologisch. Wir wollen sicher sein, dass wir verstehen, dass Satan wirklich dort war und dass es wirklich eine Herausforderung für Jesus war. Es war gewiss auch psychologisch, da er diesen Kampf mit sich selbst zu kämpfen hatte, in dem es darum ging, wie er das, was Gott ihm aufgetragen hatte, ausführen würde. Oberflächlich gesehen würde die Herausforderung, die Steine zu Brot zu verwandeln, sicherlich seinen Hunger, den er in diesem Moment verspürte, stillen, aber ich glaube, dass diese oberflächliche Bedeutung hier auf etwas viel Tieferes hinweist. Wenn er wollte, hatte Jesus die Kraft, die Welt zu nähren. Es war eine Welt, die aus Menschen bestand, die hungrig oder am Verhungern und generell in großer Not waren. Konnte er nun seine Kraft und Autorität auf diese bestimmte Weise nutzen, um sie zu speisen, oder würde er sie auf andere Art nähren, nämlich spirituell?

S. KENT BROWN: Natürlich schiebt es Jesus beiseite, indem er die Bibel zitiert. Er sagt: „In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ Diese Szene weist auf ein Ereignis vor ein paar Monaten zurück, als Johannes zu seinem Publikum sagte: „Meint nicht, ihr könntet sagen: Wir haben ja Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann aus diesen Steinen Kinder Abrahams machen.“ Also sagt Satan zu Jesus: „Es sollte doch recht einfach sein, wenn du der Sohn Gottes bist, wie Johannes versprach, nimm einen dieser Steine und erwecke ein Kind.“ Ich glaube, dass auch entfernter auf die Schöpfung zurückgewiesen wird, als Jesus, der Sohn Gottes, der Schöpfer, aus dem Staub dieser Erde einen Mann erschuf, den er Adam nannte. Essentiell sagt Satan also zu ihm: „Wenn du einst in der Lage warst, einen Mann aus einfachem Staub zu erschaffen, warum dann nicht Brot aus einem einfachen Stein?“

KAYE TERRY HANSON: Vergessen Sie nicht, über die zweite Versuchung wird uns erzählt, dass der Heiland mit Satan auf die Turmspitze des Tempels geht. In der Bibel heißt es an dieser Stelle übrigens, dass Satan ihn mit sich dorthin nahm, aber ich glaube nicht, dass Satan den Heiland irgendwohin mitnahm. Und an diesem Punkt stehen sie beisammen und Satan fordert den Heiland auf: „Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“ Hier haben wir es wieder — Sie stehen da, sehen Steine auf allen Seiten und sagen: „Was für ein perfekter Ort für so eine Herausforderung!“ Aber wie gehabt, ist die Sache, an der er arbeitet, Kraft.

S. KENT BROWN: Jesus antwortet darauf: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen.“ Sich der Versuchung zu widersetzen und nicht zu springen ist tatsächlich ein respektvoller Akt seinem Vater gegenüber, damit sein Vater nicht gezwungen ist, auf außergewöhnliche Weise einzugreifen um seinen Sohn, der sich zum Sprung überreden ließ, zu retten, ihn zu retten, weil er von der Spitze des Tempels sprang.

ROGER R. KELLER: Außerdem wird Satan gegenüber ein Punkt klar gemacht. „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst mich nicht versuchen.“ Meiner Meinung nach geht diese Dimension mitunter verloren. Denn Jesus ist die zweite Person, die die Gottheit verkörpert. Aber meiner Meinung nach impliziert es auch, dass Satan auf die Knie fallen und seinen Gott, den Heiland, anbeten sollte.

JOSEPH FIELDING MCCONKIE: Niemand kann zu Christus sagen: „Das verstehst du nicht. Du hast es nicht erlebt.“ Ja, er hat es erlebt. Er wusste, was es heißt, müde zu sein. Er wusste, was es heißt, hungrig zu sein. Und er wusste, was es heißt, versucht zu werden. Und als sich der Teufel bemüht, ihn zu verführen, war eine der Versuchungen, ihm all die Pracht und den Reichtum der Welt anzubieten, was uns wieder versichert, dass ihm alle möglichen Versuchungen angeboten wurden, und dass er in der Lage war, sie zu erfahren, sie zu kosten und sie zu fühlen.

S. KENT BROWN: Die ganze Geschichte dreht sich um Macht und Autorität. Wer besitzt die wahre Autorität? Wer hat die wahre Macht? Und Satan präsentiert sich als jemand, der die Autorität besitzt, Dinge zu vergeben. „Das alles will ich dir geben”, sagt er. Jesus widersetzt sich, weil er weiß, dass die wirkliche und wahre Macht und Autorität die seines Vaters im Himmel ist. Gewissermaßen kommt Satan Jahrtausende später zurück und fordert nun den Sohn Gottes heraus, der als Sterblicher geboren wurde, wie er ihn einst in seinem vorirdischen Leben um das Recht, Messias genannt zu werden, herausgefordert hatte.

ERIC D. HUNTSMAN: Was die drei Erzählungen synoptisch zusammenfassen, ist, dass ein paar Dinge geschehen mussten, bevor Jesus sein formelles geistliches Wirken beginnen konnte. Er musste auf jeden Fall getauft werden, und es bedurfte der Bekräftigung des Vaters selbst zu Jesus in den Erzählungen von Markus und Lukas und bei Matthäus zu den Beistehenden, dass Jesus der Sohn Gottes war. Dann geht er in die Wildnis, in der er versucht wird, aber hauptsächlich um mit Gott zu sein. Mitunter konzentrieren wir uns so sehr auf die Versuchung, dass wir vergessen, dass der Zweck, in die Wildnis zu gehen, für ihn der war, um mit Gott zu sein. Es ist interessant, dass Lukas klar macht, dass Jesus, als er von diesem Erlebnis zurückkehrt, zurückkommt — das ist in Lukas 4:14 zu finden — Er kehrt in der Kraft des Geistes zurück nach Galiläa. Nachdem am Beginn also diese Schritte getan waren, war Jesus bereit, seinen geistlichen Dienst anzutreten.

ANDREW SKINNER: Ich glaube, dass es sehr schwer für ihn war, den See Gennesaret und Galiläa, diese Gegend, die er so liebte, zu verlassen und sich, wie die Bibel sagt, unentwegt Jerusalem zuzuwenden, fast als wäre es ein reiner Willensakt gewesen, dass er sich gewissermaßen dazu zwang, nach Jerusalem zu gehen. Ich glaube, je länger man sich hier befindet, desto mehr beginnt man, dieselben Dinge zu schätzen, die er liebte. Ich glaube wirklich, dass dies sein geliebtes Galiläa war. Ich glaube wirklich, dass er sein Heimatland geliebt hat. Für mich fühlt es sich fast so an wie jemand, der seine alte Nachbarschaft verlassen hat. Jedes Mal, wenn man zurückkehrt, kommen alte Gefühle auf, und ich glaube, das ist genau das, was Jesus jedes Mal passierte, wenn er nach Galiläa zurückkam. Seine Familie lebte hier, und er liebte seine Familie mit so einer Innigkeit, wie wir sie uns wohl kaum vorstellen können. Ich kann mir vorstellen, dass er durch das Dorf lief und zum Sandalenmacher Hallo sagte oder zum Wasserverkäufer Hallo sagte, und dass ihm jedermann am Herzen lag. Die Tragik ist, dass leider eine Zeit kam, in der diese Liebe, die er für die Leute hatte, nicht mehr erwidert wurde.

KENT BROWN: Lukas schreibt: „So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge, und stand auf um aus der Schrift vorzulesen.“ Wir wissen, dass ihm der Priester das Buch des Propheten Jesaja reichte. Jesus öffnete das Buch und fing an, diese Stelle zu lesen: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde,“ und so weiter. Meiner Meinung nach bot sich Jesus hier die beste Gelegenheit, seinen Freunden, seinen Nachbarn und den Leuten, die ihn kannten, zu sagen, wer er wirklich war, und er machte sie alle zu Zeugen. Die ganze Sache schreckt sie natürlich etwas auf. Sie hatten gehört, dass er woanders Wunder vollbracht hatte, unter anderem in Kafarnaum, und sie würden gerne etwas Ähnliches sehen. Doch Jesus weigert sich. Sie kommen nicht mit Glauben zu ihm.

ROGER R. KELLER: Dann erinnert er sie daran, dass zu Zeiten Elijas nur eine Witwe, eine Heidin, seine Aufmerksamkeit — Gottes Aufmerksamkeit erhalten hatte. Es war nicht das erwählte Volk. Ihre Antwort darauf ist hochinteressant, denn binnen kürzester Zeit herrschte Aufruhr in der Synagoge und sie führten ihn an den Abhang des Berges, um ihn hinabzustürzen, weil er, wie ich glaube, im Grunde genommen den falschen Leuten die Erlösung anbietet (Siehe Lukas 4:28-29).

ALAN K. PARRISH: Das sind seine Freunde, mit denen er aufwuchs, denen er etwas bedeutete, die ihn liebten und verehrten. Und dabei fällt mir Jakob im Buch Mormon ein. Er spricht über die Juden, die Zeitgenossen von Jesus waren, dass sie Dinge suchten, die sie nicht verstehen konnten, und bei ihrer Suche, die Geheimnisse zu enthüllen, übersahen sie die Symbole, die sie vor Augen hatten, das heißt, sie übersahen Christus und verneinten ihn, und in diesem Fall, in der kleinen Synagoge, lehnten sie ihn so sehr ab, dass sie seinen Tod suchten, dass sie ihn umbringen wollten.

KAYE TERRY HANSON: Als sie nun den Heiland nahmen, um diesen schrecklichen Akt zu begehen, verschwand er einfach inmitten der Menge. Sie sind so sehr in die Ereignisse verwickelt, dass sie nicht einmal bemerken, wie er entflieht. Offensichtlich weiß er, was er tut, genauso wie unser Vater im Himmel weiß, was er tut. Seine Zeit, getötet zu werden, ist noch nicht gekommen. Diese Zeit steht noch bevor.

ALAN K. PARRISH: Er macht sich sofort auf nach Kafarnaum, was nicht sehr weit entfernt ist, vollbringt dort einige großartige Wunder und zeigt seine Macht, seine göttliche Kraft als Erlöser, der gekommen ist, um genau diese Dinge zu vollbringen, von denen Jesaja gesprochen hatte und die Jesus in der Synagoge wiederholt hatte, wo er zeigt, dass er in der Tat gekommen ist, um diese Dinge zu tun.

S. KENT BROWN: Und am nächsten Sabbat geht er in die Synagoge, wo er auf einen Mann trifft, der von einem unreinen Geist besessen ist, und Jesus zeigt seine Macht, indem er den Geist austreibt. Ich finde, es ist interessant, dass Jesus die Institution der Synagoge wählte, um seine Identität bekanntzugeben, um seine Autorität bekanntzugeben. Außerdem wählte er die Institution der Synagoge, um seine Macht zu zeigen. Es interessiert mich, warum er die Institution der Synagoge für diese Handlungen wählte — einen Ort der Andacht, einen Ort der Anbetung, einen Ort der Bibelstudie, einen Ort des Lernens. Das ist der Ort, den Jesus wählt, um seine Identität bekanntzugeben. Meiner Meinung nach ist die Distanz zwischen der Institution der Synagoge, in der er sich befindet, und der Institution der Kirche, die er in Kürze gründen wird, minimal. Nun hat er die Herausforderung des Teufels angenommen.

ERIC D. HUNTSMAN: Der Tempel des Herodes war eine monumentale Struktur, und das sollte auch so sein, damit Zehntausende, sogar Hunderttausende von Pilgern, die nach Jerusalem kamen, auf zivile Weise dazu gebracht werden konnten, die Anforderungen des mosaischen Gesetzes zu erfüllen. Er war so gebaut, dass es kontrollierte Eingänge gab. Die Pilger konnten in äußere Höfe strömen, bevor sie sich schrittweise dem heiligen Raum nähern konnten.

Manchmal bekommen wir den Eindruck, dass Jesus, als er den Tempel sanierte, direkt am Altar oder am Eingang des Tempels stand. Doch er hielt sich höchstwahrscheinlich in den äußeren Vorhöfen auf, die allen, sogar Heiden, offenstanden. Sie wurden Höfe der Heiden genannt. Dank archäologischer Funde wissen wir, dass Herodes Läden und Plätze hatte bauen lassen, in denen Geschäfte abgewickelt werden konnten, die unter den Höfen des Tempels lagen. Aber aus irgendeinem Grund fanden diese Aktivitäten nun in den Vorhöfen auf dem Tempelberg selbst statt. Alles spricht dafür, dass dies mit der Zustimmung und Duldung der priesterlichen Obrigkeit geschah.

Zu dieser Zeit war die Leitung eines Tempels ein lukratives Geschäft, und das hierarchische Priestertum, das Tempelstaaten wie Jerusalem kontrollierte, verdiente natürlich Geld damit. Die Leute wechselten Geld um — was getan werden musste. Das war ein notwendiges Übel. Man musste heidnisches Geld, Geld, auf dem Abbilder von Menschen waren, für Tempel-Schekel eintauschen. Wenn Leute diese Wechselgeschäfte in den Höfen abwickelten und dort eventuell auch Opfertiere kauften oder verkauften, geschah das mindestens mit der stillschweigenden Zustimmung der priesterlichen Obrigkeit.

Als Jesus diese Tempelhöfe betrat, offensichtlich selbst auf Pilgerfahrt, und sah, was vor sich ging, kann man ohne große Zweifel annehmen, dass er sehr verärgert über die Leitung des Tempels sowie über die Leute, die diese Geschäfte abwickelten, war. Tatsächlich gibt es in Markus 11:17 einen Hinweis darauf. Das ist dieses berühmte Zitat. Nachdem er Dinge umgestoßen und Tiere freigelassen hatte, sagte er zu ihnen: „Heißt es nicht in der Schrift: ‘Mein Haus soll ein Haus des Gebetes für alle Völker sein?’ Ihr aber habt daraus eine Räuberhöhle gemacht.“

Einerseits dürfte dies Jeremias 7:11 widerspiegeln, wo vorhergesagt wird, dass das Haus des Herrn ein Unterschlupf für Diebe werden würde. Aber im Griechischen ist das Wort für „Diebe“ eine Ableitung des Hauptworts lestes, das „Bandit“ bedeuten kann, aber es kann auch Rebell, Thronräuber oder Aufrührer bedeuten. Wir bekommen fast das Gefühl, als würde Jesus den Tempel als Unterschlupf oder als Aufenthaltsort von Leuten sehen, die keine rechtmäßige Befugnis haben. Es gibt viele Gründe, zu glauben, dass die priesterliche Obrigkeit an diesem Punkt der Beschreibung entsprach. Obwohl es sich bei allen um Priester des Hauses Aarons handelte, hatte es schon seit Generationen keinen legitimen Hohenpriester mehr gegeben. Es geht hier nicht nur um den Kauf und Verkauf von Tieren und Geldwechsel. Es geht um ihre Befugnis, den Tempel so zu leiten, wie es ihnen gefällt.

Und in gewissem Ausmaß kann es sein, dass nicht alle nur ihren eigenen Interessen dienten. Dies ist das letzte Überbleibsel jüdischer Autonomie. Die römische Regierung erlaubte dem Sanhedrin, besonders unter der Führung des Hohenpriesters, die Angelegenheiten Judäas zu leiten, doch es war der Tempel selbst, der das letzte Überbleibsel ihrer nationalen und kulturellen Unabhängigkeit markierte. Und jemand, der dies in Frage stellte — Es kann durchaus sein, dass sie dachten, sie taten, was sie tun konnten, um dies zu schützen, aber Jesus, der einfach auftauchte und ihre Befugnis in Frage stellte, wurde von ihnen zweifellos als Bedrohung betrachtet.

       

S. KENT BROWN: Entlang dieser Ufer, etwas nördlich von hier, rief Jesus Simon Petrus, seinem Bruder Andreas und deren Partnern Jakobus und Johannes zu. Wie antworteten sie? Im Text heißt es: „Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.“ Die Geschichte geht weiter: „Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden.“ Hunderte, sogar Tausende schlossen sich diesem bescheidenen, aber außergewöhnlichen Lehrer aus Nazaret an, der die Kranken heilte, den Blinden das Augenlicht zurückgab und dessen Lehren die Weisen erstaunten und die Demütigen inspirierten. Aber Jesus war nicht nur daran interessiert, eine Anhängerschaft zu gewinnen. Es wird absolut klar, dass dieser Mann, das Lamm Gottes, nicht nur die Kraft besitzt, die Kranken zu heilen, sondern auch Autorität, die Autorität, mit Feuer und mit dem Heiligen Geist zu taufen, und die Autorität und die Aufgabe hat, das Königreich Gottes auf Erden zu errichten.

ERIC D. HUNTSMAN: Der Versuch, die verschiedenen Evangelien unter einen Hut zu bringen und wann die Jünger gerufen wurden, ist mitunter eine frustrierende Aufgabe. Im Evangelium nach Johannes beginnt er, eine kleine Gruppe von Anhängern zu versammeln, und zwar ganz am Anfang, in Johannes 1. Aber in den synoptischen Schriften findet man dieselben Leute beim Fischen und der Ausführung ihrer normalen Tätigkeiten, und er muss sie aufrufen, ihm zu folgen. Ich habe oft das Gefühl, dass ihn diese Leute kannten. Tatsächlich bestand zwischen ihm und manchen von ihnen eine Seelenverwandtschaft. Also fühlten sich die Leute zu Jesus hingezogen, vielleicht glaubten sie sogar, dass er der Messias sei, was aber nicht heißt, dass er ihre Dienste schon vollzeitig in Anspruch nahm, bevor er Petrus und Andreas Jakobus und Johannes tatsächlich von ihren Booten rief.

S. KENT BROWN: Die Organisation der Kirche begann sehr früh, und an ihrer Spitze, am Gipfel, standen die Apostel. Warum? Weil sie diejenigen sind, die vom Herrn beauftragt wurden. In diesem Sinne sind sie einzigartig. Es handelt sich nicht um Leute, deren Autorität irgendwie abgeleitet wurde, sondern dies sind die Leute, die ihre Autorität direkt von ihm bekamen. Und sie werden zu seinen Hauptzeugen, sie bezeugen sicherlich die Auferstehung, aber auch sein irdisches Wirken.

RICHARD D. DRAPER: Es ist interessant, dass von all den Namen, die ihnen Jesus hätte geben können — die Titel, die er diesen Männern hätte geben können — dass er das Wort „Apostel“ wählte. Es ist ein griechisches Wort, apostolos. Es ist mit dem Verb apostello verwandt. Apostello bedeutet „schicken“, aber es beinhaltet das Schicken zu einem Zweck.

Dann, im dritten Jahrhundert, bekam das Wort einen interessanten Kontext von den Zynikern, einer Gruppe von Philosophen, die behaupteten, dass sie die wahren Boten des Zeus seien und dass ihre Botschaft ernst genommen werden sollte, also bezeichneten sie sich selbst als Apostel. Sehen Sie, die Gesandten und die Beauftragten. Also, vom dritten Jahrhundert an wurde dieser Ausdruck tatsächlich mit der Vorstellung des Göttlichen und des Beauftragten assoziiert. Es war also perfekt, ein perfektes Wort für Jesus, um es seinen Aposteln als Titel zu geben. Die Leute würden sofort die Beziehung herstellen, dass es sich hier um die Beauftragten handelte.

FRANK F. JUDD: Als der Heiland seine 12 Apostel zu sich rief, gab er ihnen Macht, heißt es in der King James-Bibel. „Autorität“ könnte eine bessere Übersetzung sein. Er gab ihnen die Autorität als Priester, das zu tun, was er getan hatte. Also liegt die Betonung auf der Autorität, die er ihnen übertrug, die er ihnen gegeben hatte, die er selbst besaß. Es gibt eine Bezugnahme auf Paulus in der Apostelgeschichte Kapitel 14, dass er Älteste in den Kirchen ordinierte. Das Verb, das hier benutzt wird, bedeutet „die Hand ausstrecken“, was auch „wählen“ oder „erhalten“ bedeuten kann, aber eben auch „ordinieren“. Und so nehmen wir an, dass Paulus und andere einer Methode folgten, die innerhalb der Kirche generell akzeptiert war, nämlich jemanden zu ordinieren, indem sie ihre Hände auf ihn legten.

RICHARD D. DRAPER: Im Evangelium nach Philippus wird uns erklärt, dass es sich hierbei nicht um etwas handelt, was Jesus beobachtet hat, sondern um etwas, was er auch selbst erlebt hat. Dies war in der Tat eine akzeptierte Praktik. So wurde Autorität weitergegeben. Der Vater ordinierte — Auferlegung der Hände — den Sohn, dann ordinierte der Sohn — Auferlegung der Hände — die Führerschaft, die wiederum die ordinierten, die sie auserwählt hatten.

S. KENT BROWN: Es gibt eine Art roten Faden, der sich durch diese Geschichten zieht, und zwar, dass das Königreich Jesu, das Haus Jesu ein Haus der Ordnung ist, und diese Ordnung wird durch physische, greifbare, konkrete Handlungen aufrechterhalten, die Autorität verleihen und demjenigen, der sie erhält, Rechte übertragen. Lukas liefert uns den frühesten detaillierten Bericht über die Berufung der ersten Vier. Sie bestanden aus zwei Brüderpaaren — Petrus und sein Bruder Andreas, Jakobus und sein Bruder Johannes (Lukas 5).

Es wird erzählt, dass Jesus an die Ufer des Sees von Galiläa gekommen war. Dort befand sich eine Gruppe von Menschen, die das Wort Gottes hören wollten. Also schaut Jesus herüber und sieht ein paar Boote. Er steigt in eines der Boote, das Petrus gehört, und bittet ihn, etwas weiter auf See hinauszufahren, und dann fährt er fort, seine Lehren vom Boot aus zu verkündigen. Petrus ist also dabei. Er wäscht und richtet seine Netze aus, faltet sie zusammen und so weiter. Er hört die gesamte Predigt.

Am Ende der Predigt wendet sich Jesus an Petrus und sagt: „Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!“ Petrus protestierte und sprach: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch –“ mir gefällt diese Stelle — „Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“ (Lukas 5:4) Lukas berichtet weiter: „Das taten sie, Und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten.“ (Lukas 5:6) Also riefen sie ihre Partner. Jakobus und Johannes sind ganz in der Nähe im anderen Boot, also riefen sie sie, herbeizukommen und ihnen zu helfen, was sie auch tun. Wenn Sie sich ans Ende der Geschichte erinnern, fingen sie so viele Fische, dass sie beide Boote mit Fischen füllten und die Boote fast sanken.

Jesus fordert nun diese Männer auf, ihren Beruf aufzugeben. Sie sind Fischer. Damit verdienen sie sich ihren Lebensunterhalt. Was sollen ihre Familien tun? Jesus lässt genügend Fische zurück, um sie monatelang zu ernähren, und sie haben zudem genügend Fische übrig, um sie für Monate zu verkaufen. Das Problem ist, dass diese Fische binnen 48 Stunden verderben werden. Bis wir auf eine kleine Notiz von Strabo stoßen, der zu der Zeit als Geograph tätig war, und er schreibt, dass man nur etwas weiter an der Westküste entlang eine Stadt namens Magdala erreicht. Er nennt einen anderen Namen, aber es handelt sich um denselben Ort. In dieser Stadt gab es eine Fischsalzerei. Also müssen sie ihre Boote nur in diese Stadt rudern oder dorthin segeln, und sie können sie salzen, sie in Salzlauge einlegen, damit die Familie für Monate Nahrung hat. Außerdem haben sie genug Fische, um sie auf dem Markt in Kafarnaum und an anderen Orten verkaufen zu können. Jesus stellt sicher, dass die Familien versorgt sind. Er sorgt dafür, dass all ihre Bedürfnisse gedeckt sind. Er nimmt ihnen die Brotverdiener und ist sich dessen auch bewusst. Aber er hinterlässt den Familien, was sie brauchen. Ich liebe diese Szene, die Tatsache, dass sie all diese Fische konservieren können und somit monatelang versorgt sind.

Was die lokalen Führer zu Zeiten Jesu entweder nicht verstehen oder nicht akzeptieren, ist, dass dieser Priester und Heiler aus dem Hinterland im Norden Palästinas tatsächlich selbst genau der Messias ist, dessen Ankunft sie so ungeduldig erwarten. Bald wuchs sein Gefolge, aber auch seine Opposition, und die Reaktionen auf sein Wirken in der Öffentlichkeit wurden drastischer, und Jesus verbrachte die nächsten drei Jahre seines Lebens damit, zu zeigen, dass er tatsächlich der Herr des Tempels, des Sabbat, von Himmel und Erde und Leben und Tod ist. Kann aus Nazaret irgendetwas Gutes kommen? Jesus sagt: „Kommt und seht!“

Die Taufe von Jesus Christus markiert den Beginn eines bemerkenswerten geistlichen Wirkens. Nach seiner Rückkehr aus der judäischen Wildnis manifestiert Jesus seine Macht und Autorität. Er heilt die Kranken und Leidenden, verjagt die Kaufleute aus dem Tempel und errichtet mit der Ordinierung seiner 12 Apostel seine Kirche auf Erden. Diese Männer, die der Heiland beruft und die er mit Macht und Autorität aus der Höhe ausstattet, werden die Führer seiner Kirche sein, sobald die letzte Phase seines irdischen Wirkens vollbracht ist.


4. Episode: Er stieg auf einen Berg ... Bergpredigt und Wunder !!!


Wer ist diese archaische Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, im wahrsten Sinne des Wortes, der Retter der Welt? In der Debatte, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Gelehrten das Göttliche und unterscheiden zwischen dem Jesus der Historie, einem sterblichen Mann, und dem Jesus unseres Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Gelehrte darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und moderne Erkenntnisse zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Auf den Seiten des Alten Testaments taucht die Formulierung „So spricht der Herr“ über 400 Mal auf, wenn Propheten ihren Gott zitieren. Moses spricht diese Worte zum Pharao. Jeremia spricht diese Worte zu ganz Jerusalem. Doch im Neuen Testament ist diese Formulierung nirgendwo zu finden. Stattdessen verkündet der Sohn des Zimmermanns: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch.“ Von der Bergpredigt bis zum Wunder am Grab des Lazarus spricht der Gott Israels für sich selbst.

ANDREW SKINNER: Seit Ende des 18. Jahrhunderts sind Gelehrte, die das Neue Testament studieren, wie sie es nennen, auf der Suche nach dem historischen Jesus, das heißt danach, was Jesus wirklich sagte und wirklich tat. Ihre Forschungen führten sie zur Geschichte und Theologie, zur Archäologie und Philologie, der Wissenschaft altertümlicher Sprachen. Generell kann man sagen, dass diese Gelehrten dazu neigen, alles abzulehnen, was sich auf das Übernatürliche und auf göttliche Autorität bezieht oder uns spezifische Anleitungen gibt, wie wir unser Leben führen sollten.

JOHN S. TANNER: Dies ist ein fantastischer Aussichtspunkt über den nördlichen Teil des Sees von Galiläa, wo sich so viele Ereignisse im Leben Jesu abgespielt haben. Ich glaube, dass ich als Erstes versuchen werde, mich zu orientieren.

S. KENT BROWN: Man kommt um den See von Galiläa herum zum Nordostufer, an dem Betsaida liegt.

GAYE STRATHEARN: Dies ist die Heimatstadt von Petrus, Andreas und Philippus. Hier wurden sie geboren.

JOHN S. TANNER: Das hier ist gewissermaßen ein Ausläufer des Sees, oder?

S. KENT BROWN: Ja.

GAYE STRATHEARN: Ja, die moderne archäologische Ausgrabung von Betsaida liegt ein bisschen mehr landeinwärts. Zu Zeiten Jesu reichte der See viel weiter hoch.

S. KENT BROWN: Der Fluss mündet in den See von Galiläa und teilt die Gebiete. Auf der Ostseite hatte Herodes Philippus das Sagen, einer der überlebenden Söhne von Herodes, dem Großen. Wohingegen die Westseite das Territorium von Herodes Antipas war, der über Nazaret und ein paar andere Orte hier in der Gegend regierte. Unter seiner Herrschaft wuchs Jesus auf.

GAYE STRATHEARN: Das ist derselbe Herodes, der Johannes den Täufer hinrichten ließ, oder?

S. KENT BROWN: Ja, das stimmt. Wenn man den Jordan überquert, wo er in den See mündet, kommt man nach Kafarnaum. Das ist die erste Stadt.

GAYE STRATHEARN: Kafarnaum war ein sehr, sehr wichtiger Ort für sein Wirken in Galiläa. Kafarnaum war der Hauptsitz von Jesus, während er hier wirkte. Obwohl er durch ganz Galiläa reiste, kam er immer nach Kafarnaum zurück. Das war also sein Zuhause.

JOHN S. TANNER: Er wuchs also hier drüben in Nazaret auf, aber Kafarnaum war wirklich seine adoptierte Heimatstadt. Was kommt nach Kafarnaum? Kommt man da zum Berg der Seligpreisungen?

S. KENT BROWN: Richtig. Da erhebt sich ein Berg, der der traditionelle Ort der Bergpredigt ist, nicht wahr?

GAYE STRATHEARN: Ja, stimmt genau. Es ist also nur dieser kleine Hügel direkt vor uns. Und das ist der traditionelle Schauplatz, an dem Jesus die Bergpredigt hielt.

JOHN S. TANNER: Heute steht dort eine kleine Kirche, in Gedenken an die Bergpredigt.

JOHN W. WELCH: Einer der Hauptgründe, warum die Leute Schwierigkeiten haben, die Bergpredigt in einem historischen Zusammenhang zu sehen, ist der Versuch herauszufinden, wo sie herkam — wie früh war es, handelt es sich wirklich um eine Rede, die Jesus in schlüssiger, zusammenhängender Gesamtheit gab, oder ist es eine willkürliche Ansammlung von Aussagen, die eventuell viel später von Matthäus zusammengestellt wurde? Unter den Gelehrten, die sich mit dem Neuen Testament befassen, gibt es keine allgemeine Übereinstimmung über die Datierung der Bergpredigt. Manche sehen sie relativ spät. Aber andere sehen sie zumindest als Text, der vor Matthäus entstand, einen Text, der von Matthäus gefunden, benutzt und in sein Evangelium integriert wurde. Was auch Sinn ergibt, denn etwa ein Fünftel der Worte, die in der Bergpredigt benutzt werden, werden von Matthäus nie wieder verwendet. Hierbei handelt es sich nicht um die Worte von Matthäus. Sie sind nicht Teil seines Vokabulars. Matthäus schließt in seine Bergpredigt ein paar Teile mit ein, die wirklich sehr verblüffend sind. Er nimmt sich auch nicht die Zeit, zu erklären, was sie bedeuten.

Die Redewendung, zum Beispiel, man soll seine Perlen nicht vor die Säue werfen oder unsere heiligen Dinge nicht den Hunden geben, scheint eine sehr wichtige Vorraussetzung der Verschwiegenheit oder eine sakrale Betrachtung der Dinge zu sein, die gelehrt werden, aber Matthäus geht nie näher darauf ein, was er sicherlich getan hätte, wenn er den Text als Einleitung zu den Lehren und zum Wirken Jesu und zu seinem Evangelium geschrieben hätte.

GAYE STRATHEARN: Es fällt auf, dass die Predigt bei Lukas völlig anders als die Predigt bei Matthäus ist. Gelehrte würden wohl generell behaupten, dass die Predigt bei Lukas, die viel kürzer ist als bei Matthäus, wahrscheinlich eine historisch genauere Wiedergabe der Predigt ist, die Jesus tatsächlich gehalten hat. Jemand, der diese Einstellung vertritt, stellt sich bestimmt die Frage: „Was ist hier bei Matthäus geschehen?“ Die Predigt ist viel länger, sehr viel detaillierter und in vielerlei Hinsicht ausgeprägter als bei Lukas. Wie gelangten wir von der Version des Lukas zu der von Matthäus? Folglich muss die Version des Matthäus erfunden oder von späteren Christen zusammengestellt worden sein, um ihre Lehren zu rechtfertigen, oder etwas Ähnliches, das heißt, dass Jesus die Predigt in der Erzählung Matthäus nie gehalten hat. Nun, für einen Heiligen der Letzten Tage ist das völlig unhaltbar, nicht wahr? Denn wenn wir das3. Buch Nephi öffnen, kommt die Predigt Jesu der Version des Matthäus viel näher als der Version von Lukas, und hier wissen wir, dass es sich um eine einzige Predigt handelt und nicht um eine Zusammenstellung vieler Zitate.

JOHN S. TANNER: Die Botschaft und die Wunder Jesu hatten profunde Auswirkungen auf die Weltgeschichte. Aber hat er die Dinge, die die Autoren der Evangelien berichten, auch wirklich gesagt und getan? Kann man ihren Worten trauen? Wie Sie wissen, ist die moderne Wissenschaft skeptisch und bestreitet viele dieser Dinge. Aber wenn wir das Buch Mormon zu Rate ziehen, haben wir guten Grund, modernem Skeptizismus skeptisch gegenüberzustehen, denn das Buch Mormon bestätigt die historische Exaktheit der meisten Details der Darstellung Jesu im Neuen Testament.

GAYE STRATHEARN: Nun ja, das stimmt genau. Im Buch Mormon heilt Jesus die Kranken und gibt den Blinden Augenlicht zurück. Er ordiniert Apostel und etabliert eine Kirche. Und was eventuell am wichtigsten ist, das physisch auferstandene und verherrlichte Wesen erscheint den Einwohnern der Neuen Welt, genau wie es seinen Jüngern in der Alten Welt erschien.

JOHN S. TANNER: Wenn man das, was Jesus im Neuen Testament sagt und tut, mit dem vergleicht, was er im Buch Mormon sagt und tut, ist der Beleg einfach überwältigend, dass er tatsächlich der Messias ist, genau derjenige, als den ihn beide Aufzeichnungen porträtieren. Und sie bestärken sich darin gegenseitig.

GAYE STRATHEARN: Ein guter Weg, dies darzulegen, ist, die Lehren Jesu zu nehmen und beide Texte genau zu studieren. Die Bergpredigt eignet sich ausgezeichnet als Fallstudie für so einen Vergleich.

JOHN S. TANNER: In der Tat, das tut sie.

GAYE STRATHEARN: Oft wurden die Ähnlichkeiten der Reden bei Matthäus und dem 3. Buch Nephi als Beweis dafür betrachtet, dass das Buch Mormon nichts zu bieten habe und nur eine Kopie der King James-Bibel sei. Vor ein paar Jahren kam ein ausgezeichneter Wissenschaftler des Neuen Testaments namens Krister Stendahl hierher zur BYU, um die Bergpredigt im Matthäusevangelium zu untersuchen und sie mit der Predigt im Tempel zu vergleichen. Ich stimme nicht allen Schlussfolgerungen zu, zu denen er gelangte, aber eine Sache, die er sagte, war einfach essentiell, selbst für unser Verständnis als Heilige der Letzten Tage, nämlich dass Jesus bei der Bergpredigt im Matthäusevangelium als Rabbi lehrt. Er interpretiert das Gesetz Mose neu und wendet es seiner Zeit gemäß an. Und er sagt, dass er sich in dieser Hinsicht von vielen anderen Rabbis des 1. Jahrhunderts gar nicht so sehr unterscheidet. Aber, so sagt er, wenn wir zu der Predigt im Tempel kommen, im 3. Buch Nephi, spricht Jesus als Messias. Nun, das ist aus der Perspektive eines Nicht-Mormonen ein sehr signifikanter Unterschied.

Er gelangte zu dieser Schlussfolgerung, indem er beide Texte sehr genau las und studierte. Und nicht nur auf Ähnlichkeiten, sondern auch auf Unterschiede achtete. Obwohl die Unterschiede recht gering sind und leicht übersehen werden könnten, besonders wenn man schnell liest, stechen sie bei genauerer Betrachtung der Texte hervor und sind auch bedeutsam.

Manche der Stellen, an denen er bedeutende Unterschiede fand — Letztendlich läuft alles auf diese eine Formulierung hinaus: Kommt zu mir.. Er sagt in den Versen 18 bis 20 — Achten Sie darauf, wie oft die Formulierung Kommt zu mir. auftaucht. Denn wahrlich ich sage euch: Nicht ein Jota und nicht ein Pünktchen vom Gesetz ist vergangen, sondern in mir ist es alles erfüllt. Und siehe, ich habe euch das Gesetz und die Gebote meines Vaters gegeben, damit ihr an mich glaubt und damit ihr von euren Sünden umkehrt und mit reuigem Herzen und zerknirschtem Geist zu mir kommt. Sehet, ihr habt die Gebote vor euch, und das Gesetz ist erfüllt. Darum kommt zu mir und lasst euch erretten.“ (3. Nephi 12:18–20).

Nun geht es weiter mit besagter Formulierung. Wenn wir etwas weiter nach unten springen, wo es bei Matthäus heißt: “Wenn dir einfällt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so lass deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, dann komm und opfere deine Gabe.” Hier ist der Altar in Vers 23 ersetzt worden. „Darum, wenn du zu mir kommst oder den Wunsch hast, zu mir zu kommen, und es fällt dir dabei ein, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so gehe deinen Weg zu deinem Bruder und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komme mit voller Herzensabsicht zu mir, und ich werde dich empfangen.“ (3. Nephi 12:23–24).

Der Altar als Zentrum der Erlösung wurde also durch Jesus ersetzt. Es besteht ein Riesenunterschied zwischen dem, was wir bei Matthäus und im 3. Buch Nephi finden.

Und vielleicht die letzte Stelle, die wirklich wichtig ist, lautet bei Matthäus: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist.“ (Matthäus 5:48) Wohingegen es in der Erzählung im 3. Buch Nephi heißt: „Darum möchte ich, dass ihr vollkommen seiet, so wie ich oder euer Vater, der im Himmel ist, vollkommen ist.“ (3. Nephi 12:48) Jesus stellt sich nun selbst mit Perfektion gleich, und zwar auf eine Weise, wie er es bei Matthäus nicht tun konnte, weil er seine Mission noch nicht erfüllt hatte. Er hatte das Sühnopfer und die Auferstehung noch nicht vollbracht, wie er es im 3. Buch Nephi getan hatte. Im 3. Buch Nephi ist es also ein verherrlichtes Wesen, was sich dann auch in der Predigt widerspiegelt. In der Erzählung des Matthäus wird das nicht wiedergegeben. Ich finde also, dass es überaus bedeutende Unterschiede zwischen den beiden Texten gibt. Es ist also nicht nur eine direkte Kopie der Matthäus-Version.

JUAN HENDERSON: Als der Heiland seine Predigt an die alten Nephiten beendet hatte, wie es ihm der Vater aufgetragen hatte, wandte er sich ihnen zu und sagte: „Bitte.“ Er sagt: „Ich sehe, dass ihr wollt, dass ich das Wunder vollbringe, das ich in Jerusalem vollbracht habe.“ Er fragte sie, ob ihr Glaube stark genug war, um dies zu tun. Also forderte er sie auf, ihre Kranken und ihre Lahmen und so weiter zu ihm zu bringen. In den Schriften heißt es, dass sie alle Arten von Krankheiten hatten und Jesus sie alle heilte. Das ist ein beeindruckendes Zeugnis, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten, dass die Erzählungen in der Bibel über die Heiltaten und anderen Dinge, die Christus unter seinen Anhängern vollbrachte, im Buch Mormon praktisch zum zweiten Mal bezeugt werden, dass er diese Worte also wirklich gesprochen und die Heiltaten, die die Bibel bezeugt, auch wirklich vollbracht hat.

S. KENT BROWN: Ein prominenter Bibelhistoriker stellte die Frage: „Was ist die Bedeutung der Bergpredigt?“ Dies ist eine Frage, die das Christentum auch weiterhin beschäftigt. Und im Lauf der Jahrhunderte haben Theologen eine große Auswahl an Antworten geboten. Der Hauptgrund, warum die Bergpredigt für viele ein verschlüsselter Text bleibt, ist die Schwierigkeit auszumachen, was all dies zusammenhält. Liegt der Predigt ein einziges, vereinendes Thema oder eine Logik zu Grunde, oder ist es eine kunterbunte Ansammlung unzusammenhängender Aussagen?

GAYE STRATHEARN: Ja, ich glaube, dass die Predigt im Tempel im Buch Mormon zu dieser Frage Anhaltspunkte für eine bemerkenswerte Antwort liefert.

S. KENT BROWN: Dem stimme ich zu, Gaye. Die Predigt im Tempel beweist, dass es sich bei beiden Predigten tatsächlich um Tempeltexte handelt, die Anspielungen auf und Verbindungen zu den heiligsten Lehren und belangvollsten Feierlichkeiten von Gottesdiensten der antiken Israeliten beinhalten.

ANDREW SKINNER: Fast alles in der Bergpredigt kann im Kontext des Tempels betrachtet werden. Dies gilt ganz besonders für das Vaterunser, das Teil der Bergpredigt ist. Jesus betont seinen Jüngern gegenüber noch einmal, wie sie beten können und sollten, und geht dabei auch auf den Inhalt der Gebete ein, welche Dinge unsere innigsten Ansprachen an unseren Vater im Himmel beinhalten sollten. Er betont den Jüngern gegenüber noch einmal, dass sie einen himmlischen Vater haben. „Unser Vater im Himmel“, was ein wichtiges, mit dem Tempel verbundenes Konzept ist. Schließlich bemühen wir uns, durch den Tempel in die Gegenwart Gottes zu gelangen.

Also wird uns noch einmal deutlich gemacht, dass Jesus den Jüngern ein spezifisches Verständnis der Dinge, die im Tempel stattfinden, vermitteln wollte, und somit folglich auch, auf welche Weise sie ihr Leben führen sollten.

JOHN W. WELCH: Im Mittelpunkt der Bergpredigt und der Predigt im Tempel finden wir das Meisterwerk, das das Vaterunser ist. Vorher hatte er empfohlen, wenn man alleine betet, sich in seine Kammer zurückzuziehen. Aber dann wird es plötzlich zum Plural. Wenn ihr betet, sollt ihr es alle so tun. Dann lehrt er die Leute ein formelles Gebet, das in gewisser Hinsicht das gesamte Mysterium des Gottvertrauens zum Ausdruck bringt und alles, was die Menschen in der alten Welt über den Tempel wussten und darin taten.

VICTOR LUDLOW: Ganz am Anfang des Vaterunsers, wo unser himmlischer Vater angesprochen wird, wie wir unsere Gebete beginnen sollen, wird Lobpreisung Ausdruck verliehen. „Dein Name werde geheiligt.“

Im Buch der Psalmen gibt es Psalmen der Lobpreisung und Psalmen der Danksagung. Bibelwissenschaftler unterscheiden diese Psalmen dadurch, da sie sich sehr ähnlich sind, dass bei Danksagungen Gott für die Dinge, die er tut, gewürdigt wird. Lobpreisungen würdigen Gott dafür, wer er ist. Mit der Formulierung Dein Name werde geheiligt zollt der Heiland dem Herrn ein bisschen mehr Anerkennung dafür, wer er ist, seinen Tugenden, seinem Charakter. Und wenn wir seine Herrlichkeit, seinen Edelmut, seine Göttlichkeit, seine Liebe und Barmherzigkeit würdigen, drücken wir, glaube ich, Lobpreisung aus, ob wir dies nun laut tun oder nicht.

JOHN W. WELCH: Das Vaterunser beinhaltet zudem eine der ernsthaftesten Bitten. „Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.“ Hier liegt der Schlüssel dazu, wie wir Vergebung erhalten. Wenn wir anderen Menschen nicht vergeben, steht uns auch nicht zu, die Vergebung Gottes zu erhalten.

FRANK F. JUDD: Die Doxologie Eine Doxologie ist eine kurze Lobeshymne auf Gott, die bei diversen christlichen Gottesdiensten oft am Ende von Lobgesängen, Psalmen und Chorälen hinzugefügt wird. “Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.” Matthäus 6:13 Die Doxologie am Ende des Vaterunsers ist in den frühesten und besten Manuskripten des Neuen Testaments eigentlich nicht enthalten. Aber sie findet sich in der Erzählung des Buches Mormon über die Predigt im Tempel. So stellt sich die Frage, warum sie aus den frühen Manuskripten des Neuen Testaments eventuell herausgenommen wurde. Aber so, wie die Doxologie nun steht, „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen.”, betont sie wirklich die Vorstellung, dass wir, obwohl wir den Herrn für seinen Segen bitten sollen und diesen Segen dazu verwenden sollen, anderen zu helfen, letztendlich alles, was wir haben und alles, was wir sind, vom Herrn erhalten haben, und wir ihm einfach etwas zurückgeben und nebenbei anderen helfen.

JOHN W. WELCH: Bei den Zeremonien in den Tempeln der alten Welt drehte sich alles um die Verherrlichung und Lobpreisung Gottes, die Würdigung seiner Macht und Autorität, ihm jede Ehre zu erweisen und sich seinem Willen zu unterwerfen.

Nach seiner Bergpredigt ging Jesus unter den Menschen umher und vollbrachte ein Wunder nach dem anderen, und seine Handlungen spiegelten genau seine Lehren wider. “…Blinde sehen konnten.” Die Steigerung von den Wundern Jesu bis hin zum ultimativen Akt der Erweckung der Toten zum Leben entspricht auf ergreifende Weise seinem eigenen Leben und geistlichen Wirken.

JOHN F. HALL: Die Frage in Bezug auf das Wunder in Kana ist: „Warum wird es im Johannesevangelium so sehr betont?“ Denn es ist ein relativ einfaches Wunder. Christus verwandelt Flaschen, die mit Wasser gefüllt sind, in Wein. Der Anlass des Wunders wird viel diskutiert. Es ist eine Hochzeitsfeier. Maria, seine Mutter, spielt zweifellos eine wichtige Rolle bei diesem Fest. Sie macht sich Sorgen, weil der Wein zur Neige ging, und bittet Christus, mehr zu bringen.

ROGER R. KELLER: Seine Antwort scheint etwas unhöflich zu sein. Er sagt: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ In der Joseph Smith-Übersetzung dieser Stelle lautet seine Antwort zu Maria: „Was soll ich für dich tun? Die Stunde für das, was ich tun werde, ist noch nicht gekommen.“

Es wird also auch hier die intime Beziehung zwischen Maria und ihrem Sohn Jesus hervorgehoben. Sie muss wissen, dass er die Macht besitzt, in dieser peinlichen Situation etwas für das junge Paar zu tun. Dass ihnen bei der Hochzeit der Wein ausgeht, wäre, gelinde gesagt, ein sozialer Faux Pas. Heißt das, dass sie die Macht Jesu in jüngeren Jahren bezeugt hat, diesen verlorenen Jahren, aus denen wir wirklich nichts über ihn wissen? Wir sollten wahrscheinlich daraus schließen, dass sie gesehen hat, wie er seine Macht auf eine Weise eingesetzt hat, die Leuten zugute kam, sie weiß also, dass er ihr helfen kann.

Wenn er also sagt: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen,” ist seine Stunde in der Tat der Zeitpunkt, an dem er im Johannesevangelium beginnt, sich unaufhaltsam Richtung Gethsemane und zum Kreuz zu bewegen. Das ist seine Stunde, und es ist noch nicht ganz an der Zeit für ihn, sich selbst aufzuopfern. Aber von hier an ist nun alles ein Vorspiel dafür.

JOHN F. HALL: Christus beschließt, dieses Wunder zu vollbringen, und Johannes beschließt, es im zweiten Kapitel des Evangeliums hervorzuheben, weil es ein Symbol für die Mission von Jesus Christus ist, dafür, dass Jesus ein Sühnopfer darbringen wird, und der Wein, der das Blut repräsentiert, weist ebenfalls symbolisch auf das Opfer hin, für das sich Jesus hingibt.

ROGER R. KELLER: Vielleicht ist es deshalb das erste Zeichen im Johannesevangelium, weil es auf den neuen Wein im Evangelium hindeuten soll. Es soll wahrscheinlich auch auf das Sühnopfer Christi und sein vergossenes Blut hindeuten, sowie das letzte Abendmahl ankündigen, an dem wir alle teilnehmen, wenn wir das Sakrament empfangen und uns an das Blut erinnern, das für uns vergossen wurde. Und zudem deutet es auf die tausendjährige Herrschaft hin, die noch bevorsteht.

GAYE STRATHEARN: In den nächsten paar Monaten reist Jesus durch Galiläa, lehrt über sein kommendes Königreich und heilt die Kranken. Zu dieser Zeit erreicht die Popularität Jesu ihren Höhepunkt, Menschenmassen suchen ihn auf, um seinen Worten zu lauschen und von ihren Leiden geheilt zu werden.

Deshalb ist es auch nicht überraschend, dass sich, als Jesus nach Hause, nach Kafarnaum, zurückkehrt, auch dort Menschenmengen versammeln. Das Haus, in dem er wohnt, ist bald zum Bersten gefüllt. Jedes Zimmer ist voll mit Leuten, und auch außen drängt sich eine Menge. Also tut Jesus, wozu er gekommen ist. Er lehrt sein Evangelium. Markus schreibt, Jesus verkündete ihnen das Wort. Doch seine Rede wird von einem Aufruhr von oben unterbrochen. Plötzlich wurde das Dach aufgedeckt und ein Bett heruntergelassen. In diesem Bett liegt ein gelähmter Mann.

ALISON COUTTS: Offensichtlich kam die Menge zusammen, um ihn zu sehen. Plötzlich öffnet sich das Dach und vier Freunde ließen diesen gelähmten Mann im Bett herunter. Nun wäre es für den Heiland leicht gewesen, ihn einfach zu heilen. Er hatte es schon oft zuvor getan. Doch stattdessen sagte er: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Dies scheint eine gute Gelegenheit zu lehren, dass der Heiland nicht nur hier ist, um unsere physischen Leiden zu heilen, sondern um die gesamte Person zu heilen. Und der wichtigste Aspekt hier ist nicht die physische Heilung, sondern die spirituelle Heilung. Die Schriftgelehrten und Pharisäer waren auch anwesend. Sie sind schon auf der Suche nach einem Grund, um diesen Mann, der sich als Sohn Gottes bezeichnet, loszuwerden. Dadurch, dass er Sünden vergibt, verkündet der Heiland, wer er ist. Nur Gott kann Sünden vergeben. Das ist wohlbekannt. Und so konfrontiert er die Schriftgelehrten und Pharisäer direkt.

VICTOR LUDLOW: Nun ist es eine Sache, dass dieser Mann, der von der Hüfte abwärts gelähmt war, in der Lage ist aufzustehen und zu laufen, vor allem wenn man bedenkt, wie beschränkt seine physischen Aktivitäten in wer weiß wie vielen Jahren gewesen sein müssen, aber dass er nun auch noch die Kraft besitzt, das Feldbett mitsamt Gerüst aufzuheben, das immerhin stabil genug war, um sein Gewicht zu tragen, und es ganz alleine wegzuschleppen, war wirklich ein spektakuläres Wunder, das alle Anwesenden beeindruckte — nicht nur aufgrund der Tatsache, dass er physisch geheilt war, sondern auch aufgrund des Versprechens, dass seine Sünden vergeben sind, das auf ein Individuum hinweist, das mehr als ein Wundertäter war. Er war wahrlich der Gesalbte des Allerhöchsten.

PAUL Y. HOSKISSON: In den synoptischen Evangelien gibt es diese wunderbare Geschichte über Jesus und seine Jünger, die versuchen, den See Gennesaret wahrscheinlich vom Ostufer zum Westufer zu überqueren. Während dieser Überquerung zieht ein gewaltiger Sturm auf. Inmitten dieses Sturms scheint Jesus zu schlafen. Die Apostel sind besorgt. Laut Markus wecken die Jünger Jesus auf. Jesus lag hinten im Boot. Sie sagen: „Meister, Meister, wir gehen zugrunde!“ Jesus gibt ihnen eine recht interessante Antwort. Er tadelt sie, und, laut Matthäus, fragt er sie: „Wo ist euer Glaube?“ Er sagt: „Schweig, sei still!“ Und der Sturm legte sich und die Wellen wichen zurück. Die Apostel waren sprachlos und flüsterten: „Was ist das nur für ein Mensch, dass sogar die Winde und das Wasser seinem Befehl gehorchen?“ (Markus 4:37–41 Einheitsübersetzung).

JUSTIN SU’A: Von ihnen kommend — Sie haben gesehen, dass er Blinden das Augenlicht zurückgab. Sie haben sogar gesehen, dass Jesus Tote zum Leben erweckte. Aber ich glaube, dass sie hier große Angst hatten, weil sie erkannten, dass die Naturgewalten auf Jesus hören, und nur die Worte „Schweig, sei still!“ nötig waren, damit sich die Winde und der Sturm legten.

PAUL Y. HOSKISSON: Er stellt sie in Vers 40 zur Rede, viele Leute stören sich daran, dass er ihnen so entgegnet, und mir war es auch lange ein Dorn im Auge. „Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?“

Das Boot wird überflutet, sie haben Angst zu sterben, und er sagt: „Warum habt ihr denn keinen Glauben?“ Ich glaube, dass diese Allegorie eine Prophezeiung ist, die in die Zukunft weist, auf das, was ihnen und der Kirche zustoßen wird. Wenn man das Boot als Symbol für die spätere Kirche betrachtet, sieht man, dass die Apostel die Verantwortung tragen und Kapitäne des Boots sind. Jesus ist später wirklich nicht anwesend. Er ist schon gestorben und wiederauferstanden. Er ist in der Nähe, aber nicht gegenwärtig. Und das wird in dieser Geschichte, bei der er hinten im Boot schläft, symbolisch angedeutet. Er ist nicht wach. Er unternimmt nichts, als der Sturm tobt, bis sie ihn aufwecken. Letztendlich wird die Kirche abtrünnig werden. Sie wird sinken. Und all die Apostel werden verloren sein. Sie werden einer nach dem anderen sterben, natürlich mit der Ausnahme von Johannes. Und an diesem Punkt stellt sich die Frage, wenn man weiß, dass Abtrünnigkeit bevorsteht, wenn man weiß, dass die Kirche — dass die Autorität die Erde verlassen wird — muss man trotzdem noch seinen Glauben und Vertrauen haben. Sie brauchen diesen Glauben, über den er hier spricht. Und ich glaube, dass er ihnen das beibringt, trotz all des Chaos und Bösen in der Welt, das überwältigend sein kann, Ihr Glaube wird Sie hindurchtragen, selbst wenn das Boot untergehen sollte.

JUSTIN SU’A: Vielleicht repräsentiert der Sturm, über den wir hier bei Markus lesen, die sündhafte und verruchte Welt, in der wir leben. Es könnte symbolisch für die Zeiten in unserem Leben sein, in denen wir das Gefühl haben, keine Kontrolle zu besitzen, in denen wir Verzweiflung fühlen und die einzige Person, die uns retten kann, der Heiland ist. Ich liebe diese Stelle, wo der Herr Joseph Smith in “Lehre und Bündnisse” 101:16 Rat gibt. Er erinnert ihn daran: „Denn alles Fleisch ist in meiner Hand; seid ruhig und wisst, dass ich Gott bin.“ Diese Schriftstelle und das Beispiel, in dem sich auf das Wort Jesu der Sturm legt, lehrt uns, dass der Herr denen, die sich in Zeiten großer Verzweiflung an ihn wenden, immer nahe sein wird und dass er immer die Kontrolle hat.

S. KENT BROWN: Alle vier Autoren der Evangelien berichten über die Speisung der 5000. Johannes erzählt, dass das Passahfest nahe war, während Markus detailliert darauf eingeht, dass sich die Menschenmenge auf dem grünen Gras niedergelassen hatte. Es ist also Frühling, sehr wahrscheinlich Anfang April. Zu dieser Jahreszeit kommen Pilger in diese Gegend, zweifelsohne wollen manche von ihnen die Worte des galiläischen Propheten hören. Könnte es sein, dass er manche ihrer Kranken heilt, wie er es anderswo getan hatte?

JOHN S. TANNER: Eine andere Frage, die sie sich stellten, könnte gewesen sein: „Ist dies der versprochene Messias, der er behauptet zu sein?“ Aber aus welchen Gründen auch immer, sie drängten sich einfach um ihn. Jesus hatte eine Ruhepause nötig von den Massen, die sich um ihn scharten, also kam er hierher, in den Norden von Galiläa.

S. KENT BROWN: Ich nehme an, dass es im Osten dieses Ortes eine kleine Strecke gibt, aber es gefällt mir sehr gut, dass er sich nicht völlig von diesen Menschenmengen abwendet. Stattdessen unterrichtet er sie. Und nachdem er einen langen Tag mit ihnen verbracht hat, speist er sie.

JOHN S. TANNER: Mir gefällt das so gut, weil es zeigt, dass er sich sowohl um unser spirituelles als auch physisches Wohlbefinden kümmert. Er ist der Erlöser unseres Körpers und unseres Geistes, der gesamten Person.

S. KENT BROWN: Dies ist so ein wichtiges Konzept unserer Theologie.

JOHN S. TANNER: Ich bin wirklich dieser Meinung. Ich finde, dass unsere Theologie eine Theologie des Körpers und des Geistes ist, also der Seele des Menschen. Durch das Evangelium Jesu Christi wird das gesamte Wesen erlöst.

MARCUS H. MARTINS: Dieses Wunder der Speisung der Massen offenbart starke Parallelen zu den Erzählungen des Alten Testaments über den Exodus. Der Heiland hat beschlossen, dadurch zu beweisen, dass er tatsächlich der Gott Israels war. Mose und die Kinder Israels verbrachten 40 Jahre in der Wüste und wurden fast auf täglicher Basis vom Herrn ernährt, er versorgte sie mit Manna, als sie in der Wüste lebten. Nun, Jahrhunderte später, bringt der Heiland diese Menschenmassen von Israeliten an Orte in der Wüste, wie uns die Autoren der Evangelien berichten, und speist sie. Und zwar genauso, wie er es mit den alten Israeliten getan hatte. Er speist diese Menschen durch wunderbare Mittel in der Wildnis. Diese eindeutige Parallele hätten Gelehrte dieser Ära sicherlich nicht übersehen. Jesus von Nazaret behauptete nicht nur, sondern bewies, dass er tatsächlich derselbe war, der das Manna in der Wüste verteilt hatte, und dass er tatsächlich der langerwartete Messias war.

Nun finden wir heraus, dass es zwischen der Speisung der 5000 und der Speisung der 4000 ein anderes Zusammentreffen des Heilands mit den Massen gab, bei dem er sich weigerte, das Wunder zu vollbringen. Gleich am Tag darauf, nach der Speisung der 5000, trifft der Heiland auf eine andere Menschenmenge, aber er kann ihre Gedanken lesen und tadelt sie, indem er sagt: „Ihr seid hierher gekommen, weil ich euch das letzte Mal gesättigt habe.“ Und an diesem Punkt gibt er ihnen diese großartige Predigt namens “Brot des Lebens”.

JOHN F. HALL: Er zeigt seine wahre Identität. Er bezeugt seine Rolle und legt Zeugnis über seine eigene Rolle als Erlöser ab, als derjenige, der die Erlösung bringen wird. Und er lehrt uns, dass das Brot, das wir suchen sollten, das ewige Brot des Lebens ist, nicht irdisches Brot, dass er das ewige Brot hat, das uns Erlösung bringen kann. Er sagt weiterhin: „Ich bin das lebendige Brot, Das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt.“ Und wieder wird auf das Sühnopfer hingewiesen, das Sühnopfer, durch das er die Mission, die ihm der Vater aufgetragen hat, erfüllen und dadurch den Plan der Erlösung in Kraft setzen wird.

MARCUS H. MARTINS: Es heißt, dass ihm danach viele seiner Anhänger nicht mehr folgten. An diesem Punkt findet ein interessanter Wortwechsel statt, als diese Leute dem Heiland den Rücken kehren. Der Heiland wendet sich an die 12 Apostel und fragt sie: „Wollt ihr auch weggehen?“

JOHN F. HALL: Simon Petrus antwortete ihm: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes“ (Johannes 6:68–69 Einheitsübersetzung).

Die King James-Übersetzung „wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt“, ist hier sehr ausdrucksstark. Aber das Wort, das wir als „Glauben“ übersetzen, ist tatsächlich das griechische Wort „pisteuo“, und pisteuo ist sogar noch ausdrucksstärker. Ich würde es aus dem Griechischen des Johannes als „und wir haben Vertrauen“ übersetzen. Sehen Sie, es ist wichtig, dass wir erkennen, dass es nicht nur Glauben ist. Es ist Vertrauen haben. Und durch Vertrauen erlangen wir Wissen. Sie wussten, wer Christus war.

Jeder Anhänger von Christus in jedem Zeitalter muss zu dieser Erkenntnis gelangen, dass Christus der Sohn Gottes ist, dass er der einzige Weg ist, der uns zurück in die Gegenwart des Vaters führen wird. Das ist die Essenz seiner Lehre in der “Brot des Lebens”-Predigt. Es ist eine essentielle Passage, weil er sich selbst offenbart und Zeugnis seiner eigenen Identität ablegt, und die Apostel bezeugen ihm zurück, dass sie es wussten. Wir alle müssen dasselbe tun, wenn wir wahre Anhänger des Heilandes sein und durch den Sohn in die Gegenwart des Vaters zurückkehren wollen.

KAYE TERRY HANSON: Wenn wir die Wunder betrachten, als er beginnt, sie zu vollbringen — ich beziehe mich besonders gerne aufs Johannesevangelium, weil er sieben Wunder zum Erklären aussucht. Sie sind die Quintessenz der Lehre des Johannes. Alle anderen berichten über die anderen Wunder, aber er geht ganz besonders auf sie ein, von der Simplizität der Hochzeit zu Kana, bei der er Wasser in Wein verwandelt, bis hin zu Lazarus.

Wir sind uns der Tatsache schon bewusst, dass Jesus, wenn er nach Jerusalem geht, wie er es schon ein paar Mal getan hat, und eigentlich blieb er, als es aufs Ende seines Lebens zuging, auch immer in der Nähe — In den vergangenen zwei Monaten hielt er sich im Süden auf — wir wissen, dass er in Betanien bei Maria, Martha und Lazarus lebt. Sie sind ganz klar ergebene Anhänger. Jesus reist nach Peräa, und Lazarus wird krank. Maria und Martha schicken ein paar Leute, um den Heiland zurückzuholen. Als sie ihm erzählen, dass Maria und Martha seine Hilfe benötigen, sagen sie zu ihm: „Herr, dein Freund ist krank.“ Sie sprechen den Namen Lazarus nicht einmal aus, und trotzdem weiß er, von wem die Rede ist. Er weiß es einfach. Er liebt Lazarus, Maria und Martha.

KERRY MUHLESTEIN: Doch der Heiland hat an diesem Punkt etwas Anderes im Sinn. Also macht er sich nicht unverzüglich auf den Weg. Er sendet eine Botschaft zurück, die ihnen mitteilt, dass dies zur Ehre Gottes ist. Wir wissen nicht, ob sie die Nachricht jemals erhielten oder erst, als Lazarus schon gestorben war. Stellen Sie sich vor, falls Lazarus schon verstorben war, und Maria und Martha bekommen die Nachricht vom Heiland, dass dies zur Ehre Gottes ist. Das muss sie völlig verwirrt haben. Aber der Heiland unternimmt zwei Tage lang gar nichts. Er bleibt in Peräa und fährt mit seinem Wirken fort.

KAYE TERRY HANSON: Vier ganze Tage nachdem Lazarus begraben wurde. Das ist von Bedeutung, denn nach jüdischem Glauben bleibt der Geist drei Tage lang beim Leichnam. Also wartet er bis zum vierten Tag, um sicherzustellen, dass die Juden wissen, dass Lazarus wirklich tot ist. Das ist nicht irgendein Zaubertrick, den man einfach auf irgendeine andere Weise erklären kann. Lazarus ist wirklich tot.

CECILIA M. PEEK: Es ist bemerkenswert, dass beide, Maria und Martha, ihren Glauben beibehalten, als sie hören, dass Jesus angekommen ist. Martha hat zuerst davon gehört. Sie hört von seiner Ankunft und geht, um ihn zu treffen. Als sie ihn trifft, beteuert sie ihm als Erstes ihr andauerndes und unerschütterliches Vertrauen in ihn. Im Wesentlichen sagt sie: „Wäre du hier gewesen, dann wäre mein Bruder nicht gestorben.“ Jesus antwortet: „Dein Bruder wird auferstehen.“ Woraufhin sie sagt: „Ich weiß, dass er auferstehen wird”, aber sie scheint sich auf die Auferstehung am Jüngsten Tag zu beziehen. Aber dann sagt Christus zu ihr — und es scheint eine private Unterhaltung nur zwischen ihnen zu sein. Er sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Dies ist eine der herausragendsten Aussagen im Johannesevangelium, und sie wird im Kontext dieses interessanten, privaten und intimen Wortwechsels nur zwischen Jesus und Martha gemacht. Sie ist tatsächlich eine der Ersten, der er seine wahre Macht und Identität so ausdrücklich und offen darlegt.

KERRY MUHLESTEIN: Maria hört nun auch, dass der Heiland angekommen ist, und sie begegnet ihm voll Kummer und Trauer. Und ich glaube, an dieser Stelle stoßen wir auf einen kleinen, einfachen Vers, auf den kürzesten Vers in all den Evangelien. Aber er ist so voll Emotion und gibt uns so viel Einsicht über den Heiland, dass auch uns gezeigt wird, wie wir reagieren sollten. Als der Heiland ihre Trauer sieht, ihr großes, tiefes Leid, dass sie diesen geliebten Bruder verloren haben, weiß er, dass er es binnen eines Augenblicks zur Freude verwandeln wird und Lazarus wieder auferstehen lässt. Aber als er ihren Schmerz sieht, lesen wir in Johannes 11:35 (Einheitsübersetzung) die simplen Worte: „Da weinte Jesus.“ Der Heiland weiß, dass er alles wiedergutmachen wird, aber wird dennoch zu Tränen gerührt, als er ihren Kummer fühlt. Er ist so tief berührt, dass er selbst zu weinen beginnt.
Manche Leute sagen: „Seht, wie hatte er ihn so lieb!“ Andere bemerken: „Konnte er nicht machen, dass auch dieser nicht gestorben wäre?“ „Da wurde Jesus wiederum innerlich erregt und er ging zum Grab. Es war eine Höhle, die mit einem Stein verschlossen war. Jesus sagte: ‚Nehmt den Stein weg!'“ Er will es nun tun.

Martha, die unlängst noch so viel Vertrauen hatte und sogar sagte: „Aber auch jezt weiß ich: Alles, worum du Gott bittest, wird Gott dir geben. Ich glaube, die Realität der Situation wird ihr bewusst. Zu der Zeit war es jüdische Tradition, Verstorbene sehr schnell zu begraben, er lag also schon all diese Zeit in dieser Höhle. Martha sagte: „Herr, er riecht aber schon.“ (Johannes 11:39) Stellen Sie sich ihren Gedankengang vor: “Sollen wir wirklich hineingehen und meinen Bruder in diesem halbverwesten Zustand sehen?” So will sie ihn wahrscheinlich nicht in Erinnerung behalten. Es wird kein gutes Erlebnis sein.

Aber sie rollen den Stein zur Seite. Und kurz nachdem sie den Stein weggerollt haben, und kurz vor dem großen Wunder spricht der Heiland ein Gebet. Das ist nun also das dritte Mal, dass er die Aufmerksamkeit nicht auf sich, sondern auf den Vater lenkt. Das ist im Einklang mit seinem Wirken, hier steht er kurz davor, eines seiner bislang größten Wunder zu vollbringen, und er stellt sicher, die Gelegenheit nicht zu missen, die Aufmerksamkeit aller auf den Vater zu richten. So heißt es in Johannes 11, Vers 41: „Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber erhob seine Augen und sprach: ‚Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. Ich wusste, dass du mich immer erhörst; aber wegen der Menge, die um mich herum steht, habe ich es gesagt; denn sie sollen glauben, dass du mich gesandt hast.'“ Und wieder geht es nicht darum — Er hätte dem Herrn im Stillen danken können, und er wusste, dass der Herr mit ihm sein wird. Er sagt es laut heraus, damit jeder weiß, dass er nur dort ist, um Gottes Willen zu befolgen, und dass ihn Gott gesandt hat. Als er sein größtes Wunder vollbringt, ist die Aufmerksamkeit nicht auf ihn gerichtet, sondern auf den Vater, und er macht klar, dass er nur dort ist, um die Mission zu erfüllen, für die ihn der Vater gesandt hat.

KAYE TERRY HANSON: Und dann ruft er nach Lazarus: „Lazarus, komm heraus!“, ruft er mit lauter Stimme. Stellen Sie sich nur vor, wie dieser Mann aus der Dunkelheit stolpert, mit Grabtüchern umwickelt, mit den weißen Tüchern umhüllt, in denen Menschen begraben wurden. Ich bin ganz gewiss erstaunt. Können Sie sich vorstellen…, …wie sehr er der Stimme antworten möchte, die da rief: „Komm heraus!“? Und nun steht er da. Wieder am Leben. Maria und Martha sagten ja schon: „Wir wissen, dass er auferstehen wird, es ist gut, aber wir sind so traurig, dass er nicht mehr unter uns ist.“ Und hier ist er nun. Dieses fantastische Wunder, das Leute, die an ihn glauben, so sehr beeindruckt. Und diejenigen, die Jesus in Frage stellen, schauen auch misstrauisch zu, bevor sie zu den Obrigkeiten eilen, um ihnen mitzuteilen, wer und was er behauptet, zu sein. Das wird die Basis der Anklage sein, die sie gegen ihn erheben werden.

ANDREW SKINNER: Ich glaube, dass es Jesus mitunter an Freundschaften fehlte. Es gab nicht viele Leute, mit denen er sprechen konnte. Martha, Maria und Lazarus gehörten zu den Wenigen, denen er vertrauen konnte, einer der wenigen Plätze auf der Welt, wohin er gehen konnte, wo er entspannen und er selbst sein konnte, wo er über alltägliche Dinge sprechen konnte und die Liebe, die sie ihm entgegenbrachten, fühlen konnte. Wir wissen, dass sie ihn liebten, weil es uns Johannes in Kapitel 11 erzählt.

Ich glaube, dass es ihn sehr traurig machte, wenn er auf Leute traf, die todunglücklich waren, weil einer ihrer besten Freunde gestorben war. Ich glaube, dass es sein enormes Mitgefühl war, das ihn zu diesem Akt bewegte, einem Akt, den Gott vollbringen konnte, aber den er nicht immer vollbringen wollte, was davon abhing, was für die Menschen um ihn herum am besten sein würde. Aber in diesem Fall wusste er, dass es das Beste sein würde, und ich glaube, dass ihn das zum Teil dazu anregte, dieses großartige Wunder zu vollbringen. Die Texte berichten von drei Anlässen, bei denen Jesus einen Toten zum Leben zurück erweckte, und bei allen drei Anlässen ist es sein überfließendes Mitgefühl, das ihn zu diesen Handlungen motiviert.

Indem er Wasser zu Wein vewandelt (in Kanaan), den Gelähmten heilt, die stürmische See beruhigt und Lazarus von den Toten erweckt, vollbringt Jesus Wunder, die die wachsenden Mengen zum Staunen bringen. Für viele sind seine Wunder und Predigten unbestreitbare Beweise, dass er der versprochene Messias ist, der Sohn Gottes. Für andere hingegen sind seine Taten und Worte Irrlehren — Handlungen, die die Todesstrafe verdienen. Da er am Sabbat Kranke heilt, und außerdem nicht ihren Wunsch nach einer politischen Persönlichkeit erfüllt um sie aus der römischen Knechtschaft zu befreien, trachten seine Feinde schon bald danach sein Leben zu zerstören. Nachdem das geistliche Wirken und die Mission Christi sich weiter fortsetzen deuten seine Wunder schließlich auf das Sühnopfer und die Auferstehung hin.


5. Episode: Ich habe die Weinkelter allein getreten ... Sühnopfer !!!

Wer ist diese archaische Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, im wahrsten Sinne des Wortes, der Retter der Welt? In der Debatte, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Gelehrten das Göttliche und unterscheiden zwischen dem Jesus der Historie, einem sterblichen Mann, und dem Jesus unseres Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Gelehrte darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und moderne Erkenntnisse zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Während des sterblichen Lebens des Jesus von Nazaret führte jeder Schritt, den er machte, und jedes Wort, das er sprach, letztendlich zum Söhnopfer. Die Auferweckung des Lazarus läutet die letzten Tage des irdischen Wirkens Jesu Christi ein. In der christlichen Welt gelten die Orte und Szenerien, in denen Jesus seine letzten Schritte zum Sühnopfer machte, als geheiligte Erde: das obere Zimmer, der Garten von Getsemani, Golgatha und das leere Grab.

KENT BROWN: Als Lazarus aus seinem Grab herauskommt, geht Jesus gewissermaßen näher auf sein eigenes zu, was Freunde und Feinde gleichermaßen bezeugen. Die Auferweckung von Lazarus wird zum unbestreitbaren Zeichen dafür, dass dieser Mann die Macht über Leben und Tod besitzt. Für seine Freunde ist es ein freudvolles Wunder, und die versammelte Menge wird später singen: „Gelobt sei der König, der da kommt im Namen des Herrn.“ (Lukas 19:38 Einheitsübersetzung) Aber für seine Feinde bringen diese Ereignisse, gefolgt von einer erneuten Reinigung des Tempels, das Fass zum Überlaufen. „Von diesem Tag an waren sie entschlossen, ihn zu töten.“ (Johannes 11:53 Einheitsübersetzung)

KERRY MUHLESTEIN: Es ist eine interessante Tatsache, dass im Laufe der Zeitgeschichte unterschiedliche Gruppen andere für die Kreuzigung des Heilands verantwortlich machen wollen, und diverse Leute wollen sicherstellen, dass ihre Gruppe nicht die Schuld abbekommt. Wenn man sich die Sache betrachtet, scheint die Bevölkerung gewiss eine Rolle zu spielen. Da ist zum einen der Sanhedrin, oder die oberste jüdische Instanz. Zum anderen waren es tatsächlich die Römer, die ihn töteten. Es scheint fast so, als würden so viele Leute hier ins Spiel gebracht, dass die Schuld ganz klar nicht nur irgendeiner einzigen Gruppe unterstellt werden kann, und dass wir dies auch nicht versuchen sollten.

RICHARD HOLZAPFEL: In dieser Passage aus dem 1. Korinther 15, die wohl der früheste Bericht über das Leiden und den Tod Jesu ist und den Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes vorausgeht, schreibt Paulus dies: „Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe.“ Mit anderen Worten, ich erzähle euch nichts Neues. Ihr wisst das schon. Ich erzähle euch eine Geschichte, die mir schon passierte. Ich wiederhole also diese wohlbekannte Geschichte, „dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift. Und dass er begraben worden ist, und dass er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift.“ Ohne gut aufzupassen, könnten wir die Nuancen verpassen, die uns Paulus hier zu geben versucht.
Er versucht, uns eine historische Perspektive zu bieten. Er starb, wurde begraben, war wiederauferstanden, aber am wichtigsten ist, dass es nach der Schrift geschah. Es war vorherbestimmt. Es war den Propheten, heiligen und weisen Männern und Frauen bekannt, die zu Zeiten des Alten Testaments lebten. Sie wussten, dass der Messias, der Herr und Gott Israels, kommen und dies tun würde.
Aber eine weitere Nuance ist wahrscheinlich die signifikanteste für Paulus. Und wieder sollten Sie darauf achten, dass es nicht darum geht, Schuld zuzuweisen. Es heißt nicht einmal: „Wo genau passierte es, oder an welchem Tag geschah es?“ Dies mag in den vier Evangelien eine wichtige Rolle spielen, doch was für Paulus von Bedeutung ist, ist, dass Jesus nach der Schrift für unsere Sünden starb. Und das war die tatsächliche Frage.
Warum starb der Messias? Wenn wir also über Getsemani nachsinnen, denken wir darüber nach, dass er die Sünden der Welt auf sich nahm, und sein Leiden, das am Kreuz kulminierte, dort begann. Aber wenn ich über dieses “Schuldspielchen” sprechen möchte, denke ich an mich. Er litt für die Sünden der Menschheit, meine Sünden, meine Fehltritte. Deshalb geht das Neue Testament wirklich auf die Frage ein, warum Jesus zu sterben hatte, und nicht so sehr darauf, wessen Schuld es war.

JOHN S. TANNER: Nehmen wir uns ein paar Minuten, um uns ein wenig zu orientieren. Was mir bei diesem Anblick als erstes auffällt, sind die vielen Hügel. Und wir können sehen, dass einige dieser Hügel, einige der wichtigsten, genau hier sind. Fangen wir einfach mit dem Ölberg an.

KENT BROWN: Das ist klarerweise der markanteste Berg hier. Wenn Sie Richtung Osten den Abhang herunterkommen, kommen Sie durch einen kleinen Sattel. Dort ist ein Anstieg. Wir können uns vorstellen, dass Jesus etwa dort anfing, wo das Minarett ist, vielleicht ein bisschen weiter unten.

JOHN S. TANNER: Das ist das Dorf Betanien, richtig?

GAYE STRATHEARN: Betanien ist das Zuhause von Maria, Martha und Lazarus. Hier verbrachte Jesus die letzte Woche seines Lebens. Er reist also jeden Tag von Betanien nach Jerusalem, aber dann kommt er zurück nach Bethanien, wahrscheinlich, weil Johannes sagt uns, dass er Maria, Martha und Lazarus liebte.

JOHN S. TANNER: Wenn wir etwas weiter herunter kommen, sehen wir die Kirche aller Nationen, weiter unten, fast am Fuß des Berges, am Fuß des Ölbergs. Und dort liegt der Garten von Getsemani. Es überquert also hier den Kidron-Bach zum Garten von Getsemani.

Also, fangen wir an. Gehen wir vom Ölberg hoch nach Jerusalem.

KENT BROWN: Sie fangen mit den Mauern an, wo der alte Tempel stand. Hier unten gibt es ein Tor, das durch die Mauer führt, näher zum Tempelberg, das ist das Dungtor. Dann kommen Sie ans Zionstor. Direkt neben dem Zionstor, außerhalb der Mauer, ist die Dormitio-Abtei, oder Zionskirche, das Gebäude mit dem tollen Dach. Und in der Nähe davon liegt der obere Raum, oder?

GAYE STRATHEARN: Ja. Das ist die traditionelle Stätte, an der sich Jesus mit seinen Jüngern zum letzten Abendmahl versammelte.

Jesus wählte ganz speziell das Passah , das Osterfest, um das letzte Abendmahl zu halten. Er nimmt sich also eigentlich einen sehr wichtigen jüdischen Brauch, und benutzt ihn dazu, um über sich selbst zu lehren und ein Gedenken an sich selbst zu institutionalisieren und zum Teil davon zu machen. Das Passah, wenn Sie sich erinnern, ist ein Gedenken an die Zeit, in der Israel von Ägypten unterjocht wurde. Die Zeit, als Mose unter göttlicher Führung agierte und half, die Israeliten aus der ägyptischen Unterdrückung zu befreien. Gott bringt eine Reihe von Plagen herbei, um den Pharao dazu zu bringen, die Israeliten frei zu lassen. Die letzte dieser Plagen war der Tod der Erstgeborenen, nicht nur menschlicher Erstgeborener, sondern auch von Tieren.

Den Israeliten wurde gesagt, wenn sie ein Lamm nähmen, ein unversehrtes Lamm, ein erstgeborenes Lamm, und es als Opfer bringen, und dann das Blut dieses Lammes nehmen und an den Türrahmen schmieren, dann würde der Engel des Verderbens über die Israeliten hinwegziehen, sie verschonen und nicht töten. Seit 1500 Jahren kommen Israeliten in Familien zusammen, blicken zurück und rekapitulieren diese Geschichte als großartiges Beispiel für Gottes Befreiung seines auserwählten Volkes. Durch seine Wahl des Passahfests macht der Heiland seinen Jüngern und allen anderen, die zuhören würden, absolut klar, dass er das Lamm ist, dass er dieses Lamm repräsentiert, das seit 1500 Jahren als Opfer dargebracht wird. Als Johannes der Täufer Jesus seinen Jüngern vorstellt, um sie zu überzeugen, ihm zu folgen, sagt er: „Siehe, das Lamm Gottes.“

Und jeder Jude hätte dies in Bezug auf das Passahfest verstanden. Christus ist das Passahlamm. Am nächsten Tag würde er sich als sündenfreies Wesen, als Erstgeborener des Vaters, als einziger fleischgewordener Sohn Gottes, willig selbst als Opfer anbieten, für all diejenigen, die zu ihm kamen. Er wird zum Passahlamm. Er benutzt das also als Übergang von dem, was im alten Bund geschah, zu dem, was in dem neuen Bund vereinbart sein würde. “Da sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;” Matthäus 26:26-27 (Einheitsübersetzung) Ich finde es interessant, dass der früheste Bericht der Institution des Abendmahls tatsächlich nicht in den vier Evangelien, sondern im 1. Brief an die Korinther 11 zu finden ist. In Korinth hatte es Probleme mit dem Abendmahl gegeben, deshalb schrieb ihnen Paulus und versuchte, einige dieser Probleme zu bereinigen. Ich möchte hier nur auf ein paar Dinge hinweisen.

In Vers 23 (Einheitsübersetzung) sagt er: „Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe.“ Die Worte „empfangen“ und „überliefert“ sind technische Ausdrücke. Ich übergebe euch formell das, was ich formell empfangen habe. Selbstverständlich war Paulus bei den Ereignissen des letzten Abendmahls nicht gegenwärtig, aber er wurde darüber unterrichtet, entweder von den Jüngern oder womöglich sogar vom Herrn selbst. Und er spricht davon, was dort geschah. Vers 24 (Einheitsübersetzung): „Jesus, der Herr, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: ‚Nehmet, esset. Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis.‘ Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: ‚Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.'“

“ Ein signifikanter Unterschied zwischen der Erzählung des Paulus und dem, was wir in den vier Evangelien finden, ist das Wort „Gedächtnis“, dass der Genuss des Brotes und des Weines zum Gedächtnis der Taten Jesu geschieht. Es gibt nur eine andere Stelle, und zwar bei Lukas, wo er das Wort „Gedächtnis“ benutzt. Das Interessante an dieser Sache ist für mich, wenn wir uns die Erzählung im 3. Buch Nephi, ansehen, in der Jesus das Abendmahl unter den Menschen Amerikas einführt, wird hier ganz klar ausgedrückt, dass dies zu seinem Gedächtnis geschieht. Also, das Signifikante für mich ist, dass der früheste Bericht über das Abendmahl, den wir in der Bibel im 1. Brief an die Korinther 11 haben, in vieler Hinsicht tatsächlich der Erzählung im 3. Buch Nephi ähnlicher ist als den Erzählungen in den Evangelien. Das ist wieder eine dieser Stellen, wo uns das Buch Mormon meiner Meinung nach hilft, die historischen Ereignisse, die sich in der frühen christlichen Kirche abspielen, zu verstehen und zu erkennen.

JOHN F. HALL: Doch das letzte Abendmahl bot nicht nur eine Gelegenheit zum Lehren, obwohl es das ganz gewiss tat. Es beinhaltete eine heilige Verordnung, eine höchst heilige Verordnung, die der Heiland zumindest für seine Apostel ausführte — die Fußwaschung. Sie erinnern sich bestimmt daran, dass sich Petrus weigerte, sich vom Heiland die Füße waschen zu lassen. Petrus liebte den Heiland viel zu sehr und nahm ihn viel zu wichtig, um ihm zu gestatten, seine Füße zu waschen. Erinnern Sie sich auch an die Antwort des Heilands? Sie war: „Petrus, wenn du dir von mir nicht die Füße waschen lässt, hast du kein Teil an mir.“ Darauf sagte Petrus: „Dann wasche meine Füße, damit ich ein Teil an dir haben kann.“

Durch die vollzogene Verordnung gehörten nun diejenigen, an denen sie vollzogen wurde, zu Jesus. . Ihr Bund mit Christus war besiegelt. Sie würden für alle Ewigkeit zu Christus gehören. Was für einen immensen Segen sie erhalten hatten! Und im Kontext dieses Segens gibt der Heiland die Lehren weiter, die wir im 17. Kapitel der Schriften des Johannes finden.

ALAN K. PARRISH: Ich glaube, dass Jesus in der Fürbitte mehr als alles andere aufrichtig seinen Vater anruft, dass diejenigen, die er zurücklässt, diese großartigen Männer und Frauen, die Jünger Jesu, irgendwie genügend Trost, Zusicherung, Schutz und Hilfe haben würden, um in ihrem Dienst und geistlichen Ämtern diese Einheit erreichen zu können, die der Vater hat. Ich glaube, der dringlichste und ergreifendste Teil des Gebets ist die Fürbitte, dass sie eins werden können, wie wir eins sind oder auf die Art, wie wir eins sind. Diese Einheit ist meiner Meinung nach das Zentrum seines Gebets. Zweifellos wusste er, dass ihnen harte Zeiten bevorstehen würden. Er hatte soeben Petrus darauf hingewiesen, bevor der Hahn am Ende dieser ereignisreichen, tragischen Nacht krähen würde, dass er Christus oder seinen Umgang und Bund mit Christus drei Mal verleugnen würde. Jesus wusste, welche Prüfungen sie zu bestehen hatten. Und trotzdem betete er mit Hingabe dafür, wahrscheinlich ist dies sogar der Hauptgrund, dass sie Trost und Einheit haben würden, um in der Lage zu sein, die Dinge zu tun, die sie als seine Apostel zu tun hatten.

GAYE STRATHEARN: Die Ereignisse, die hier in Getsemani beginnen, werden von Heiligen der Letzten Tage anders betrachtet als von einem Großteil des heutigen Christentums. Für viele Christen ist Getsemani der Ort, an dem sich Jesus spirituell und psychologisch auf seine bevorstehende Kreuzigung vorbereitete. Doch für Heilige der Letzten Tage ist Getsemani der Brennpunkt des Sühnopfers, der Ort, an dem Jesus, der sündenfrei war, die Sünden der Welt auf sich nahm.

CECILIA M. PEEK: Es ist ein faszinierender Prozess, aus Oliven Öl herzustellen. Die Oliven werden geerntet und zuerst in einen enormen Steinbehälter geworfen, wo sie dann mit einem riesigen Steinrad zerpresst und zu einer Art von Oliven-Püree verarbeitet werden. Die Oliven selbst sind an diesem Punkt, als Püree, schon völlig unerkennbar. Doch der Arbeitsvorgang ist noch nicht beendet. Nun werden Weidenkörbe mit dem Püree gefüllt und gestapelt, bevor schließlich die Olivenpresse ins Spiel kommt, die das Püree so lange auspresst, bis langsam aber sicher das erste Wasser und Öl von den Oliven aus den Weidenkörben sickert. Die erste Flüssigkeit, die herausfließt, ist tatsächlich rot wie Blut, und wo auch immer diese Tropfen landen, bleiben Flecken zurück. Die Olivenpresse spiegelt also tatsächlich das Leiden Jesu, seine Qualen und das Vergießen seines Blutes wider.

KENT BROWN: Also, Jesus kommt mit seinen 11 Jüngern an. Judas hatte sich schon von der Gruppe getrennt. Sie betreten den Garten, irgendwo an den unteren Hängen des Ölbergs. Er lässt acht Jünger in der Nähe des Tores, des Eingangs, zurück und führt die anderen drei mit ihm weiter in den Garten hinein. Es handelt sich um Petrus, Jakobus und Johannes, die seit den Anfangstagen an seiner Seite sind, als er die 12 Apostel berufen hatte. Es gibt zwei fundamentale Dinge, die hier herausragen. Das erste ist die Intensität seines Leidens, das ihn nun befällt.

Und er sagt zu den drei Jüngern, dass er sogar zu Tode betrübt ist. Die Last unserer Sünden, unserer Fehltritte, die einen sündenlosen Mann so enorm beschwert, bringt ihn an einen Punkt, an dem er sich wünscht, er könne all dies einfach wegstoßen. Er lässt die drei dort zurück. Er geht weiter in den Garten hinein, um zu beten. Und das ist der zweite Teil. Jede der synoptischen Schriften wiederholt seine Aktionen im Griechischen im Imperfekt, das als Zeitform für gebräuchliche Handlungen benutzt wird. Er tat gewöhnlich dies. Sie tat gewöhnlich das.

Es bezeichnet außerdem iterative Handlungen, sich wiederholende Aktionen. Wir lesen also, dass Jesus weiterging, auf die Knie fiel und betete, weiterging, auf die Knie fiel und betete, weiterging, auf die Knie fiel und betete. Diese Reihe sich wiederholender Aktionen, die diese Verben dem Leser vermitteln, sind eine Indikation für die Intensität der Qualen, die er erleiden musste. Er betet nicht nur einmal. Er muss sich aufgerichtet haben, versucht haben, sich irgendwie zu erleichtern, bevor er weiterging und wieder betete. Das ist ein packendes Szenario für mich, das mir, nur durch die Art, wie es geschrieben ist, mitteilt, dass Jesus in diesem Moment schwer und wirklich unvorstellbar leidet, und zwar für Sie und für mich.

CECILIA M. PEEK:Kai genomonos en agonia, ektenesterone pros ao heto. Kai agenoto hohedros, al tu hose thromboi haimatos katabainontes epi taingain. was übersetzt bedeutet: „Und er betete in seiner Angst noch inständiger, und sein Schweiß war wie Blut, das auf die Erde tropfte.“ (Lukas 22:44 Einheitsübesetzung).

Hier finden sich ein paar interessante Formulierungen. Zum einen das griechische Wort ”agonia”, Todesqualen leiden. Eigentlich stammt es von dem griechischen Wort ”agon” ab, das man normalerweise in Bezug auf einen athletischen Wettbewerb benutzen würde. Also schlagen manche Gelehrte vor, dass die Beschreibung von Lukas, dass sein Schweiß wie Blutstropfen war, einfach eine Anspielung auf die steigende Anspannung ist, die ein Athlet vor dem näherrückenden Wettkampf fühlt, was eine recht interessante Interpretation ist.
Heilige der Letzten Tage hingegen, die die Evangelien studieren, glauben, dass es sich wirklich um Blut handelte, und Gelehrte, die keine Heiligen der Letzten Tage sind, legen diese Formulierung von Lukas — und das Schlüsselwort hier ist ”hos”— darauf basierend aus, ob er es als Adverb oder Adjektiv verwendet. Mit anderen Worten, spricht er tatsächlich von Blutstropfen oder dass der Schweiß wie Blutstropfen war? Ohne zusätzliche Informationen wäre es unmöglich, ganz sicher zu wissen, welche der zwei Anwendungsmöglichkeiten von „hos“ Lukas hier meint. Aber wir haben zusätzliche, restaurierte Schriften im Buch Mormon bei Mosia, in dem er sagt, dass Christus aus allen Poren blutete, und dann noch spezifischer in “Lehre und Bündnisse”, in dem der Herr selbst spricht und ausdrücklicher und klarer als irgendwo sonst in der Heiligen Schrift seine eigene Erfahrung des Leidens, die er durch das Sühneopfer machte, beschreibt.

Er beschreibt sein Leiden mit diesen Worten: „Dieses Leiden ließ mich, selbst Gott, den Größten von allen, der Schmerzen wegen zittern und aus jeder Pore bluten und an Leib und Geist leiden – und ich wollte den bitteren Kelch nicht trinken und zurückschrecken – , doch Ehre sei dem Vater: ich trank davon und führte das, was ich für die Menschenkinder vorhatte, bis zum Ende aus.“ (Lehre und Bündnisse 19:18-19).

Falls es irgendeinen Zweifel geben sollte, was Lukas meinte, wird von Christus klargestellt, dass er in der Tat aus jeder Pore blutete. Darum muss es notwendigerweise ein unbegrenztes Sühnopfer sein — denn wenn es kein unbegrenztes Sühnopfer wäre, könnte diese Verweslichkeit nicht Unverweslichkeit anziehen. Nephi 9:7

MARILYN ARNOLD: Das Buch Mormon erweitert unser Verständnis der unbegrenzten Natur des Sühnopfers. Ich finde es interessant, dass der Ausdruck „unbegrenztes Sühnopfer“ , nur im Buch Mormon auftaucht. Nur Sprecher im Buch Mormon verwenden diese Formulierung. Tatsächlich ist das Wort „unbegrenzt“ nur drei Mal in der Heiligen Schrift zu finden, alle drei Beispiele befinden sich im Alten Testament und kein einziges bezieht sich auf das Sühnopfer Jesu Christi. Es handelt sich also um ein neues Konzept, das ausführlicher darauf eingeht, was das Sühnopfer ist, indem es als unbegrenzt bezeichnet wird.

Durch das Sühnopfer wurden Sterbliche vom Tod und der Hölle erlöst. Sie wurden vom Tod des Körpers und vom Tod des Geistes erlöst. Und Jakobus macht diesen Punkt sehr, sehr deutlich. Dieses Opfer ist das des Sohnes Gottes, unbegrenzt und ewig. Kein anderes Wesen außer ein Gott konnte dieses unbegrenzte Sühnopfer zustande bringen. Deshalb ist es unbegrenzt, da es das Opfer des Sohnes Gottes ist, unbegrenzt und ewig.

JOHN S. TANNER: Niemand kann durch dieses Leben gehen, ohne einige Sünden anzusammeln. Und wir brauchen dieses Sühnopfer jeden Tag unseres Lebens. Ich bin dankbar, dass mir der Herr durch das Abendmahl erlaubt, jede Woche diesen Vorsatz zu erneuern. Mir gefällt das Wort „gewillt“ im Abendmahlsgebet. Denn es heißt: „Bist du gewillt, diesen Namen auf dich zu nehmen?“ Und ich denke: „Herr, ich bin gewillt.“ Ich mag diese Woche nicht perfekt gewesen sein, aber ich erneuere meine Bereitwilligkeit, nach der Heiligen Schrift zu leben. Und das kann ich nur tun, weil sich der Herr selbst geopfert hat. Und das kann ich nur erreichen, da der Herr uns ermöglicht hat, unsere Kraft mit seiner Kraft zu verbinden und unsere Fähigkeiten durch seine Fähigkeiten zu vergrößern, denn er hat uns nicht nur vergeben. Er hilft uns, unser volles Potential zu erreichen, allerdings nur mit seiner Hilfe. Ich kann das auch jeden Tag spüren. Mitunter ist die Aufgabe zu groß für mich. Es ist einfach zu schwer. Wie werde ich es schaffen? Durch seine Gnade hat er uns dies ermöglicht.

VIRGINIA PEARCE: Es existiert eine wunderbare Synergie zwischen meiner Verantwortung, alles zu tun, was ich tun kann, und nicht nur seiner Verantwortung, sondern seinem bindenden Versprechen mir gegenüber, dass er das tun wird, was ich nicht tun kann. Das ist das Ausmaß seiner Gnade. Er ist nicht nur gewillt, mir zu vergeben und meine Schmerzen abzunehmen, sondern auch die Wunden von denen, die ich verletzt habe, zu verbinden. Wohin man auch hinsieht, überall in unserem Leben ist seine Gnade am Werk, selbst wenn wir uns bemühen und darauf hinarbeiten, unser Bestmögliches zu geben und zu tun.

MARILYN ARNOLD: Das Gebet, das Jesus in Getsemani sprach, ist sehr, sehr kurz, aber gleichzeitig überaus ergreifend. Es berührt uns tief. Denn Jesus schüttet in diesem Gebet seine Seele aus. Er weiß ob der Qualen, die ihm bevorstehen, und er schüttet seinem geliebten Vater seine Seele aus. Und ich glaube, dass wir darin viele Dinge fühlen, die wir auf unser eigenes Leben übertragen könnten, zum Beispiel diese wunderbare Beziehung, die er und sein Vater haben.

Wie Markus das Gebet überliefert — Und die Formulierungen sind in allen drei Evangelien mehr oder minder dieselben. Doch Markus fügt ein Wort hinzu. Nämlich das Wort „Abba“. . Jesus spricht den Vater mit Abba an. Das weist auf die sehr intime Beziehung mit seinem Vater hin. Manche von uns haben mitunter das Gefühl, dass der Vater so distanziert von uns ist, dass es uns kaum gelingt, mit ihm zu sprechen. Wir haben Angst, und es schickt sich, ihn formell anzusprechen. Aber wir sollten erkennen, dass er uns liebt und dass wir eine liebevolle Beziehung mit ihm haben können. Hier ist er nun und fragt den Vater, ob er ihn von diesen Qualen erlösen kann.

Doch dann sagt er — dieses entscheidende Wort „trotzdem“ — trotzdem, nicht mein Wille, sondern deiner, nicht was ich will, sondern was du willst.

CYNTHIA HALLEN: : Er hatte Schmerz und Kummer erlebt, Enttäuschung, die Angst zu versagen, schmerzhafte Ablehnung, das Verlangen und das Heimweh und den Wunsch, mit all unseren Lieben wiedervereinigt zu sein, damit wir für immer Glück und Schönheit haben werden. Er tat es im wahrsten Sinne des Wortes, denn er will weder, dass wir falsches oder einen Ersatz für Glück bekommen, noch eine Art kosmetischen, imitierten Glücks. Er will, dass wir wahres Glück und die perfekte Liebe, die er hatte

BRENT L. TOP: Das Sühnopfer Jesu Christi ist auf tiefste Weise persönlich, und dadurch transformiert es mich. Es verändert mein Verlangen. Es verändert mein Wesen. Das ist das Sühnopfer Jesu Christi. Es erlöst uns, es rettet uns, es erhebt, es liebt, und es transformiert uns zu neuen Kreaturen.

KENT BROWN: Eine der bekanntesten Geschichten des Neuen Testaments ist natürlich die Verhaftung Jesu. Die Verschwörungen und Unterwanderungen begannen viele Monate vorher. Eine Verschwörung gegen ihn wurde in Galiläa ausgebrütet. Augenscheinlich fanden die Verschwörer einander, als Jesus den Mann mit der verkrüppelten Hand heilte.

Nun ist die Zeit also gekommen. Judas führt eine Horde von Leuten zu dem Ort, an dem sich seiner Annahme nach Jesus und die 11 Apostel aufhalten. In jeder synoptischen Schrift heißt es, dass sich Judas Jesus nähert, um ihn zu küssen. Auch Matthäus und Markus berichten, dass Judas das tat. Lukas impliziert es nur. Er drückt es nicht in Worten aus, dass Judas ihn küsste. Ich habe mich oft gefragt, ob Lukas dieses Szenario so abstoßend fand, dass er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass der Verräter den Meister geküsst hat. Als die Gruppe, die ihn verhaften wollte, dort ankam, geht Jesus auf sie zu und fragt: „Wen sucht ihr?“ Sie antworten: „Jesus von Nazaret.“ Dann sagte Jesus: „Ich bin es.“

Der Ausspruch des göttlichen Namens ist von Interesse, der isoliert von allen anderem steht, das Jesus sagt, wenn er antwortet: „Ich bin es.“ Es ist offensichtlich, dass diese Leute voll Angst kamen und sich fragten, was ihnen passieren könnte. Sie treten etwas zurück, steigen sich dabei gegenseitig auf die Füße und fallen letztendlich alle auf den Boden. In mancherlei Hinsicht ist es ein komödienhaftes Szenario, obwohl es natürlich eine sehr ernste Angelegenheit ist.

Nachdem sie wieder auf den Beinen waren und sich etwas gesammelt hatten, fragt er sie noch einmal: „Wen sucht ihr?“ Und wieder antworten sie: „Jesus von Nazaret.“ Und auch er wiederholt: „Ich bin es.“ (Johannes 18:4-8 Einheitsübersetzung)

RICHARD ANDERSON: Nachdem Jesus im Garten von Getsemani verhaftet wurde, flohen die Apostel in Panik. Sie hatten aktiv an der Konfrontation der Wachen teilgenommen, also hatten die es ganz besonders auf Petrus abgesehen, den sie als Feind betrachteten, da er einen der Wachen angegriffen hatte, als sie versuchten, Jesus abzuführen. Die Apostel fühlten sich also wie Männer auf der Flucht und gaben ihren Aufenthaltsort nicht bekannt, obwohl sie als Apostel immer noch zusammen waren, sich berieten und sich bemühten, sich wieder etwas zu sammeln, um zu durchdenken, was tatsächlich geschehen war und wie sie mit der Desillusionierung all ihrer Träume und Pläne umgehen sollten. Denn sie hatten die Prophezeiung und wie sie sich vollfüllen würde nicht völlig verstanden, als Jesus ihnen mitteilte, dass er sie verlassen würde.

KENT BROWN: Also, sie verhaften und fesseln ihn, bevor sie sich höchstwahrscheinlich durch das Kidron-Tal davonmachen, zu einem Tor weiter unten im Osten der Stadt, durch das sie zu den vielen Treppen gelangen, die zum Domizil des Hohenpriesters hochführten.

JOHN S. TANNER: Nach seiner Festnahme in Getsemani kommt Jesus völlig erschöpft durchs Kidron-Tal, bevor er die steilen Treppen erklimmen muss, die hoch zum Palast von Kajaphas, dem Hohenpriester, führen. Petrus und ein anderer, ungenannter Jünger folgen ihm, aber bleiben in der Ferne. Dort im Palast von Kajaphas, während Petrus in der Dunkelheit wartet, wird Jesus selbst, der Richter der Ewigkeit, in einer illegalen, nächtlichen Verhandlung von Männern gerichtet, die ihr Urteil schon lange vor dem Beginn des Verfahrens gefällt hatten. Matthäus erklärt, wie ironisch es ist, dass sich nur zwei Tage vorher im gleichen Palast ein paar seiner Richter getroffen hatten, um zu besprechen, wie sie ihn am geschicktesten festnehmen und töten könnten. (Matthäus 26:4, 59 Einheitsübersetzung).

ERIC D. HUNTSMAN: Obwohl die Erzählungen in den Evangelien die Ereignisse dieser schrecklichen Nacht sehr dramatisch darstellen, als Jesus zuerst vor die jüdische und dann vor die regierende, römische Obrigkeit gebracht wurde, sollten wir nicht vergessen, dass sie uns keine rechtlichen Details geben, die wir wirklich brauchen, um verstehen zu können, was sich genau abspielte, aus rein technischer Perspektive. Sie versuchen, ein Bild der traurigen Realität zu zeichnen, wie der Erlöser der Welt zu Unrecht verurteilt und missbraucht wurde, und dass alle, die involviert waren, sowohl jüdische als auch römische Führer, an seiner fälschlichen Verurteilung beteiligt waren. Wir haben tatsächlich sehr wenige Anhaltspunkte von zeitgenössischen Quellen, wie jüdische Gerichtsverhandlungen zu Zeiten des Zweiten Tempels vor sich gingen. Allerdings haben wir haufenweise Informationen, gerichtliche Urteile, Meinungen und Erinnerungen, wie die Dinge damals gehandhabt wurden, die von einer späteren Quelle namens Mischnah stammen, die etwa 200 n. Chr. zusammengestellt wurde. In vielen Fällen dürfte sie tatsächliche Praktiken zu Zeiten Jesu widerspiegeln, doch manches könnte der Wahrheit auch relativ fern liegen.

JOHN W. WELCH: Um zu verstehen, was im Verfahren gegen Jesus vor sich ging, sollten wir die Tatsache unter Betracht ziehen, dass es sich für sie um einen Notfall handelte. Sie hatten das Gefühl, kurz vor einer Krise zu stehen. Und zwar nicht nur eine Krise mit Aufständen und Rebellion, oder die die Beziehungen zu den Römern belasten würde, die ihnen eventuell den Tempel nehmen würden. Es handelte sich um Jesus, der die Macht besaß, einen Sturm zu stillen. Jesus, der soeben Lazarus von den Toten auferweckt hatte, was das Fass zum Überlaufen und die obersten Priester schließlich dazu gebracht hatte, zu sagen: „Jetzt müssen wir etwas gegen Jesus unternehmen.“

Diese Leute haben Angst. Sie haben Angst, dass Jesus, wenn er nicht der Sohn Gottes ist, teuflische Kräfte besitzt und verwendet, um seine Wunder zu vollbringen. Eine Vorraussetzung, um ein Mitglied des Sanhedrin zu sein, war die Fähigkeit, zwischen, wie sie es nannten, weißer und schwarzer Magie zu unterscheiden. Gute Wunder, gute Zeichen, Dinge, die auch von Mose selbst getan wurden, die offensichtlich legitim waren. Doch dann gab es auch Akte schwarzer Magie, Dinge, die nicht geschehen sollten.

Ich las die Rede von König Benjamin in Mosia 3. Interessanterweise prophezeiten die Worte des Engels Benjamin die Ankunft Jesu Christi, er sagt, dass er kommen würde und „mächtige Wundertaten vollbringen wird, indem er Kranke heilt, Tote auferweckt und bewirkt, dass Lahme gehen, Blinde ihr Augenlicht empfangen und Taube hören und dass er allerart Leiden heilt.“ (Mosia 3:5) Wir finden, dass das gute Dinge sind. Doch die Reaktion, die vorhergesagt wurde, war, obwohl er all diese Dinge tun wird, „aber selbst nach all dem werden sie ihn für einen Menschen halten und sagen, er habe einen Teufel“, dass er diese Dinge durch die Macht Satans vollbringt. „Und deshalb werden sie ihn geißeln und werden ihn kreuzigen.“ (Mosia 3:9)

JOHN F. HALL: Als Jesus vom Sanhedrin vor Pilatus geführt wurde, wurde laut Johannes bewiesen — im Gericht des Sanhedrin wurde mutmaßlich bewiesen — dass er ein Übeltäter sei. Das englische Wort für „Übeltäter“ ist ein Wort, das generell einfach einen Bösewicht bezeichnet. Doch es geht auf das lateinische Wort „maleficium“ , zurück, das ein spezifisches Verbrechen, eine spezifische rechtliche Anklage ist, nämlich die Beschuldigung, Magie zu praktizieren. Wenn wir uns den Text im Johannesevangelium betrachten, finden wir dort das Wort ”kakopoios”. ”Kakopoios” ist das griechische Wort für ”malefikus”, das als „Übeltäter“ übersetzt wird, aber eigentlich jemanden bezeichnet, der Magie praktiziert.

JOHN W. WELCH: Zu diesem Zeitpunkt kam Pilatus in den Gerichtssaal zurück, rief Jesus zu sich und sagte: „Nun gut, lasst uns diese letzte Anklage einbringen. Bist du der König der Juden?“ Die Bezeichnung „König der Juden“ , war ein Titel, der Herodes von Augustus Caesar gegeben worden war. Es war also ein Titel, der politisch beladen war. Jesus sagt nie: „Ja, ich bin der König der Juden.“ Er sagt nur: „Ich bin ein König, aber mein Königreich ist nicht von dieser Welt.“ Diese Antwort scheint Pilatus zufriedenzustellen.

An diesem Punkt antwortete Jesus: „Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.“ (Johannes 18:37 Einheitsübersetzung).

Pilatus, der nun hofft, einen Zeugen und die Wahrheit zu finden, um diesen Fall beurteilen zu können, fragt: „Nun, was ist die Wahrheit?“ Es ist ein schwieriger Fall. Pilatus beschließt, dass die Klage gegen Jesus gegenstandslos ist, geht zu den Juden zurück und sagt: „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Die griechische Formulierung ist, dass es keinen rechtlichen Klagegrund , gegen ihn gibt.

JOHN F. HALL: Und er unterstreicht seine Aussage, indem er etwas tut, was im Rahmen römischer Gesetzgebung überaus bedeutsam ist. Er wusch sich die Hände. Das Händewaschen wird oft als symbolisches Zeichen für die Erklärung der Unschuld Jesu interpretiert. Laut römischem Gesetz war es ein simpler Vorgang, durch den der verantwortliche Richter zu verstehen gab, dass der Fall, den er vor sich hatte, nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fiel.

JOHN W. WELCH: Die Hohenpriester, eine kleine Gruppe sehr einflussreicher Sadduzäer, waren in diesem Fall diejenigen, die unnachgiebig vorwärtsdrängten. Es ist nicht das jüdische Volk. Tatsächlich wurde Jesus von den meisten Juden in Jerusalem begrüßt und akzeptiert. Nur ein paar Tage vorher, am Palmsonntag, hatten sie ihn als ihren Messias willkommen geheißen und gerufen: „Hosianna! Erlöse uns!“ Es sind also nicht die Juden, die Jesus töten. Es ist nur eine kleine Gruppe, die es durchsetzt. Und wie Petrus bestätigt, mit größter Ignoranz.

ERIC D. HUNTSMAN: Als Kajaphas Jesus verhörte, hatte er ihm die direkte Frage gestellt: „Bist du der Sohn des Hochgelobten?“ Er fragte ihn praktisch, ob er der Messias sei. Jesus antwortete: „Ich bin es.“ Einer der Gründe, warum die jüdische Obrigkeit so erpicht darauf war, dass Jesus von den Römern hingerichtet wurde, war nicht nur, um die Verantwortung auf andere abzuschieben, sondern weil es ihrem Zweck besser dienen würde zu beweisen, dass Jesus nicht der war, der er behauptete zu sein, dass er nicht der Sohn des Hochgelobten war.

In einer Passage im Deuteronomium heißt es: „Ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter!“ (Deuteronomium 21:23 Einheitsübersetzung) Eine Steinigung hätte nicht gezeigt, dass Jesus verflucht war, aber wenn er gekreuzigt werden würde, an ein Kreuz gehängt werden würde, könnten sie allen verkünden, dass er tatsächlich von Gott abgewiesen worden war.

Jetzt, Wir sind Frei.

GAYE STRATHEARN: Kreuzigungen haben eine lange Geschichte. Viele Zivilisationen des Altertums benutzten diese Methode. Zum Beispiel die Assyrer unter der Herrschaft von Schalmanezer III. Wir haben Reliefe, die ihn bei Kreuzigungen abbilden. In diesen Beispielen wurden Menschen bei lebendigem Leib aufgespießt, und das war die Form der Kreuzigung. Wir wissen, dass es eine Zeit gab, in der sie von Juden gegen Juden eingesetzt wurde. Doch es dürften die Römer gewesen sein, die sie perfektionierten und eine Kunst daraus machten, Menschen auf diese Weise hinzurichten. Die Kreuzigung wurde gewählt, weil es ein langer, langsamer, schmerzhafter und grausamer Tod war.

Die Römer hätten Menschen viel einfacher und viel billiger hinrichten können — sie hätten sie unter anderem einfach köpfen können. Doch die Kreuzigung wurde speziell für Leute wie Verräter, Diebe und ähnliche Täter gewählt. Es sollte also eine besonders öffentliche Art der Hinrichtung sein. Neben der Tatsache, dass sie so lange in der Öffentlichkeit am Kreuz hingen, wie es eben dauerte, bis ihr Tod eintrat, mussten sie das Kreuz zudem noch schleppen. Damit könnte das ganze Kreuz gemeint sein, aber wahrscheinlich war es der Querbalken, den sie zu tragen hatten. Vor ihrer Kreuzigung wurden diese Leute von den Römern ausgepeitscht, und zwar hatten sie Peitschen, die mit kleinen Knochensplittern versehen waren.

Dem lag die Idee zugrunde, dass sie überall am Rücken und an den Seiten offene Fleischwunden haben würden, so dass sie, wenn sie am Kreuz hingen, auch noch diese Schmerzen ertragen mussten, zusätzlich zu den Schmerzen, die die Kreuzigung selbst mit sich bringt. Wir wissen, dass es viele literarische Quellen über Kreuzigungen gibt, aber die archäologische Realität ist, dass wir nur ein Individuum gefunden haben, das absolut sicher gekreuzigt worden war. Diese Funde wurden 1968 nördlich von Jerusalem gemacht. Sie fanden mehrere Knochen einer Person, die tatsächlich noch den Nagel im Knochen hatten. Er geht durch den Calcaneus, den Fersenknochen, der also ans Kreuz genagelt war.

Die Position des Nagels hier deutete an, dass die Füße wahrscheinlich an der jeweiligen Seite des Vertikalbalkens platziert wurden, bevor der Nagel durch den größten Knochen, den wir im Fuß haben, geschlagen wurde, um das Gewicht zu unterstützen. Irgendetwas muss hier passiert sein, denn der Nagel ist verbogen, also konnten sie, als sie versuchten, die Person vom Kreuz zu nehmen, den Nagel nicht herausbekommen. Deshalb steckt der Nagel immer noch im Knochen und so fanden wir heraus, dass sie gekreuzigt worden waren.

PAUL Y. HOSKISSON: All diese Dinge über Kreuzigungen gingen den Autoren des Neuen Testaments durch den Kopf, wenn sie über die Kreuzigung Jesu Christi sprechen. Aber ich glaube, dass die symbolische Bedeutung hier wirklich wichtig ist. Wenn wir 3 Nephi, 27: 14, betrachten, spielt der Symbolismus des Kreuzes hier eine Rolle. „Mein Vater hat mich gesandt, damit ich auf das Kreuz emporgehoben würde und damit ich, nachdem ich auf das Kreuz emporgehoben worden sei, alle Menschen zu mir zöge, damit, wie ich von den Menschen emporgehoben wurde, die Menschen ebenso vom Vater emporgehoben würden, um vor mir zu stehen.“

Der Symbolismus des Kreuzes und emporgehoben zu werden ist auch ein Symbol für uns, ins ewige Leben emporgehoben zu werden. Und wir sprechen nicht immer über diesen Aspekt des Symbolismus des Kreuzes. Wir tendieren dazu, uns auf die hässlichen Details zu konzentrieren und wie abscheulich das Kreuz doch ist. Ich möchte noch etwas anderes über die Kreuzigung sagen.

Wir wissen dank einer Textstelle in Josephus, dass man eine Kreuzigung auch überleben konnte. Josephus erzählt, dass er sah, wie drei seiner Freunde gekreuzigt wurden. Er wendet sich an den römischen General und fragt: „Kann ich sie herabnehmen?“ Der römische General antwortet: „Natürlich, hol sie herunter.“ Und trotz bester Pflege, berichtet Josephus weiter, starben zwei von ihnen, aber einer überlebte. Eine Kreuzigung ist nicht sofort tödlich. Ich glaube, das ist ein Schlüsselelement der Ereignisse hier. Denn Christus wurde eigentlich von keiner Person wirklich getötet, wie Abinadi in Mosia 15 erklärt. Christus kann nicht getötet werden. Er ist teilweise der Vater. Aber er kann sterben. Deshalb wählt er den Tod. Er wird nicht hingerichtet.

Aber seine Hinrichtung, oder die Wahl seines Todes, muss auf eine gewisse Art und Weise geschehen, damit Ungläubige, die sie betrachten, sagen werden: „Oh, er wurde hingerichtet. Er ist am Ende. Das ist nun aus und vorbei.“ Doch die Gläubigen, die die Ereignisse betrachten, werden dasselbe sagen wie der römische Zenturio: „Das ist der Sohn Gottes.” Es ist sein eigener, freier Wille zu sterben. Er opfert sich selbst am Kreuz. Er wird nicht am Kreuz getötet. Für mich schließt sich damit der Kreis bis auf Adam zurückgehend. Denn Adam wählte freiwillig den geistigen Tod, um in der Lage zu sein, sterbliches Leben zu kreieren.

Jesus wählt, aus eigenem Willen, den sterblichen Tod, um geistiges Leben zu kreieren. Obwohl die Kreuzigung ein recht hässliches Ereignis ist und eine lange Geschichte hat, wird sie letztendlich zu einem wunderschönen Symbol, durch das uns Christus zeigen kann, dass er sich freiwillig für uns opfert.

JOHN S. TANNER: Außerhalb der Stadtmauer Jerusalems liegt der römische Exekutionsort namens Golgota. Er wurde absichtlich in der Nähe einer verkehrsreichen Durchgangsstraße angelegt, wie es auch heute ist, um als grimmes Mahnmal jeden, der vorbeikam, daran zu erinnern, was mit denjenigen geschehen würde, die es wagten, sich römischer Obrigkeit entgegenzustellen.

An diesem Freitagmorgen vor 2000 Jahren wird Jesus, zwischen zwei gewöhnlichen Dieben platziert, ans Kreuz genagelt. Da sich die meisten Apostel versteckt hatten, war es fast ausnahmslos den Frauen überlassen zu bezeugen, was Jesus in seinen letzten Stunden der Sterblichkeit passieren würde. Was sie hören und sehen ist, bis ins kleinste, schmerzhafte Detail, eine Erfüllung der Prophezeiung.

GAYE STRATHEARN: Die Berichte in den Evangelien weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Ereignisse, die mit der Kreuzigung zusammenhängen, kennzeichnend für die Erfüllung der Heiligen Schrift sind. Bei Matthäus geschieht dies mit der Teilung des Gewandes und dem Berühren des Saums des Gewandes als Erfüllung der Heiligen Schrift.

Das ist etwas, das von Matthäus zu erwarten ist. Denn Matthäus scheut in seinem Evangelium keine Mühe, nach jeder signifikanten Handlung von Jesus darauf hinzuweisen: „So ist es erfüllt in der Heiligen Schrift,“ oder so hat sich etwas erfüllt, das ein gewisser Prophet vorhersagte. Und wir verstehen das, denn sein Publikum ist ein jüdisches Publikum, und es hilft ihnen, die Verbindung zwischen dem Christus des Neuen Testaments und dem Messias des Alten Testaments zu sehen.

Aber ich finde es interessant, dass Markus und Johannes ähnliche Dinge tun. Markus bezieht sich auf die Tatsache, dass Jesus inmitten von Dieben gekreuzigt wurde, und erklärt sie zur Erfüllung einer Prophezeiung.

Was ich daran interessant finde, ist, dass Markus wahrscheinlich für ein römisches Publikum schreibt, ein Publikum, das mit der hebräischen Bibel, Prophezeiungen und ähnlichen Dingen nicht vertraut ist, aber Markus will trotzdem aufzeigen, dass dies eine Erfüllung der Prophezeiung ist.

Johannes tut dasselbe, wenn er über Jesus am Kreuz erzählt, der sagt: „Mich dürstet!” Nicht wahr? Johannes weist wieder ausdrücklich darauf hin, dass das eine Erfüllung der Prophezeiung ist. Wir wissen nicht, ob das Publikum des Johannes von messianischen Prophezeiungen wusste oder nicht, wie dem auch sei, es gibt Situationen, in denen absolut klar gemacht wird, dass dies nichts Neues oder Unerwartetes ist. Es ist die Erfüllung einer Prophezeiung.

JOSEPH FIELDING MCCONKIE: Da dieses großartige Werk nun vollbracht ist, empfiehlt er sein ganzes geistliches Wirken in die Hände seines Vaters. Und die letzten Worte, die JesusChristus am Kreuz spricht, sind: „Es ist vollbracht.“ In der Joseph Smith-Übersetzung — und wir haben dies in unserer Fußnote für Matthäus 27, heißt es: „Vater, es ist vollbracht. Dein Wille ist geschehen. Und dann gab er seinen Geist auf.”

Und dadurch wird die ganze Geschichte vom Anfang bis zum Ende verbunden. Hier beginnt, in einem sehr realen Sinn, sein Messiastum, als er da steht und in diesem vorirdischen Rat zum Vater sagt: „Ich werde gehen und deinen Willen tun. Ich habe meine Aufgabe vollendet. Ich habe deinen Willen erfüllt.“ Und so bindet es den ganzen Plan der Erlösung zusammen, dieses ganze System des „Wen soll ich schicken?“ und „Ich habe dieses Werk nun vollbracht.“

CAMILLE FRONK: Die Sonne stand kurz vor dem Untergang, und es bestand die Sorge, den Körper Jesu vor Beginn des Sabbat zu bestatten. Deshalb bat ein Mann namens Joseph von Arimathia, einer kleinen Stadt außerhalb von Jerusalem, Pilatus, sich um den Körper kümmern zu dürfen. Joseph scheint ein Ratsherr gewesen zu sein, womöglich sogar ein Mitglied des Sanhedrin. Er wird von Nikodemus, einem anderen Mitglied dieses Rates, begleitet.

Beide waren höchstwahrscheinlich bei der Verhandlung in der Nacht zuvor nicht dabei. Joseph hatte ein Grab für einen wohlhabenden Mann, und es scheint, dass Nikodemus und er nur eine kurze Weile damit zubrachten, das Grabgewand um seinen Körper zu wickeln und ihn einzusalben, so wenig das möglich war.

Normalerweise wäre dies die Aufgabe der Frauen gewesen. Und es gibt Beweise dafür, dass Frauen aus Galiläa beim Kreuz standen und Nikodemus und Joseph zum Grab folgten, um zu sehen, wo der Körper zur Ruhe gelegt wurde. Es fehlte augenscheinlich an der Zeit für das typische Ritual, den Körper für die Bestattung vorzubereiten. Die Frauen konnten am folgenden Tag auch nicht zurückkehren, weil es Sabbat war.

Wenn dieser nächste Tag der Passah-Sabbat war, war der folgende Tag der wöchentliche Sabbat, also wären ein paar Tage mehr vergangen, bevor sie zum Grab gehen konnten. Sie kommen also als erstes am Sonntagmorgen zum Grab, um zu sehen, ob sie den Körper einsalben konnten, wie sie es vorher tun wollten.

Über diese Frauen aus Galiläa ist uns nicht viel bekannt. Wir kennen den Namen Maria Magdalena und Maria, die die Mutter von Joseph und Jakobus war. Diese Frauen kamen am Sonntagmorgen mit einer Salbe zum Grab, um den Körper damit einzureiben, damit er so lange wie möglich gut riechen würde, doch sie fanden das Grab leer vor.

JOHN S. TANNER: Ich glaube, dass Studenten und auch Touristen mitunter glauben, dass man ins Heilige Land oder nach Jerusalem kommen muss, um eine wirkliche Wertschätzung für das Neue Testament und den Heiland zu entwickeln. Das stimmt natürlich nicht. Er ist der Erlöser aller Zeiten, der ganzen Welt, und der Erlöser der Armen, die nie die Möglichkeit haben werden, hierher zu kommen. Das Wichtigste ist, dass jede Person zum Heiland, zu Jesus kommen kann, sie können mit ihren Herzen und ihrem Glauben kommen, indem sie die Heilige Schrift studieren und beten. Er hat selbst gesagt: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten, und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“ Das ist ein großartiges Versprechen. Es ist ein großartiges Versprechen an alle Gläubigen, dass man beim letzten Abendmahl nicht dabei sein musste oder die Ereignisse seines Priestertums selbst miterleben musste oder in die Heilige Stadt kommen muss. Sie können ihn tatsächlich in Ihr Herz und Ihr Leben kommen lassen.

Die letzte Woche des irdischen Lebens Christi wird von seinen Lehren beim letzten Abendmahl geprägt, seinem Leiden in Getsemani, dem Verhör im Palast von Kajaphas, der Gerichtsverhandlung vor Pontius Pilatus und letztendlich der Kreuzigung in Golgota. Hier äußert er seine letzten Worte in der Sterblichkeit. „Es ist vollbracht. Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist.” (Johannes 19:30 Einheitsübersetzung) Diese Ereignisse markieren den Höhepunkt seines sterblichen Wirkens und führen zu seinem letztendlichen Triumph über den physischen und geistigen Tod in der Wiederauferstehung.


6. Episode: Er ist nicht hier, Er ist auferstanden ... Auferstehung !!!


Wer ist diese archaische Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, im wahrsten Sinne des Wortes, der Retter der Welt? In der Debatte, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Gelehrten das Göttliche und unterscheiden zwischen dem Jesus der Historie, einem sterblichen Mann, und dem Jesus unseres Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Gelehrte darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und moderne Erkenntnisse zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Augenzeugenberichte von Leuten, die den auferstandenen Heiland nur wenige Tage nach seiner Kreuzigung und Bestattung berührten, bestärken den Glauben einer physischen Vereinigung des Körpers und Geistes von Jesus Christus. Ob er nun auf dem Weg nach Emmaus ist oder im Tempel in der Neuen Welt lehrt, das Erscheinen von Jesus Christus verkündet seinen Triumph über den Tod, während er alle dazu einlädt, zu ihm zu kommen.

JOHN S. TANNER: Für Gläubige ist die Auferstehung—ein Ereignis, das sich hier abgespielt haben dürfte — der krönende Höhepunkt des geistlichen Wirkens Jesu. Dadurch unterscheidet er sich von all seinen Vorgängern. Es hatte Priester gegeben, es hatte Propheten gegeben. Es hatte Heiler gegeben. Aber keiner von ihnen besaß die Macht, ihr Leben zu geben und wiederaufzuerstehen. Die Auferstehung markierte die grundlegende Doktrin für das gesamte Christentum. Ohne sie wäre das Christentum eine Anreihung von Glaubensansichten, es würde inspirierende Geschichten und eine inspirierende Botschaft bieten, wie man ein gutes Leben führt, aber es wäre vom Christentum, wie wir es kennen, weit entfernt.

ANDREW SKINNER: Aber du weißt, John, dass wir mit der Auferstehung von Jesus Christus die Botschaft für die Ewigkeiten besitzen. Sie markiert das Zentrum von allem, an das wir glauben. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt unseres Glaubens. Dennoch kommt ironischerweise von der etablierten Mitte des Christentums und von Gelehrten, die das Neue Testament studieren, ein Großteil der Skeptik auf, der wir begegnen.

GAYE STRATHEARN: All dies ändert jedoch nichts daran, dass ein paar Frauen aus einer obskuren römischen Provinz an einem wunderschönen Frühlingsmorgen, einem Tag wie heute, vor 2000 Jahren Geschehnisse bezeugen konnten, die sich bis dahin niemals vorher ereignet hatten.

JOSEPH FIELDING MCCONKIE: Was ist die Auferstehung? Es ist interessant, dass das Wort „Auferstehung“ im Alten Testament nicht zu finden ist. Und in der gesamten Heiligen Schrift — wir können sie gemeinsam von der Genesis bis zur Offenbarung durchlesen, doch nirgendwo wird uns eine Definition der Auferstehunggegeben. Hier zeigt sich nun, wie wunderbar das wiederhergestelle Evangelium ist. Wenn wir zum Beispiel zu Alma gehen, erklärt uns Alma, dass die Auferstehung eine untrennbare Vereinigung von Körper und Geist ist. Trotz ihrer Einfachheit wird diese Erklärung zum Fundament, auf dem jede andere biblische Wahrheit basiert.

RICHARD D. DRAPER: Die unverdaulichste Zutat im theologischen Mahl, das uns die Heiligen des Altertums servierten, war die Vorstellung einer körperlichen Auferstehung des Herrn. Im 4. Jahrhundert lösten sich die Spannungen um diesen Streitpunkt, doch leider einigte man sich auf eine nicht-körperliche Auferstehung. Folglich lehnen diese Gelehrten die körperliche Auferstehung des Herrn vehement ab, es sei eine Apologetik.

Generell fallen die Erklärungen in drei Kategorien. In der ersten dreht sich alles um die Stärke der Persönlichkeit des Herrn. Er war so charismatisch, dass die frühen Jünger über die Tatsache seines Todes einfach nicht hinwegkamen, was dazu führte, dass interne Spannungen, also Spannungen in der Gruppe und ähnliche Dynamiken eine Art Neurose kreierten. Diese Neurose führte zu einer diffusen, weitverbreiteten Halluzination, in der die Jünger glaubten, Jesus gesehen zu haben. Die zweite basiert auf der Idee, dass Jesus in Wirklichkeit nicht am Kreuz gestorben war, sondern stattdessen im Grab wiederbelebt wurde, sich kurz zeigte und dann den Ort des Geschehens verließ. Die dritte Kategorie folgt interessanterweise dem jüdischen Szenario, das wir auch in Matthäus 28 finden. Laut dem bestachen die Juden die Wachen mit Geld, um auszusagen, dass die Jünger Jesu kamen und seinen Körper stahlen, und dann wurden von den Jüngern diese Geschichten über die Auferstehung verbreitet.

JOHN S. TANNER: Den Widersprüchen, die es in den Evangelien in Bezug auf die Auferstehung gibt, wird rege Aufmerksamkeit zugeteilt.

ANDREW SKINNER: Fragen wie: „Waren ein oder zwei Engel am Grab?“ „War Petrus allein, als er den auferstandenen Herrn sah, oder war ein anderer Apostel, nämlich Johannes, bei ihm?“ Fragen dieser Art sind dafür verantwortlich, dass Gelehrte, die das Neue Testament studieren, die Beweise für die Auferstehung als „wirr und dürftig“ betrachten. Und wenn wir nur die Berichte im Neuen Testament hätten, wäre diese Verwirrung zum Teil durchaus verständlich.

JOHN S. TANNER: Richtig. Aber sobald wir moderne Offenbarungen hinzufügen, aus dem Buch Mormon, aus “Lehre und Bündnisse”, wenn wir die Zeugnisse moderner Propheten hinzufügen, dann sind die Beweise für die physische Auferstehung Jesu als verherrlichtes Wesen einfach überwältigend.

ANDREW SKINNER: Ein gedankenvoller Student der Heiligen Schrift sagte: „Es gibt keine geschichtlichen Fakten oder Ereignisse, die ich als wahrer erachte als die physische, körperliche Auferstehung des Herrn Jesus Christus.“ Dieser Student ist außerdem auch ein Prophet Gottes, Ezra Taft Benson.

RICHARD D. DRAPER: Die frühe Kirche liefert uns sehr gute Beweise dafür, dass hier wirklich ein historisches Ereignis stattfand. Es gibt zum Beispiel Menschen, die den Herrn tatsächlich sahen und hörten. Die zwei Männer auf dem Weg nach Emmaus, die 10 Apostel. Paulus sagt, dass ihn in der Tat 500 Gläubige auf einmal sahen. Zudem hat natürlich auch Paulus selbst den Herrn gesehen.

Aber es gibt noch eine andere Gruppe von Zeugen, die den Herrn nicht nur gesehen und gehört haben, sondern ihn auch berührt haben. Die Frauen am Grab, die gesandt wurden, um die Apostel zu benachrichtigen, trafen den Herrn auf ihrem Weg. Interessanterweise fallen Sie auf die Knie, berühren die Füße von Jesus und beten ihn an. Im Griechischen wird das sehr stark ausgedrückt. Das Wort krataobedeutet „ergreifen oder fassen”. Es war also nicht nur ein zarter Hauch einer Berührung. Sie fasten den Herrn an. Sie hingen an ihm.

Und dann haben wir natürlich auch noch Thomas selbst. „Wenn ich seine Wunden nicht mit eigenen Händen berühren kann, glaube ich nicht.“ Was sagt der Herr, als er sich zeigt? „Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite.” Thomas erhält auch ein taktiles Zeugnis. Interessanterweise wird jemand oft übersehen, was auf ein Übersetzungsproblem zurückgeht, und das ist Maria von Magdala. In der King James-Version erscheint ihr Jesus am Grab, Und laut der Erzählung in der King James-Version trat sie angeblich an ihn heran, und Jesus sagt: „Halte mich nicht fest; denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.“ Die Grammatik im Griechischen weist darauf hin, dass es eine bessere Übersetzung gibt. Wir haben einen Imperativ im Präsens in Verbindung mit einer Verneinung, was bedeutet: „Hör auf zu tun, was du gerade tust.“ Und das griechische Wort, das bei ihr benutzt wird, ist nicht „krateo“, ergreifen oder fassen, sondern „hapto“, was umarmen bedeutet. Ich glaube, dass Jesus sagen will: „Ich muss die Arbeit tun, die mir mein Vater aufgetragen hat.“ Dies ist ein sehr liebevoller Augenblick. „Du musst aufhören, mich zu umarmen, damit ich die Arbeit verrichten kann, die mein Vater von mir erwartet.“

Deshalb liefern die Frauen, Thomas, eventuell die anderen Apostel und Maria einen dreifachen Beweis. Sie wussten es, denn sie hatten den Herrn gesehen. Und was bringt das für ein Nachspiel mit sich? Petrus zum Beispiel geht mit neuem Mut voran. Und was ich die Hauptbotschaft? „Wir predigen euch, Christus, der gekreuzigt wurde und Christus, der von den Toten auferstand.“ Das ist die Botschaft.

JOSEPH FIELDING MCCONKIE: Die zwei großartigsten Erzählungen in der Geschichte der Welt sind, was die Evangelien über Jesus Christus betrifft, die Geschichte über die Geburt Jesu, die Wahrhaftigkeit seiner — seine göttliche Sohnschaft, und die Wahrhaftigkeit seiner Auferstehung, die die Krönung seines geistlichen Wirkens ist und aufzeigt, dass er tatsächlich der Sohn Gottes ist. In beiden Fällen spielen Frauen eine prominente Rolle als besondere Zeugen dieser Ereignisse.

VIRGINIA PEARCE: Mir gefallen diese Interaktionen zwischen dem Heiland und den Frauen im Neuen Testament. Die ganze Geschichte von Frauen auf dieser Welt ist ziemlich verworren, und wir machten schwere Zeiten durch in Bezug darauf, wer wir sind und wie wir behandelt werden sollten. Und obwohl wir hier ein Buch haben, das auch hunderte von Jahren überlebt hat, ist es immer noch unmöglich, diese Liebe und diesen Respekt auszulöschen. Er ist nie herablassend. Er ist sanftmütig. Er ist strikt. Er ist voll Respekt. Er bringt ihnen jede Doktrin bei, die er auch die Männer lehrt. Für ihn gibt es keinen Unterschied, und warum sollte es einen geben? Dies ist der Gott dieser Welt, der kam, um jeden zu retten.

ALAN K. PARRISH: Man könnte fragen: „Warum? Warum liegt ihm die Behandlung, das Verständnis, die Liebe der Frauen fast mehr am Herzen als die der 12 Apostel?“ Meine eigene Schlussfolgerung ist, ob es sich nun um unsere Gesetze und Bräuche oder ums altertümliche Israel handelt, scheint die Verantwortung eines Mannes für sein Heim — in diesem Fall seine Mutter und andere, die ihm lieb sind und nahe stehen — dominant zu sein. Sie sind diejenigen, die — die Frauen wurden beauftragt, Petrus und dem Rest der Jünger zu erzählen, was geschehen war. Und als sie zurückkehren, bezeugen sie, dass der Körper Jesu verschwunden ist.

VIRGINIA PEARCE: Alle Interaktionen mit Frauen — mit Martha, Maria, und dann schließlich die Geschehnisse am Grab, als er als erstes Maria als Auferstandener erscheint und sie darum bittet, die Botschaft zu überbringen. Ich denke einfach — Ich weiß nicht, ob Männer verstehen können, was das für Frauen bedeutet, diese Art von Würde ohne Belächeln, die jede von uns dadurch erhält.

JUAN HENDERSON: Die Apostel waren in Jerusalem versammelt. Zu dieser Zeit waren viele Dinge geschehen. Petrus hatte Christus verleugnet, und Jesus war gekreuzigt worden. Sie lebten alle zusammengedrängt am selben Ort.

RICHARD ANDERSON: In dieser Einstellung, die Apostel waren noch zusammen, beim Beraten und Versuchen zu reagiren— Beim denken was auf der Erde geschehen war. Und die Enttäuschung aller ihren Träumen und Plänen. Weil sie nicht voll das Verständnis der Prophetie hatten und wie es wäre erfüllt, wenn Jesus sagte, er würde sie verlassen.

CECILIA M. PEEK: In jedem der Evangelien stoßen die Frauen zuerst auf das leere Grab und begegnen dem auferstandenen Jesus als Erste.

JUAN HENDERSON: Maria war mit den anderen Frauen zum Grab gegangen und sie hatten es leer vorgefunden.

ALAN K. PARRISH: Und ihre erste Reaktion war Enttäuschung. Er ist nicht hier. Aber es sind Engel da, und diese Engel beschwichtigen sie und geben ihnen Zuversicht. Es muss ein wunderbarer Augenblick und ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein. Und dann bekamen sie den Auftrag, die Jünger zu unterrichten.

MICHAEL RHODES: Sie kehren zurück zu den Jüngern und erzählen. Die Apostel können es einfach nicht glauben. Sie lachen den Frauen ins Gesicht.

CLYDE WILLIAMS: Das war vorher noch nie geschehen. Sie versuchen immer noch, die alten Vorstellungen des tausendjährigen Messias loszuwerden, der mit einem Triumphzug zurückkehren wird, und bemühen sich immer noch, sich mit der Idee der Auferstehung anzufreunden.

MICHAEL RHODES: Zumindest eilen Petrus und Johannes dann zum Grab. Johannes ist schneller als Petrus. Petrus ist der ältere Mann, er kann nicht mithalten. Sie erreichen das Grab. Doch Johannes respektiert, dass Petrus der ältere Apostel ist, und wartet. Petrus kommt völlig außer Atem nach, Sie können sich das bestimmt vorstellen. Er schaut ins Grab hinein und sieht, dass das Grabgewand sorgfältig zusammengefaltet an dem Ort liegt, an dem sich Jesus befand.

JUAN HENDERSON: Und ich glaube, dass dies wirklich den Moment markiert, an dem sie beginnen zu glauben, was Jesus gesagt hatte, sozusagen ein erster Lichtblick.

CECILIA M. PEEK: Ein anderes Beispiel für ein wunderschönes Detail, das uns überliefert wird, ist die Geschichte der Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Sie sind gemeinsam unterwegs und erinnern sich an die jüngsten Ereignisse, Ereignisse, die sie mit Kummer beschweren. Und dann erscheint ihnen Jesus höchstpersönlich, obwohl sie ihn am Anfang nicht erkennen.

CLYDE WILLIAMS: Hier lernen wir etwas über auferstandene Wesen. Ein auferstandenes Wesen erscheint nicht immer in voller, glorreicher Gestalt. Es kann — In diesem Fall, glaube ich nicht — Sie erkennen ihn nicht, weil er sich eine Art Umhang über das Gesicht gezogen hat. Ich glaube, sie unterhalten sich mit ihm und diskutieren und sind natürlich überrascht, dass er über die Ereignisse nichts zu wissen scheint, also spielt er hier ein bisschen mit ihnen.

CECILIA M. PEEK: Nachdem sie sich eine Weile unterhalten haben, verabschiedet er sich von ihnen. Sie laden ihn ein, mit ihnen zu kommen, also setzt sich die Unterhaltung noch etwas fort. Sie sind recht überrascht und fragen: „Wo warst du? Wie können dir die Ereignisse der letzten Tage entgangen sein?“ Selbstverständlich ist er der Hauptakteur der Ereignisse der vergangenen Tage, weiß ganz genau, was geschehen ist, und bringt sie auch langsam an den Punkt, an dem auch ihnen völlig klar werden wird, was geschah.

CLYDE WILLIAMS: Seine Worte und Kenntnis der Heiligen Schrift beeindrucken sie. Dann, als er schließlich das Brot bricht und es mit ihnen teilt, gehen ihnen die Augen auf — Sie erkennen ihn als Heiland und er verschwindet aus ihrer Mitte. Was mich über dieses Zeugnis über die Auferstehung berührt, ist, dass sie nicht sagten: „Als er uns die Schriften öffnete, schwoll nicht unser Kopf in uns, als er uns die Schriften öffnete.“ Sie sagten: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er uns die Schriften öffnete.“ Sie fühlten also etwas. Es war nicht nur das, was sie sahen. Sondern das, was sie fühlten, berührte sie wirklich und war Zeuge. Manchmal glauben wir, sehen zu müssen, um zu wissen. Sie fühlten etwas, und sie wussten genauso viel nur durch das, was sie fühlten. Das ist für uns wichtig. Wir neigen mitunter dazu, diese spirituellen Stimmen zu ignorieren. Sie taten das nicht, und das ist wichtig.

JOHN S. TANNER: Petrus wird später sagen: „Denn wir sind nicht irgendwelchen klug ausgedachten Geschichten gefolgt, sondern wir waren Augenzeugen seiner Macht und Größe.“ Er bezieht sich hier wahrscheinlich auf die Umgestaltung. Doch sie sind Augenzeugen gewesen. Sie waren sichere Zeugen. Und eines der Dinge, die sie bezeugen konnten, und es ist überaus wichtig, dass sie das taten, ist die Körperlichkeit der Auferstehung.

CLYDE WILLIAMS: Als der Heiland den Jüngern erscheint, reagieren sie am Anfang natürlich mit Angst. Sie sind in Panik. Sie glauben, einen Geist zu sehen. Es ist klar, dass sie die volle Bedeutung eines auferstandenen Wesens immer noch nicht ganz verstehen. Wir machen ihnen keine Vorwürfe, weil so etwas vorher noch nie passiert war. Aber um ihnen die Angst zu nehmen, erklärt Lukas — und das ist so bedeutungsvoll — fordert er sie auf, zu ihm zu kommen und seine Hände und Füße zu berühren.

JUAN HENDERSON: Er wollte ihnen versichern, dass er derselbe Christus war, der dreieinhalb Jahre seines irdischen Wirkens mit ihnen verbracht hatte, er wollte ihnen mitteilen, dass er ein auferstandener Körper war, ein auferstandener Heiland.

CECILIA M. PEEK: Und um die körperliche Realität seines auferstandenen Zustands zu unterstreichen, isst er sogar etwas vor ihren Augen, um ihnen zu zeigen, dass er immer noch einen Körper besitzt. Dann sagt er ausdrücklich: „Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht“(Lukas 24:39 Einheitsübersetzung).

MICHAEL RHODES: Diese 10 Apostel — Thomas ist zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend — können nun im wahrsten Sinne des Wortes sagen: „Ich weiß, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Ich berührte ihn. Ich sah ihn. Ich sah, wie er gegessen hat.“ Eine Woche später sind die Apostel wieder zusammen, und dieses Mal ist Thomas dabei. Und Thomas hatte gesagt: „Wenn ich meine Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht.“ Christus erscheint und lädt Thomas ein: „Komm, Thomas“ (Siehe Johannes 20:25–27 Einheitsübersetzung).

JUSTIN SU’A: „Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht un gläubig, sondern gläubig!“ Denjenigen, die die Gelegenheit haben, nicht nur zu hören und zu sehen, sondern auch zu berühren, wird so ein großartiges Zeugnis der Göttlichkeit des auferstandenen Heilands gegeben. Doch der Herr gibt Thomas eine zusätzliche Doktrin. Er sagt: „Selig sind die, die nicht sehen und doch glauben.“ Das können wir auf unser eigenes Leben beziehen, da wir womöglich nicht die Gelegenheit hatten, Gott zu sehen. Uns bot sich nicht die Gelegenheit, den auferstandenen Heiland zu berühren. Aber wenn wir glauben, ohne zu sehen, wenn wir glauben, dass er der auferstandene Herr ist und seine Lehren annehmen, können auch wir dieselben Versprechen, Segnungen und Zeugnisse erhalten wie die, die ihn gesehen, gehört und berührt haben.

CECILIA M. PEEK: Die Tatsache, dass wir ihre Zweifel sehen und erkennen, dass diese Zweifel ein Teil der menschlichen Erfahrung, Glauben zu entwickeln, sind, ist ein essentieller Bestandteil der Evangelien, da es auf eine Bescheidenheit ihrerseits hinweist, die Bereitwilligkeit zuzugeben, dass sie mitunter Schwierigkeiten hatten, aber es deutet außerdem auch wirklich auf die Wahrhaftigkeit dieser Erzählungen hin. Wir wollen hier nichts verbergen. Wir machen dies nicht zu einer perfekten und idealen Repräsentation unseres Glaubens. Wir mussten uns mit diesen Dingen auseinandersetzen, um unseren Glauben zu festigen. So spielte sich das ab. Und es hört sich wahr an.

GAYE STRATHEARN: Das Neue Testament hat etwas ganz Besonderes, da uns Jesus auf täglicher Basis gezeigt wird. Ich finde, dass es wichtig ist, die Maria-Seite von ihm zu sehen, von ihm, der ganz klar der Sohn Gottes ist, ohne jeden Zweifel. Die Passage bei Johannes, in der er die “Brot des Lebens”-Predigt hält, ist ein großartiger sakramentaler Diskurs. Am Ende der Rede macht er diese bedeutenden Aussagen. Es heißt: „Und die Menschenmengen verließen ihn.“ Weil er sie nicht speisen wollte, und an seinen Lehren allein waren sie nicht interessiert. Dann wendet er sich an seine Apostel und sagt: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Siehe Johannes 6:67 Einheitsübersetzung) Ein wirklich ergreifender Moment, nicht wahr? Dann übernimmt Petrus das Wort. „Herr, zu wem sollen wir gehen? Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ (Johannes 6:68-69) Ich kann das Pathos dieses Augenblicks fühlen. Selbst der Sohn Gottes muss verletzt und enttäuscht gewesen sein, als die Menschen ihm den Rücken kehrten, obwohl er alles für sie gegeben hatte.

Ich muss wieder auf mich selbst zurückkommen. Wie hätte ich reagiert, wenn ich an diesem Tag dort gewesen wäre? Wäre ich einer der Leute gewesen, die ihn verließen, oder wäre ich wie Petrus gewesen? Ich hoffe wirklich, dass ich wie Petrus gehandelt hätte, aber mit Sicherheit kann ich das nicht behaupten. Wenn ich mich also selbst in diese Situation versetze, über die Pharisäer lese und mich frage: „Warum verhalte ich mich manchmal selbst wie ein Pharisäer? Gibt es Zeiten, in denen ich wie Thomas bin?“ Ich weiß, seit 2000 Jahren erinnert man sich an Thomas in seiner Rolle als “ungläubiger Thomas”, aber mir gefällt die Passage in Johannes 11, in der er sagt, dass Jesus nach Bethanien gehen wird, und Jesus weiß, dass das gefährlich ist. Und Thomas sagt:, „Dann lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben.“ (Siehe Johannes 11:16 Einheitsübersetzung) An diese Seite des Thomas erinnere ich mich gerne, wie sehr er dem Heiland ergeben war. Ich möchte wie Thomas sein. Und ich möchte wie Petrus sein. Ich möchte wie diese Apostel sein, die an der Seite des Herrn blieben, zweifellos ihre spirituellen Höhen und Tiefen erlebten, aber letztendlich dem Heiland, im Leben und im Tod, ihr Leben widmeten.

„Ihnen hat er nach seinem Leiden Durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; Vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.“ Apostelgeschichte 1:3.

KENT BROWN: Lukas erklärt, dass die 11 Jünger Tage mit Jesus verbrachten. Einen Teil dieser Zeit verbrachten sie in Galiläa. Wir wissen, dass sie einen anderen Teil in Jerusalem verbrachten. Das steht gleich am Anfang seines Buchs der Apostelgeschichte. Wenn man es zu schnell überfliegt, kann man es verpassen. Aber es markiert gewissermaßen den Mittelpunkt seiner zwei Werke. Er schreibt das Lukasevangelium und die Apostelgeschichte. Und hier haben wir es, fast exakt in der Mitte seiner Schriften.

Ich betrachte diese sechs Wochen als eine der wichtigsten Schulungen, als einen der wichtigsten Lehrgänge, an dem diese Männer je mit dem Heiland teilnahmen. Diese Zeit war auch ausschlaggebend für ihr weiteres geistliches Amt, denn alles, was Lukas nun in der Apostelgeschichte erzählt, geht auf diesen Moment zurück. Das ist die Zeit, in der Jesus seine letzten Anweisungen vor seiner Himmelfahrt gibt. Und das erstreckt sich über diesen langen Zeitraum.

KERRY MUHLSTEIN: Man kann eine Verwandlung in den Aposteln erkennen. Die Apostel arbeiten, während sie spirituell wachsen und Fortschritte machen, bis zu seinem Tod hin immer noch daran zu verstehen, wer der Heiland wirklich ist, und erkennen, dass er nicht an ihrer Seite sein wird und dass sie die Last des Königreichs ganz allein zu tragen haben. Nach der Kreuzigung und nach der Auferstehung werden sie zu neuen Männern. Ein Schlüsselpunkt zu dieser Verwandlung Ist, denke ich, die 40-tägige geistige Schulung, denn jetzt wird ihnen klar, was die Auferstehung wirklich bedeutet, aber auch, dass ihre Zeit mit dem Heiland zu Ende geht.

KENT BROWN: Manche Leute haben ihre Schwierigkeiten mit der 40-tägigen geistlichen Reise, wie Lukas am Anfang der Apostelgeschichte erwähnt. Wenn Jesus nicht körperlich auferstanden ist, was tut er dann inmitten dieser 11 Apostel? Und genau hier an diesem Punkt scheint sich meine Meinung von anderen zu trennen. Ich glaube an die körperliche Auferstehung von Jesus und dass er für diesen 40-tägigen Zeitraum auf Erden blieb, um die Apostel zu schulen, weiterzubilden und sie mit den Lehren und Vorgangsweisen des Königreichs, die sie befolgen sollten, vertraut zu machen. Und wenn man nicht an die Auferstehung glaubt, glaubt man auch nicht an die 40 Tage. Aber wenn man an die Auferstehung glaubt, machen die 40 Tage völlig Sinn.

If apocryphal literature is several steps removed from accepted scripture, one more step takes us into the world of legend. Here one does not find truth in individual stories, but in trends or in themes. Oral tradition is persistent, and can give clues about events in veiled and unexpected ways. And in terms of local folklore, one of the most common claims heard from London to Tibet is: “Jesus was here.”

One should not be surprised with evidence that the resurrected Jesus visits other lands and other peoples. During His mortal ministry, He proclaims to opponent and disciple alike, “Other sheep I have, which are not of this fold: them also I must bring, and they shall hear my voice; and there shall be one fold, and one shepherd” (John 10:16). Although it is not clear how many other sheep Jesus intends to visit, one record stands apart as an independent witness of His literal Resurrection.

TERRY BALL: Der Titel des Buches Mormon ist: „Das Buch Mormon, ein weiterer Zeuge für Jesus Christus.“ Das Buch Mormon war im Altertum von Nachkommen der Israeliten zusammengestellt und versteckt worden, um es zu einer Zeit ans Tageslicht zu bringen, wenn ein zusätzliches Zeugnis über Jesus Christus gebraucht werden würde. Es erzählt die Geschichte des Wirkens Jesu inmitten der Menschen hier in der neuen Welt, einer anderen Gruppe von Schafen, die getrennt worden war. Es berichtet über seine Lehren, seine Bündnisse, seinen Umgang mit diesen Menschen und geht ganz besonders auf sein geistliches Wirken unter den Menschen nach seiner Auferstehung ein. Es ist also ein weiterer Zeuge für das Evangelium Jesu Christi. Es erfüllt das Gesetz der Zeugen, dass „durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen wird jede Sache entscheiden.“

JUAN HENDERSON: Die Heilige Schrift ist der erste Zeuge für das Werk des Heilands in Jerusalem. Das Buch Mormon tritt als zweiter Zeuge hervor und bestätigt, was der Heiland in Jerusalem vollbrachte, und dass seine Auferstehung tatsächlich der Wahrheit entspricht.

JUSTIN SU’A: Der Höhepunkt des Buchs Mormon oder das Kronjuwel ist die Ankunft von Jesus Christus in Amerika. Nephi prophezeit dies in 1. Nephi 12:6. Er sagte: „Und ich sah die Himmel offen und das Lamm Gottes aus dem Himmel herabsteigen; und er kam herab und zeigte sich ihnen.“

JUAN HENDERSON: Die Menschen kamen und versammelten sich um den Tempel. Sie hörten eine Stimme, die sie nicht identifizieren konnten. Es war eine spirituelle Stimme, die in ihr Herz drang. Und als sie sie das dritte Mal hörten, konnten sie sie lokalisieren. Die Stimme kam aus dem Himmel, und sie schauten gen Himmel und sahen den Heiland herabsteigen. Sie hielten ihn für einen Engel. Und als er auf dem Erdboden stand, sagte er: „Siehe, ich bin Jesus Christus, von dem die Propheten bezeugt haben, er werde in die Welt kommen“ (3 Nephi 11:10).

JARED LUDLOW: Und er sagt weiterhin, dass er das Sühnopfer vollbracht hat. „Ich habe aus jenem bitteren Kelch getrunken, den der Vater mir gegeben hat, und habe den Vater verherrlicht, indem ich die Sünden der Welt auf mich genommen habe; und darin habe ich den Willen des Vaters in allem von Anfang an gelitten.“ (3. Nephi 11:11) Eines der ersten Dinge, die er ihnen mitteilt, ist die Erfüllung seines Sühnopfers. Dass er sich dem Willen des Vaters unterworfen hat und dass dies ein immenser Segen für sie sein würde, und natürlich auch für uns, heute.

“ Und es begab sich: Als Jesus diese Worte gesprochen hatte, fiel die ganze Menge zur Erde; denn sie erinnerten sich, dass es unter ihnen prophezeit worden war, Christus werde sich ihnen nach seiner Auffahrt in den Himmel zeigen.“ (3 Nephi 11:12).

JUSTIN SU’A: Christus gibt ihnen eine unglaubliche Einladung. Ich kann mir vorstellen, dass diese Einladung ihr Herz tief berührte, und bis zum heutigen Tag die Herzen von Millionen berührt, die es lesen. Er sagt: „Erhebt euch, und kommt her zu mir, dass ihr eure Hände in meine Seite legen und auch dass ihr die Nägelmale in meinen Händen und meinen Füßen fühlen könnt, damit ihr wisst, dass ich der Gott Israels und der Gott der ganzen Erde bin und für die Sünden der Welt getötet worden bin.“ (3. Nephi 11:14) Diese unglaubliche Einladung, die der Herr den Nephiten aussprach. „Und es begab sich: Die Menge ging hin und legte ihre Hände in seine Seite und fühlte die Nägelmale in seinen Händen und seinen Füßen; und dies taten sie und gingen einer nach dem anderen hin, bis sie alle hingegangen waren und mit eigenen Augen sahen und mit eigenen Händen fühlten und mit Gewissheit wussten und Zeugnis gaben, dass er es war, von dem die Propheten geschrieben hatten, er werde kommen.“ (3. Nephi 11:15)

MARCUS H. MARTINS: Und was für mich einer der wichtigsten Teile dieser Erzählung über den Besuch des Heilands ist, ist die Tatsache, dass wir hier ein anderes Zeugnis haben, dieses Mal von 2500 Menschen, die ihn nicht nur hörten, sondern ihn tatsächlich berührten, seine Füße küssten und seine Füße mit Tränen übergossen.

JUAN HENDERSON: Sie alle kamen hin und fühlten die Nägelmale in seinen Händen und Füßen, und wenn man davon ausgeht, dass jeder 15 Sekunden hatte, würde das insgesamt 11 Stunden ergeben. Das heißt, falls niemand innehielt, weil ihn die Gegenwart des Meisters überwältigte.

JUSTIN SU’A: Dies lehrt uns die Essenz Jesu, wie sehr er uns liebt und wie sehr er sich wünscht, dass wir ihn kennenlernen, und es zeigt, wie zugänglich er für diejenigen ist, die kommen wollen und ein persönliches Erlebnis mit dem Heiland haben wollen. Dies zeigt uns, dass wir dem Heiland nicht nur generell am Herzen liegen, sondern dass ihm jeder einzelne von uns etwas bedeutet.

MARCUS H. MARTINS: Als sich der Heiland an sie wendet, stellt er sich ihnen als erstes vor. Er nennt seinen Namen. Aber er identifiziert sich auch als Gott Israels und als Gott der ganzen Welt. Nephi, der Prophet dieser Zeit, der sich inmitten der Menge befindet, dürfte sich vor dem Heiland niedergeworfen und seine Füße geküsst haben. Als der Heiland Nephi auffordert aufzustehen, ist sein erstes Anliegen, Nephi mitzuteilen: „Ich gebe dir Macht, dass du dieses Volk taufst, wenn ich abermals in den Himmel aufgefahren bin.“ (3. Nephi 11:21) Dies erklärt uns oder weist gewissermaßen darauf hin, was für eine bedeutende Rolle Verordnungen im Königreich Gottes spielten.

ROBERT MATTHEWS: Er berief die 12 Apostel, indem er seine Hände auf sie legte, eine der Verordnungen. Er erklärte ihnen die Taufe, wie man die Taufe durchführt und wie nicht, eine weitere Verordnung. Er führte das Abendmahl ein. Wieder, eine Verordnung. Und wenn wir genau aufpassen, beginnen wir zu sehen: „Woran war Jesus interessiert?“ Er war an der Heiligen Schrift interessiert, er war daran interessiert, dass Menschen seine Auferstehung verstanden, und er war an Verordnungen interessiert.

„Und der Herr sprach zu ihm: ‚Ich gebe dir Macht, dass du dieses Volk taufst, wenn ich abermals in den Himmel aufgefahren bin.‘ Und weiter rief der Herr andere und sprach gleichermaßen zu ihnen; und er gab ihnen Macht, zu taufen.“ . Nephi 11:21-22.

JOHN W. WELCH: Als der erste Tag zur Neige ging, den Jesus mit den Nephiten am Tempel im Land Überfluss verbracht hatte, sieht er sich die Menge an und erkennt, dank seiner göttlichen Wahrnehmung, dass viele der Leute die Dinge, die er gelehrt hat, wahrscheinlich nicht verstanden haben. Alle Dinge haben sich erneuert. Es ist eine völlig neue Welt für sie. All die Dinge, die sie gewohnt waren zu tun, waren nun veraltet, und sie müssen eine völlig neue Welt erschaffen und müssen eine neue Beziehung zueinander und zu Gott etablieren.

MARCUS H. MARTINS: Und sie brechen in Tränen aus. Niemand sagt ein Wort, aber sie standen in Tränen aufgelöst. Und er erkennt, wie es nur ein Gott kann, dass sie gerne hätten, dass er etwas länger unter ihnen verweilen würde. Sie wollen ihn Wunder vollbringen sehen, die sie von ihm erwarten.

JOHN W. WELCH: Er sagt: „Ich wollte eigentlich gehen, aber lasst uns bleiben und etwas mehr tun.“ Hier im Land Überfluss waren selbst die Lahmen und Blinden anwesend. Ein außergewöhnliches Ereignis. Man könnte es fast Zufall nennen. Sie wussten nicht, dass er kommen würde. Aber es war ihr eigener Wille, an diesem Tag zum Tempel zu kommen und sich hier zu versammeln, und sie wollten wissen, was sie als Nächstes tun sollten. Er rief sie und forderte sie auf, dort am Tempel hervorzutreten. Nun schrieben sie die Namen der Leute nicht auf eine Gebetsrolle. Sie forderten sie auf, geradewegs zum Tempel zu kommen, sich vor ihm zu versammeln, und Jesus heilte einen nach dem anderen. (Siehe 3 Nephi 17:5–9).

MARCUS H. MARTINS: Er forderte die Menge auf, ihre Kinder zu ihm zu bringen. Also öffnet sich die Menge und formt einen kleinen Kreis um den Heiland. Sie bringen alle ihre Kinder und setzen die Kinder Jesus zu Füßen.

JOHN W. WELCH: Dann sprach Jesus — und dies wird oft übersehen — ein sehr ernstes Gebet, mit dem er sich an die Eltern wandte. Worte können nicht ausdrücken, was sein Gebet im Namen der Eltern beinhaltete. (Siehe 3 Nephi 17:21).

MARCUS H. MARTINS: Er betet und verwendet die wunderbarsten Worte, so wunderschöne, majestätische und kraftvolle Worte, dass es unmöglich war, die Worte dieses Gebets aufzuschreiben. Und als er sein Gebet beendet hat, weint er, was eine sehr interessante Reaktion eines auferstandenen Wesens ist, eines Angehörigen der Gottheit. Hier ist der Gott Israels, der Gott der ganzen Welt, und er weint. Er sagt, der Glauben der Menschen brachte ihn dazu. Dann nimmt er die Kinder und segnet sie, wieder eines nach dem anderen, und nachdem er die Kinder gesegnet hat, fordert er die Menge auf, ihre kleinen Kinder anzusehen. Als sie das tun, öffnet sich der Himmel und Engel kommen als verherrlichte Wesen vom Himmel, und sie bilden einen Kreis um die kleinen Kinder und verkünden ihnen das Wort Gottes. (Siehe 3 Nephi 17:20–23).

Die Menge schaute zu. Es wird uns nicht erzählt, ob sie hören konnten, wie die Engel Christus dienten, aber wir wissen, dass zwei Tage später, am dritten Tag des Besuchs des Heilands bei den Nephiten und Lamaniten, er die Münder der kleinen Kinder öffnete. Sogar Säuglinge sprachen, und laut Mormon sprachen sie die wunderbarsten Worte. Sie sagten, dass sie mit solch großartigen Worten lehrten — Außerdem ist es signifikant, dass sich die Kinder mit diesen Worten an ihre Eltern richteten, anstelle an nur ihre Väter. Diese Worte waren so außerordentlich, dass sie nicht aufgeschrieben werden konnten. Mormon betont ganz besonders, dass selbst Säuglinge ihre Münder öffneten und sprachen. (Siehe 3 Nephi 26:16).

Ich weiß nicht, ob sie — Die Engel hatten sicherlich zu diesen Ereignissen beigetragen, aber es zeigt auch ganz klar auf, dass Kinder im Königreich Gottes ganz gewiss keine Nebenrolle spielen. Es handelt sich nicht um Menschen zweiter Klasse. Sie stehen im Zentrum von Wundern und großartigen Worten. Es ist ein sehr ergreifendes Szenario, das uns etwas Einsicht gibt, was im Herzen des Heilands vor sich geht, wenn er den Glauben und die Reinheit seines Volkes ins Auge fasst.

MONTE NYMAN: Das ist wahrscheinlich das Lieblingskapitel vieler Leute, die das Buch Mormon lesen. Es zeigt seine Liebe für Kinder und wie sehr er sie respektiert, und dass wir sie mit derselben Liebe und Anerkennung behandeln sollten. Die enorme Verantwortung, die wir als Väter und Mütter in Israel haben, dieses 17. Kapitel dürfte den Inbegriff der Liebe darstellen, die Jesus für uns als seine Kinder hat, die er spirituell adoptiert, wenn wir, wie wir in Mosia 5 und 7 lernen, als seine Kinder zu ihm kommen. In der Alten und in der Neuen Welt ließ er Kinder zu sich bringen.

JOHN W. WELCH: Denn nur wenn wir wie kleine Kinder werden, können wir den natürlichen Menschen ablegen und das sühnende Blut Jesu zu vollem Effekt in unseren Leben wirken lassen.

KENT BROWN: Diejenigen, die nicht an eine körperliche Auferstehung glauben, müssen sich wirklich einer Mauer von Zeugen stellen, die ihnen gegenübersteht. Leute, die sagen: „Wir haben ihn gesehen“. In meinen Augen scheint dies eine Aufgabe zu sein, die fast so gut wie unmöglich ist. Mann müsste den Texten und Aufzeichnungen, die wir vor Augen haben, wirklich unaufrichtig und ignorant gegenüberstehen.

JOHN S. TANNER: Meiner Meinung nach ist dies eine Geschichte des Wachsens. Es ist eine Geschichte des Wandels. Wir sehen Apostel, die voll Angst waren, als Jesus verhaftet wurde, aber letztendlich den Mut bekommen, sein Wort in der ganzen Welt zu verkünden.

JUAN HENDERSON: Als Jesus kam, erschien er den Aposteln. Er sagte ihnen, dass sie auf den Tröster warten sollten, oder auf das Versprechen des Vaters, das über sie kommen würde, bevor sie ihr irdisches geistliches Wirken tatsächlich beginnen würden. Also hatten sich die Apostel im oberen Raum versammelt. Sie hörten, wie das Geräusch eines rauschenden Windes über sie kam. (Siehe Apostelgeschichte 2:2) Der Geist des Herrn kam auf sie herab, Und dann, danach, gingen sie hinaus und — Petrus hielt eine leidenschaftliche Predigt über den auferstandenen Herrn, und sagte, dass sie alle Umkehr tun und zu ihm kommen mussten. (Siehe Apostelgeschichte 2:14-39 Einheitsübersetzung)

JOSEPH FIELDING MCCONKIE: Jedes Mal, wenn sie Zeugnis ablegen, bezeugen sie zweierlei. Das erste ist die Tatsache, dass Jesus der leidende Diener war, dass er sterben musste. Sie müssen das Kreuz erklären. Und jetzt vertrauen sie in diese Botschaft. Und die andere Sache ist die Wahrhaftigkeit der Auferstehung. Sie sind kompetente Zeugen. Daraus entsteht das ganze Muster, wie das Evangelium gelehrt werden soll.

JUAN HENDERSON: Petrus und Johannes gingen in den Tempel. Dort stand ein Mann auf den Treppen, der von Geburt an lahm war. Er bat die Menschen, die in den Tempel gingen, um Almosen. Er lag dort jeden Tag. Und als er Petrus um ein Almosen bat, antwortete Petrus: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesus Christi, des Nazoräers, geh umher!“ (Apostelgeschichte 3:6) Petrus griff nach seiner Hand, um zu sehen, ob es vollbracht war, also fasste er seine Hand und zog ihn auf die Beine. Alle die Knochen in seinen Beinen und Füßen richteten sich aus und er begann, vor Freude in die Luft zu springen, vor Freude über das Wunder, das vollbracht worden war. Man könnte so etwas nicht tun, ohne zu wissen, dass man die Kraft dazu… …zu dieser Zeit in sich hat.

JOSEPH FIELDING MCCONKIE: Petrus ist nun also in der Position hinauszugehen und zu lehren, und er sagt: „Ich bezeuge vor euch, dass Jesus der Christus ist. Und dies sind die Hände, die ich in die Wunden an seiner Seite legte und mit denen ich ihn umarmte. Ich bin hier, um vor euch zu bezeugen, dass es wahrhaftig war, dass ich den auferstandenen Christus umarmte, wie ich ihn während seines Wirkens auf Erden umarmt hatte, und ich kenne ihn. Dies sind die Hände, die fühlten, dies sind die Augen, die sahen, und dies sind die Ohren, die hörten.“ Es wird also so tiefgründig. Es wird so wahr. Es ist die Kraft, die in ihrem Zeugnis liegt. Es ist die Wahrhaftigkeit dessen. Dieses Ereignis wird zum meistbeglaubigten Ereignis der gesamten Weltgeschichte, was spirituelle Dinge betrifft.

KENT BROWN: Wir haben ihn gesehen. Wir haben ihn gesehen und haben ihn berührt. Wir haben gesehen, wie er gegessen hat. Wir haben ihn umarmt. All dies hat etwas Körperliches, Greifbares und Einladendes für alle von uns, die Tatsache, dass Jesus wahrhaftig ist. Er ist am Leben. Und dies ist mein Zeugnis, dass er am Leben ist, dass er heute lebt.

GAYE STRATHEARN: Die Worte des Paulus an die Heiligen von Korinth spiegeln die erneute Hoffnung wider, die in den Herzen der frühen Jünger entflammt ist. In den zwei Marias und in Salome, als sie entdecken, dass der Stein weggerollt worden war, in Petrus und Johannes, als sie zum Grab eilen und es leer vorfinden, und in den Herzen von Millionen in aller Welt, als der Engel an jenem Morgen vielleicht die wichtigsten Worte der Weltgeschichte spricht: „Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden.“ (Matthäus 28:6 Einheitsübersetzung)

Die Auferstehung Jesu Christi, die in der Alten Welt von Jüngern bezeugt wird, wird auch von Tausenden von Zeugen in der Neuen Welt bestätigt. Jeder bezeugt den Triumph des Heilands über den Tod, als sie einer nach dem anderen seine Wunden berühren und von Händen gesegnet werden, die noch immer die Wundmale der Kreuzigung zeigen. Während die christliche Welt auf seine Wiederkunft wartet, ist es jedem von uns überlassen, uns auf den Tag vorzubereiten, an dem auch wir dem auferstandenen Heiland begegnen werden — den Tag, an dem sich jedes Knie beugen und jede Zunge bestätigen wird, dass Jesus der Christus ist.


7. Episode: Apostasie und Wiederherstellung ... Siehe, der Bräutigam kommt ... Zweites Kommen und Endgericht


Wer ist diese archaische Figur, die am Scheideweg der Geschichte steht? Ist er ein außerordentlicher Lehrer? Ein Revolutionär? Ein Prophet? Oder ist er tatsächlich der göttliche Sohn eines göttlichen Vaters, im wahrsten Sinne des Wortes, der Retter der Welt? In der Debatte, diese Frage zu beantworten, verwerfen viele Gelehrten das Göttliche und unterscheiden zwischen dem Jesus der Historie, einem sterblichen Mann, und dem Jesus unseres Glaubens, dem Sohn Gottes. Heute bemühen sich HLT-Gelehrte darum, Historie und Glauben, Wissenschaft und moderne Erkenntnisse zu vereinen, um zu einem umfassenderen Verständnis zu gelangen, wer Jesus wirklich war und ist.

Als ihr auferstandener Meister gen Himmel aufstieg, wurde den Aposteln von Engeln beteuert, dass er in aller Herrlichkeit zurückkehren wird. Das Versprechen der triumphalen Rückkehr Jesu Christi resoniert durch die frühe christliche Welt und motiviert die Hymnenschreiber des Altertums zu verkünden: „Sprich zu mir, Herr und Freund, und enthülle mir, Sohn des Meistgeliebten, die Zeit deines Kommens, wenn du am Ende erscheinen wirst“ (Hymn auf das Zweite Kommen). Obwohl die Realität einer wortgetreuen Wiederkunft Christi von manchen in Frage gestellt wird, finden HLT-Gelehrte in altertümlichen und modernen Offenbarungen die Bestätigung für eine prachtvolle Rückkehr Jesu und für die Gründung seines Königreichs auf Erden, wie es auch im Himmel ist.

KENT BROWN: Der Ölberg. Was für ein bedeutungsvoller Ort in der biblischen Geschichte. So viele wichtige Ereignisse haben sich hier abgespielt. Er ragt im Osten Jerusalems in die Höhe und war der Schauplatz vieler historischer Ereignisse.

ANDREW SKINNER: König David floh vor seinem rebellischen Sohn Absalom zu diesem Berg.

KENT BROWN: Ja. Und von hier aus verkündet der Prophet Zacharias die Ankunft des Messias.

ANDREW SKINNER: Das Neue Testament teilt uns mit, dass dieser Berg nicht nur ein Zufluchtsort, sondern auch ein Schulungsort für Jesus und seine Jünger war.

KENT BROWN: Tatsächlich lehrt Jesus sein Gleichnis der Jungfrauen von hier aus und überblickt von etwas weiter oben die Stadt und weint.

ANDREW SKINNER: Und an jenem verhängnisvollen Abend nach dem letzten Abendmahl kam Jesus, laut Lukas, heraus und ging zum Ölberg, wohin ihm seine Jünger folgten.

KENT BROWN: Es scheint nur angemessen, dass der auferstandene Jesus, nachdem er 40 Tage mit seinen Jüngern verbracht und sie geschult hat, von hier aus zu seinem Vater im Himmel aufsteigt.

ANDREW SKINNER: Ich glaube, dass die Himmelfahrt des Herrn Jesus Christus von diesem Berg aus dann die Erfüllung all der heiligen und weltlichen geschichtlichen Ereignisse ist, die hier stattfanden.

DANIEL PETERSON: Am Ende seiner 40-tägigen geistlichen Schulung, brachte Jesus seine Jünger zum Ölberg, der gleich außerhalb liegt und Jerusalem überblickt. Hier sprach er zum letzten Mal zu ihnen, um sie darauf vorzubereiten, was auf sie zukommen würde. Ich glaube, sie hatten keine Ahnung, was ihnen wirklich bevorstand.

Eine der Fragen, die sie sich an diesem Punkt stellten, war: „Würde er das Königreich in Israel wiederherstellen?“ Sie dachten, dass dies eventuell die Erfüllung ihrer messianischen Hoffnungen war, die Wiederkunft Jesu, von der sie gehört hatten. Er war gestorben, er war auferstanden und war zurückgekehrt. Vielleicht war es das. Das Königreich würde in Israel wiederhergestellt werden.

ROGER KELLER: Die Apostel glaubten, dass die Gründung des Königreichs aufgrund der Auferstehung Jesu unmittelbar bevorstand. Im Wesentlichen gab es drei Zeichen, nach denen die Juden Ausschau hielten, die die Ankunft eines neuen Zeitalters markierten. Eines war die Auferstehung der Toten, was mit Jesus und auch anderen schon ganz klar geschehen war. Das zweite war das Kommen des Messias. Und das dritte war die Rückkehr des Geistes. In der Apostelgeschichte steht das noch bevor. Aber die drei Zeichen für den Anbruch eines neuen Zeitalters sind ganz klar präsent. Also war es auch völlig gerechtfertigt, dass sich das jüdische Publikum fragte, wie nah dieses neue Zeitalter, das sie erwartet hatten, nun tatsächlich war.

DANIEL PETERSON: Tatsache ist, dass es nicht geschehen sollte. Es würde lange verzögert werden, viel länger als sie sich vorstellen konnten. Er sagte ihnen, dass sie viel Arbeit vor sich hatten. Sie würden Macht und den Heiligen Geist erhalten, sie würden das Evangelium verkünden, nicht nur in Jerusalem und Judäa, sondern auch in Samarien und sogar bis ans Ende der Welt. Sie hatten jede Menge zu tun, aber dank der 40-tägigen Schulung waren sie nun der Aufgabe gewachsen. An diesem Punkt verlässt er sie, was für sie recht unerwartet kam. Er steigt einfach gen Himmel hoch.

ROGER KELLER: Und als sie da stehen, treten zwei Männer an sie heran und sagen: „Was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel“ (Apostelgeschichte 1:11).

Diese Aussage, die von Engeln stammen musste, hat eine Erwartung kreiert, die die Kirche und die christliche Gemeinde die vergangenen 2000 Jahre hinweg durchdrang und eine Vielfalt von Fragen darüber aufwarf, was die Wiederkunft Jesu wirklich bedeutet.

GAYE STRATHEARN: Im Alten und Neuen Testament lassen sich zahllose Prophezeiungen finden, die sich auf die Zeichen der Zeit beziehen. Diese Zeichen müssen sich erfüllen, bevor der Messias in Herrlichkeit zurückkehrt. Seit Jahrhunderten untersuchen Gelehrte und Geistliche gleichermaßen diese Prophezeiungen und versuchen, den genauen Zeitpunkt seiner Wiederkunft festzulegen. Allerdings haben dabei viele diverse Anzeichen übersehen, einen Wink in den Lehren, der auf einen größeren, weitaus komplizierteren Plan hinweist, bei dem ein Abfall vom Glauben, aber auch eine Wiederherstellung eine Rolle spielen. Paulus unterrichtet die Thessaloniker, die sich fragen, ob die Wiederkunft nahe bevorsteht: „Der Tag des Herrn komme nicht, es sei denn, dass zuvor der Abfall komme.“ (2. Thessalonicher 2:3 Einheitsübersetzung)

RICHARD HOLZAPFEL: Die King James-Version benutzt das Wort „abfallen“ in dieser berühmten Passage mit den Thessalonikern. Aber das griechische Wort hier, das besonders in romanischen Sprachen oft übersetzt wird, ist „Apostasie“, was „eine Rebellion von innen” bedeutet.

CECILIA M. PEEK: Das griechische Wort, das wir als „Abfall“ übersetzen, kommt von dem Wort „apostasia“, oder „apostasis“. Es ist ein sehr interessantes Wort. „Stasis“, die Wurzel, wird in der klassischen griechischen Historiografie häufig in Bezug auf einen Bürgerkrieg benutzt und beschreibt fast immer einen Streit, eine Rebellion oder einen Konflikt. Aber eigentlich beschreibt es einen Konflikt in einem griechischen Stadt-Staat oder innerhalb einer spezifischen Gruppe.

Meiner Meinung nach kommt der früheste Gebrauch des Wortes “Abfall”, dieser Bedeutung sehr nahe, und scheint nicht so sehr auf Druck von außerhalb der christlichen Gemeinde hinzuweisen, sondern auf die Zunahme von Missverständnissen, Streitigkeiten und Tumulten innerhalb der christlichen Gemeinde.

JARED LUDLOW: Jesaja mahnt, dass die Menschen Gott mit ihren Lippen nahestanden, aber ihre Herzen weit von Gott entfernt waren. (Siehe Jesaja 29:13 Einheitsübersetzung) Amos spricht über eine Hungersnot des Wortes Gottes und dass es Menschen an der nötigen geistigen Nahrung mangelte. (Siehe Amos 8:11)

Wenn also Jesus kommt und vergleichbare Ideen vertritt und über ähnliche Situationen spricht, bekommen wir wirklich das Gefühl, dass es relativ bekannt war, dass es diese Probleme und Schwierigkeiten unter den frühen Christen gab.

RICHARD HOLZAPFEL: Der Abfall spielt sich wirklich auf zwei Ebenen ab. Die erste ist die unbeabsichtigte Konsequenz der simplen Tatsache, dass sich das Evangelium so schnell verbreitete, ohne die richtigen Kommunikationswege zu haben, und dass es den Aposteln mit ihrem Führungssitz in Jerusalem an den Fähigkeiten fehlte, sich öfter zu treffen, um die Fragen, die die Kirche plagten, zu beantworten. Sie hatten einfach keine Gelegenheit, sich regelmäßig zu treffen und die wichtigen Fragen zu diskutieren. Der Abfall ist also hier eine natürliche Konsequenz drastischen Wachstums ohne zentrale Kontrolle, was im Lauf der Zeit schlicht und einfach zum Problem wird. Wie kommuniziert man? Aber die zweite Ebene, und auch die heimtückischste, ist die Tatsache, dass Jesus und die Apostel vorhersagten, dass es innerhalb der Herde Gottes einzelne geben würde, die nach Überlegenheit, Autorität und Macht streben würden. Und diese Leute scheinen diejenigen zu sein, die die Autorität wirklich untergraben und die Apostel selbst herausfordern, also die, die rechtmäßig Autorität besitzen, und beginnen, Doktrinen zu lehren, ohne die Zustimmung der 12 zu haben.

JARED LUDLOW: Dies wird besonders in den Schriften des Johannes sehr deutlich. In Johannes 2, zum Beispiel, geht Johannes auf die falsche Vorstellung ein, die manche frühen Christen vertraten, dass Jesus nicht wirklich aus Fleisch und Blut war, sondern nur scheinbar einen physischen Körper hatte, eine Lehre, die mitunter Doketismusgenannt wird. Und er sagt, dass diejenigen, die diesen Glauben vertreten, Betrüger und Antichristen sind. In Johannes 3 geht er auch auf das Thema Autorität ein, dass manche Individuen innerhalb der Gemeinde sich widerrechtlich Autorität aneignen und die wahre Autorität anderer nicht anerkennen.

CECILIA PEEK: In einem Brief von Johannes gibt es eine interessante Bezugnahme auf eine Gemeinde von Christen, über die er sagt — Er sagt, dass sie nicht bereit waren, ihn anzuerkennen. Und Johannes war zu dieser Zeit zweifellos der dienstälteste Apostel. An der Idee des Abfallens ist also sicherlich etwas dran, aber es handelt sich nicht nur um ein beiläufiges Abrutschen. Es ist ein Akt der Rebellion, der wahrscheinlich begann — Die Griechen zumindest deuten an, dass das Problem als innerkirchlicher Konflikt begann.

NOEL B. REYNOLDS: Die Briefe des Paulus und andere Briefe sprechen von — Ich stieß, ohne mich groß anzustrengen, auf 24 unterschiedliche Vorfälle, in denen der Autor des Briefes, einer der Apostel, einen Zweig der Kirche des Abfalls beschuldigt, und in vielen Fällen geht es um recht skandalöse Dinge. Nur ein einziges Mal berichten diese Briefe des Neuen Testaments, dass die beschuldigte Gemeinde oder die Mitglieder in Frage Reue empfanden und eine Kehrtwende machten. Tatsache ist, dass Paulus und die anderen Apostel wirklich üble Dinge zu sehen bekamen. Paulus berichtet an einem Punkt: „Ganz Asien hat sich gegen mich erhoben.“ Und zwar bezieht er sich damit auf die Kirchen in der heutigen Türkei, von denen viele führende frühe Kirchen der ersten Missionen waren. Ich finde, dass das ernstzunehmende Dinge sind, die wir oft übersehen, wenn wir die Heilige Schrift lesen. Es ist sehr wichtig zu wissen, dass es schon im 1. Jahrhundert so einen Abfall innerhalb der Kirche gab.

KENT BROWN: Der christliche Historiker Hegesippus beschreibt im 2. Jahrhundert in einer Schrift über die Kirche in Jerusalem, wie sich der Abfall entfaltete. „Sie bezeichneten sie als Jungfrau, weil sie von den selbstgefälligen Lehren noch nicht verdorben worden war. Doch Thebouthis, weil er nicht zum Bischof von Jerusalem ernannt wurde, begann, sie heimlich zu korrumpieren.“ Dadurch entstanden falsche Christen, falsche Propheten und falsche Apostel, die die Einheit der Kirche brachen, indem sie negativ über den wahren Gott und Christus sprachen. Hegesippus und andere hatten die Situation richtig eingeschätzt, die Dämmerung war vorüber und die dunkle Nacht des Abfalls lag über ihnen.

RICHARD HOLZAPFEL: Wir haben die biblischen Texte des Neuen Testaments, die die Geschichte der Apostel und Propheten im 1. Jahrhundert erzählen. In den Jahrzehnten und Jahren, die direkt darauf folgten, kurz nach den Aposteln, kurz nach Petrus und Paulus, gab es eine Anzahl von Texten — Zum Beispiel „Den Hirten des Hermas“, die „Apokalypse des Petrus“, die Apokryphe des Jakob“. Diese Texte berichten ebenfalls, dass Diskussionen im Gange waren. Sie alle enthüllen, dass es sich um ein gängiges Thema handelt, um etwas, was wohlbekannt ist, was diskutiert und debattiert wird, und sie bieten auch gewisse Einsichten. Jakob zum Beispiel vertritt die Ansicht, dass der Geist der Offenbarung, der Geist der Prophezeiung, in der Kirche ausstirbt. Es gibt eine Vielfalt moderner Literatur — eine Reihe von Büchern, die zwar nicht kanonisiert sind, aber historische Informationen enthalten, die uns verstehen helfen, um was es ging. Das Thema einer dieser Diskussionen war, wie die Zukunft der Kirche aussehen wird.

ALISON COUTTS: Eine der Nag Hammadi-Rollen hat den Titel „Die Apokalypse des Petrus“. Und darin geht es um den Abfall im Allgemeinen. Und er drückt das sehr deutlich aus. „Denn viele werden unsere Rede annehmen am Anfang, aber sie werden sich wieder abwenden, nach dem Willen des Vaters ihres Irrtums, denn sie haben getan, was er wollte. Und er wird diejenigen offenbar machen in seinem Gericht. Jene aber, die mit diesen Umgang hatten, werden ihre Gefangenen werden, indem sie ohne Wahrnehmung sind.“ Er bezeichnet in der „Apokalypse des Petrus“ Leute als blind und taub. Und ich glaube, dass er sich damit direkt auf den Abfall bezieht.

DANIEL PETERSON: Diskussionen, Streitgespräche und Kontroversen über die Erscheinungsform von Christus, über seine Rolle in der Erlösung und über seine Beziehung zum Vater haben sich jahrhundertelang fortgesetzt. Eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte des Christentums war das Konzil von Nicäa im Jahr 325 n. Chr., bei dem Teilnehmer im Wesentlichen debattierten, ob Christus wirklich vollkommen göttlich oder untergeordneter Natur war — sehr hochrangig, aber dennoch untergeordnet, und sich deshalb in seinem Wesen vom Vater unterschied. Gewissermaßen ging es bei dem Streitgespräch um einen einzigen Buchstaben in der griechischen Sprache, den Buchstaben “yota”, der “I”. War Christus “homoousios”— von derselben Substanz oder Wesensart wie der Vater — oder war er ”homoiousios”— von einer ähnlichen aber unterschiedlichen Substanz oder Wesensart als der Vater? Letztendlich kam der Rat zu dem Beschluss, dass Jesus vollkommen göttlich war, denn wenn er nicht vollkommen göttlich wäre, könnte er uns nicht völlig retten, wie wir gerettet werden sollten.

MILTON V. BACKMAN: Nach dem Tod der Apostel gab es niemand, der die Führung der Kirche übernehmen konnte. Die frühe christliche Kirche schritt also nicht mit derselben Organisation, demselben Glauben und derselben Autorität voran. Obwohl die Kirche nicht auf Erden war, waren die Menschen gesegnet mit dem Licht Christi und gesegnet mit der Heiligen Schrift. Er hinterließ ihnen also Richtlinien, die, wenn sie sie anwendeten, es ihnen ermöglichen würden, das Königreich, das sie sich wünschten, im Jenseits zu übernehmen.

ANDREW SKINNER: Es gab viele tapfere Seelen, viele Männer und Frauen, die erkannten, dass das Christentum eine falsche Richtung eingeschlagen hatte und sich auf Abwegen befand. Die Bemühungen dieser frühen Reformatoren, die alles hingaben, um die Kirche zu reformieren, um die Heiligen Schriften in die Hände von einfachen Bürgern zu legen, um sicherzustellen, dass alle verstanden, was Jesus zu lehren versuchte und welche Verordnungen er etablieren wollte, waren also nicht umsonst.

Martin Luther zum Beispiel erwies den Bemühungen von John Wycliffe seine Ehrerbietung. Dies waren tapfere Seelen, die sich um das bemühten, was schließlich als protestantische Reformation in die Geschichte einging. Einer der bemerkenswertesten dieser Männer, ein wahres Genie, kann man sagen, ein Mann, der den Geist Gottes im Überfluss besaß, war William Tyndale, der einen gezielten Versuch unternahm, die griechischen Originalmanuskripte des Neuen Testaments und die hebräischen Originalmanuskripte des Alten Testaments zu vereinen und uns eine Version der Bibel zu geben, die schließlich zur King James- Version wurde, wie wir sie heute kennen. Als Dank für seine Mühen wurde er auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Er gab sein Leben, damit wir diese Bibel haben konnten.

CECILIA PEEK: Der Ausdruck “finsteres Zeitalter”, ist meiner Meinung nach für jede Zeit in der Geschichte der Menschheit gerechtfertigt, in der Gottes Autorität in der Form des Priestertums nicht auf Erden ist. Deshalb bin ich der Meinung, dass es in diesem Sinn auf die Jahre, die wir konventionell als “finsteres Mittelalter”bezeichnen, absolut zutrifft.

Andererseits war die Zeitperiode, die wir normalerweise als Mittelalter bezeichnen, auch eine Zeit, zu der zutiefst religiöse Männer und zutiefst religiöse Gelehrte daran arbeiteten, ihre Theologie und ihren Glauben an Gott auf hochinteressante Weise zu artikulieren. Unter diesem Gesichtspunkt würde ich diese Zeit alles andere als “finster” nennen.

MILTON BACKMAN: In gewisser Hinsicht begann die Wiederherstellung, als Joseph Smith in einen Hain ging. Er war noch nicht einmal 15 Jahre alt. Er fiel zum Gebet auf die Knie und bemühte sich, eine Entscheidung zu treffen, welcher Kirche er beitreten sollte, denn er wusste, dass er ein Sünder war. Er erkundigte sich bei anderen: „Was muss ich tun, um erlöst zu werden?“ Tatsache ist, dass er drei Jahre lang suchte und alles untersuchte, aber keine zufriedenstellende Antwort finden konnte. Also ging er in einen Hain und folgte dem Rat des Jakobus — „Wenn es jemandem von euch an Weisheit fehlt, soll er Gott darum bitten.“ (Jakobus 1:5 Einheitsübersetzung) Also kniete er sich zum Gebet nieder.

Doch was er wirklich als Erstes lernte, war, wie wahrhaftig und stark die Macht des Bösen ist. Er hatte das Gefühl, fast vernichtet zu werden. Doch dann war er erleichtert, und er sah ein Licht, ein glänzendes Licht. Und in diesem Licht sah er zwei glorreiche Gestalten. Später berichtete er: „Die sich in Aussehen und Wesensart ganz genau ähnlich waren“ (Geschichte der Kirche 4:536).

Während dieser Vision lernte er, dass Jesus der Christus ist. Dies war eine der großen Wahrheiten, die sich entfaltete, das Sühnopfer Jesu Christi, dass er der Erlöser und Retter der Welt war. Außerdem lernte er zu dieser Zeit auch über das Zweite Kommen, dass Jesus kommen würde. Also lernte er über das Zweite Kommen, er lernte sehr viel über den Erlöser der Menschheit, und er lernte über die Realität des Abfalls, dass sich die Autorität nicht auf Erden befand, die Lehren waren nicht auf der Erde.

Es war eine bemerkenswerte Vision, die Joseph Smith mit dem Evangelium Jesu Christi bekannt machte.

SUSAN EASTON BLACK: Stellen Sie sich Joseph Smith vor, einen jungen Burschen, der auf einer Farm aufwächst, der Farm seines Vaters. Er lebt im Westen des Staates New York, in einem Ort namens Palmyra, in der Gegend von Manchester. Die Andeutung allein, dass ihm der Vater und auch der Sohn in einer Vision erschienen waren, ist wirklich außergewöhnlich. Ich glaube kaum, dass Joseph Smith, als er aus diesem Hain herauskam, wirklich begriffen hatte, dass es sich bei der Wiederherstellung um einen Vorgang handelte und dass dies die Eröffnungsszene war.

MICHAEL D. RHODES: Es gibt diverse Prophezeiungen im Alten Testament, die über Worte, die aus Staub kommen, erzählen, Dinge, die sich aus Staub manifestieren. Sie machen es ganz gewiss klar, dass sich dies auf das Kommen des Buches Mormon bezieht, das dem Zweiten Kommen Christi vorausgeht. „Ich will hören, was Gott, der Herr, zu sagen hat, er verkündet Frieden seinem Volk, denen, die ihn lieben. Dass Treue auf der Erde wachse und Gerechtigkeit vom Himmel schaue.“ (Psalm 85:9, 11 Einheitsübersetzung) Das ist eine schöne bildliche Darstellung, dass die Offenbarung von unten aus dem Boden kommt, aber auch von oben, aus dem Himmel. Wir erkennen, dass das Buch Mormon eines der Zeichen der Zeit ist.

PAUL Y. HOSKISSON: Sein Erscheinen kündigt den Beginn der Letzten Tage an und die Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi. Natürlich wurde das Erscheinen des Buches Mormon in mehreren Prophezeiungen im Alten Testament erwähnt.

Vers 4: „Alsdann sollst du erniedrigt werden und aus der Erde reden und aus dem Staube mit deiner Rede murmeln, dass deine Stimme sei wie eines Zauberers aus der Erde, und deine Rede aus dem Staube wispele.“ (Jesaja 29:4 Einheitsübersetzung)

Das Hebräische hat hier auch eine andere Bedeutung, die ich für recht wichtig halte. Wenn wir uns im Alten Testament das hebräische Wort für diesen Zauberer betrachten, ”ov”, bezeichnet es einen Geist, der von den Toten spricht. Das Buch Mormon hat gewiss einen vertrauten Charakter. Es kommt einem vertraut vor, wenn man es zum ersten Mal liest. Es hat etwas, was der Leser erkennt. Und ich glaube, dass dies für unsere Bibel und auch für unser Buch Mormon gilt. Es sind die uralten Propheten, die schon lange verstorben sind und begraben liegen, die zu uns aus der Erde und aus dem Staub sprechen.

JOHN TANNER: Es ist von Bedeutung, dass die letzten Worte, die Jesus hier am Ölberg vor seiner Himmelfahrt zu seinen Jüngern spricht, eine Prophezeiung des Zeichens sind, das auf seine glorreiche Wiederkunft hinweisen wird. „Ihr werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“

Das ist eine Prophezeiung, die er vor seiner Kreuzigung verkündet. Denn „es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker.“ (Matthäus 24:14 Einheitsübersetzung) Dies wird erst zur Zeit seiner Wiederkunft geschehen.

MICHAEL RHODES: v’daber alechem komar adonai yahweh hinneh ani loqeha et baneh yisra’el miben hagvoyim asher halekusam v’qibas’ti otam misaviv v’habeti votam el ad’matam: v’asiti otam l’gvoy ehad…. „Dann sag zu ihnen: So spricht Gott, der Herr: Ich hole die Israeliten aus den Völkern heraus, zu denen sie gehen mussten. Ich sammle sie von allen Seiten und bringe sie in ihr Land. Ich mache sie zu einem einzigen Volk.“ (Ezechiel 37:22) Auf wunderbare Weise erfüllt, denn das Evangelium Jesu Christi wird in der ganzen Welt gepredigt, und das Buch Mormon dient hauptsächlich als Hilfsmittel, um die verstreuten Israeliten aus aller Welt zusammenzubringen.

„Du, Menschensohn, nimm dir ein Holz und schreib darauf: Juda und die mit ihm verbündeten Israeliten. Dann nimm dir ein anderes Holz, und schreib darauf: Josef, Holz Efraims, und das ganze mit ihm verbündete Haus Israels. Dann füge beide zu einem einzigen Holz zusammen, sodass sie eins werden in deiner Hand.“ Ezechiel 37:16-17. (Einheitsübersetzung)

KERRY MUHLESTEIN: Ezechiel 37 ist wunderbar, weil es das Holz Juda und das Holz Josef in einer Prophezeiung vorhersagt. Wir Heiligen der Letzten Tage fassen das mitunter ein bisschen zu simpel auf, was zu unserem eigenen Nachteil ist, wenn wir uns mit einem grob vereinfachenden Verständnis davon mit unseren christlichen und jüdischen Freunden darüber unterhalten. Denn wenn man es im Kontext liest, und zwar sorgfältig, und auch versteht, was essentiell ausgedrückt wird, sieht man, dass es hier hauptsächlich um Stämme geht. Wir stellen uns das Holz als jene Art Holz vor, um die sie Schriftrollen wickelten. Und ich glaube, da ist auch was dran, aber die hauptsächliche Bedeutung ist, dass der Stamm von Juda und der Stamm von Josef, die in ihrer Stammesgeschichte typischerweise miteinander auf Kriegsfuß standen, als Königreich des Südens und als Königreich des Nordens, oder als Königreich Juda und als Königreich Israel — zumindest existierten Spannungen zwischen ihnen — doch zum Zeitpunkt des Zweiten Kommens Christi werden sie friedlich zusammenkommen.

Wenn er also vom Zusammenfügen der Hölzer spricht, bezieht sich das hauptsächlich auf die Vereinigung dieser zwei Stämme. Und dennoch gibt es inmitten all dessen diese wundervolle, kleine zweite Bedeutung. So viele Prophezeiungen, besonders von Propheten wie Jesaja, Jeremia und Ezechiel, beinhalten eine beabsichtigte Doppelbedeutung. Die zweite Bedeutung ist das Mittel, das die Vereinigung der zwei Stämme bewirken wird.

PAUL HOSKISSON: Es gab diverse Schreibmethoden, die zu dieser Zeit gebräuchlich waren. Sie konnten auf Pergament schreiben. Sie konnten auf Velin schreiben. Die Babylonier schrieben auf Ton. Zudem hatten sie, was man später ein Diptychon nannte. Dabei handelt es sich um ein hölzernes Brett, das eine Einsenkung hatte, die mit Wachs aufgefüllt wurde und dann konnte man Notizen darauf machen. Es war wirklich so etwas wie der damalige Notizblock. Wenn man seine Notizen gemacht und sie dann auf ein permanenteres Material übertragen hatte, glättete man das Wachs einfach aus und man konnte es immer wieder verwenden. Er spricht also davon, zwei dieser Schreibbretter zu nehmen und darauf etwas zu schreiben. Nehmen wir eins für Josef, für Efraim, und eins für Juda. Und wir wissen, dass diese dann natürlich aufs Alte Testament und wahrscheinlich aufs Neue Testament hinweisen, die, die aus dem Hause Juda stammen, und die aus dem Hause Efraim weisen auf das Buch Mormon hin. Es ist eine höchst bemerkenswerte Prophezeiung, die er hier macht. Selbstverständlich soll das Buch Mormon, wie es in Kapitel 37 weiter heißt, sobald es erscheint, soll es die zwei Häuser vereinigen. Es soll sie mit den korrekten Lehren und dem korrekten Verständnis und Wissen, wer Jesus Christus und der Messias war, vereinen.

ANDREW SKINNER: In Bezug auf eine Sammlung Israels in den Letzten Tagen sagte der Prophet Jeremia im Namen des Herrn, des Gottes Israels: „Siehe, ich will sie sammeln aus allen Landen, dahin ich sie verstoße, und will sie wiederum an diesen Ort bringen, dass sie sollen sicher wohnen. Und ich will einen ewigen Bund mit ihnen machen, und ich will sie in diesem Lande pflanzen treulich, von ganzem Herzen und von ganzer Seele.“ (Jeremia 32:37-41 Einheitsübersetzung)) Diese Prophezeiung vermittelt nicht nur die Idee einer geistigen Sammlung, sondern auch einer wirklich körperlichen Sammlung in diesem Land, das Gott vor langer Zeit Abraham, Isaak und Jakob versprochen hatte.

CAMILLE FRONK OLSON: Für mich geht die Sammlung Israels und die Verheißung, und wie wichtig das für den Herrn ist, all das geht auf den großartigen Bund mit Abraham zurück. In diesem Bund versprach Gott Abraham, dass durch seine Kinder, Abrahams Kinder, alle Familien in der Welt gesegnet werden und ihnen das Evangelium gelehrt werden würde. Und diejenigen, die an dieses Evangelium glauben, würden in diesen Bund miteingeschlossen. Das Versprechen des Bundes mit Abraham zieht sich wie ein roter Faden durch alle Evangelien und durch all diese Bücher biblischer Schriften. Sobald man das Bewusstsein und Verständnis hat, dass man ein Kind Abrahams ist, ist man diesen Bund eingegangen, es geht mit der bemerkenswerten Verantwortung und Gelegenheit einher, die Jeremia prophezeite, dass er Fischer aufrufen und aussenden würde, um in der Welt nach Männern und Frauen zu fischen. Die Vorstellung, dass wir, sobald wir wissen, dass wir Söhne oder Töchter Abrahams sind, die außergewöhnliche Gelegenheit haben hinauszugehen und anderen zu helfen, es herauszufinden. Dieses Einpropfen in den Baum, Jesus Christus, den Baum des Lebens in Lehis Traum, dieses Einpropfen, das Kommen zu Christus, an ihn gesiegelt und Teil seiner Familie zu sein, ist das Versprechen der Sammlung Israels. Er hat seine Kinder nicht vergessen. Jesaja beschreibt, dass er uns in seine Handflächen eingraviert hat. Er wird uns nicht vergessen. Die Sammlung ist ein ausdrucksstarker Beweis dafür, dass der Bund real ist.

ANDREW SKINNER: Als ich vor Jahren nach Jerusalem kam, wurden überall in der Stadt Restaurierungsarbeiten durchgeführt. Sie sah völlig anders aus als heute. Als ich über einen der Marktplätze im jüdischen Viertel Jerusalems ging, sah ich ältere Männer mit ihren Händen am Rücken verschränkt spazierengehen, Frauen, die Kinderwagen vor sich her schoben, und Kinder, die auf dem Marktplatz spielten. Mir kam diese spezifische Passage in den Sinn: „So spricht der Herr: Ich kehre mich wieder zu Zion und will zu Jerusalem wohnen, dass Jerusalem soll eine Stadt der Wahrheit heißen und der Berg des Herrn Zebaoth ein Berg der Heiligkeit. So sprach der Herr Zebaoth: Es sollen noch fürder wohnen in den Gassen zu Jerusalem alte Männer und Weiber und die an Stecken gehen vor großem Alter. Und der Stadt Gassen soll sein voll Knaben und Mädchen, die auf ihren Gassen spielen.“ (Sacharja 8:3-5 Einheitsübersetzung) Nach der Zerstörung des ersten Tempels im Jahre 586 v. Chr. und der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 n. Chr. und dann noch all den Herausforderungen, denen sich der neuetablierte Staat Israel 1948 zu stellen hatte, bin ich mir ziemlich sicher, dass niemand so akkurat hätte vorhersagen können, was der Herr zustande bringen würde und auch gebracht hat, wie ich selbst sehen konnte.

Und ich habe eine wertvolle Lektion gelernt. Es ist immer besser, den Verheißungen des Herrn zu trauen, als sich auf weltliche Wissenschaft zu verlassen. Denn keine Wissenschaft konnte vorhersehen, was sich nun buchstäblich vor unseren Augen entfaltet.

NOEL B. REYNOLDS: Die Sammlung spielt sich auf buchstäblicher sowie geistiger Ebene ab. Die jüdische Perspektive hat sich sicherlich immer mehr auf die buchstäbliche Sammlung konzentriert, und auf die, die vom Blut Israels sind. Aufgrund dieses buchstäblichen Verständnisses ist es der Fall, dass im Lauf der Geschichte Menschen aus aller Welt mit der Idee vertraut wurden, dass Gott Bündnisse mit Menschen auf der Erde haben kann, die er auch erfüllen wird.

CAMILLE FRONK OLSON: „Und dann werden die Überreste, die weithin über das Antlitz der Erde zerstreut sein werden, vom Osten und vom Westen und vom Süden und vom Norden eingesammelt werden. Und sie werden zur Erkenntnis des Herrn, ihres Gottes, gebracht werden. Und der Vater hat mir geboten, dass ich euch dieses Land als euer Erbteil geben soll.“ (3 Nephi 20:13–14)— Es wird also von einem anderen gelobten Land und einer anderen Erbschaft gesprochen. Dann wird ihnen weiterhin erzählt, dass mich, als Sprössling Abrahams, der Vater zuerst zu euch heranwachsen ließ und mich schickte, um euch zu segnen und jeden von euch von seinen Lastern zu befreien, damit ihr dann hinausgehen und andere bringen könnt.
Präsident Kimball bezog sich später darauf, als er über die Menschen sprach, die in Mexiko zu Gott kommen. Für sie wird das Land Mexiko zum Erbe werden, und die Menschen in Schweden werden Schweden zum Erbland machen. Wo auch immer sich das Volk Gottes befindet, das den Bund geschlossen hat, wo auch immer ein Tempel erbaut werden kann, gibt es ein Erbland, in dem wir stark an Gottes Präsenz erinnert werden, in dem er Menschen lehren, beschützen und leiten wird, damit sie die Fülle des Evangeliums erhalten werden.

NOEL REYNOLDS: Letztendlich geht es um die Überzeugungen und den Glauben von einzelnen Personen. Die Vorstellungen der Sammlung laufen letztendlich alle auf diesen Punkt hinaus: Jedem menschlichen Wesen stellt sich die Frage: „Werden sie umkehren, und werden sie an den Heiligen Israels glauben?“ Und wenn sie dies bejahen, werden sie an der Sammlung teilnehmen.

KENT BROWN: Diese Tore, die nun blockiert sind, wären an Feiertagen und zu Zeiten des Gebetes von Gläubigen, die kommen und gehen, überlaufen gewesen. Sie stiegen aus diesen Toren heraus auf diese Stufen, die immer noch die Originalstufen sind. Und sie gingen an dem Mann vorbei, der blind geboren wurde. Denn hier findet ihn Jesus und heilt ihn. Sie erinnern sich an die Geschichte, in der er seine Augen mit Lehm einbalsamiert, ihn den Berg hinunter zum Becken von Schiloach schickt, von dem er sehend zurückkehrt.

Ich finde, dass dieses Wunder im Kontrast zum vorherigen im Johannesevangelium steht, als Jesus auf der anderen Seite des Tempelbergs einen Mann heilt, der seit 38 Jahren krank ist. Der Mann lehnte seine Hilfe ab. Der Mann, der blind geboren war, akzeptierte ihn.
Ich glaube, das ist die Frage, die sich jedem stellt. Wie reagiere ich auf diesen Jesus? Und dies wird bis zu seinem Zweiten Kommen so sein.

JOHN TANNER: Wissen Sie, Kent, Sie machen eine gute Stellungnahme in Bezug auf das Zweite Kommen. Wenn ich darüber nachdenke, ist Jesus selbst die beste Informationsquelle über das Zweite Kommen. In allen vier Evangelien spricht er ganz offen über seine Wiederkunft. Er tut dies mit Gleichnissen. Er tut dies mit Prophezeiungen. Er tut es mit Klarheit. Er verkündet, dass er auf die Erde zurückkehren wird. Es geschieht am Ölberg, wo Jesus auf die aufgeregte Frage seiner Jünger antwortet. „Sage uns, wann wird das alles geschehen? und welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und des Endes der Welt?“ (Matthäus 24:3 Einheitsübersetzung)

ERIC D. HUNTSMAN: Matthäus 24 liefert uns den ausführlichsten Bericht über die sogenannte „Ölbergrede“, in der Jesus seinen Jüngern die bevorstehende Zerstörung Jerusalems und seine letztendliche Wiederkunft ankündigt.

Ich glaube, dass der Zeitpunkt dieses Diskurses für seine Jünger sehr wichtig war. Er musste sie irgendwie vorbereiten. All ihre messianischen Erwartungen würden in Kürze zunichte gemacht. Es kann sein, dass viele von ihnen immer noch an der damals gängigen Vorstellung festhielten, dass der Messias ein politischer und militärischer Reformator sein würde. Er hingegen wusste, dass er binnen weniger Tage tot in einem Grab liegen würde, was unter seinen Jüngern Riesenverwirrung stiften würde. Also glaube ich, dass ihm wirklich viel daran lag, sie wissen zu lassen, dass die glorreiche Wiederherstellung Israels und die Zeit, in der er als König regieren würde, tatsächlich kommen würde, doch jetzt war es noch nicht so weit.

RICHARD D. DRAPER: Er gibt ihnen kein Datum, sondern eine Reihe von Umständen. Deshalb ist das Zweite Kommen mehr mit Ereignissen verbunden als mit tatsächlichen Zeitangaben. Wenn ihr diese Dinge seht, dann wisst, dass ich die Tür bin. Vers 6. „Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen. Sehet zu und erschreckt euch nicht.“ (Matthäus 24:6) Es ist interessant. Der Herr sagt, dass es weiterhin Kriege geben wird. Sie sind einfach unvermeidbar. Sie sind ein hässlicher Teil der Menschheitsgeschichte, und erwartet nicht, dass sich dies in den Letzten Tagen ändern wird. Tatsächlich sagt der Herr, dass sich die Kriege verschlimmern werden. Sie werden hinterhältiger werden, sie werden hässlicher werden, und sie werden sich weiter ausdehnen. Aber bleibt eurem Glauben treu, denn ich habe immer noch das Sagen.

Vers 14. „Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen.“ Es heißt nirgendwo, dass wir in diesen Völkern irgendwelche Bekehrungen haben werden. Eine Bekehrung ist nicht notwendig. Dennoch muss das Evangelium mit der nötigen Kraft gepredigtwerden. Nur dann wird der Herr kommen.

ERIC D. HUNTSMAN: Eines der Dinge, die Matthäus 24, diesen Bericht über die Ölbergrede, um vieles ausführlicher macht als die Version des Markus oder Lukas, ist, dass diesen Prophezeiungen, die alle drei gemeinsam haben, im Matthäusevangelium spezifische Lehren folgen. Ich nenne sie gerne „Gleichnisse der Wachsamkeit“. Und mir gefällt dieser Vers — Vers 27. „Denn gleichwie ein Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.“ Die Vorstellung ist, wenn ein Blitz auf einer Seite des Himmels so hell leuchtet, dass man ihn bis auf die andere Seite sehen kann, so sichtbar wird die endgültige Wiederkunft Jesu sein.

JOHN TANNER : In diesem Moment des größten Chaos für seine rechtschaffenen Anhänger, als alles verloren scheint, wird seine eigene Prophezeiung seiner glorreichen Wiederkunft, die in Matthäus 24, erfüllt.

GAYE STRATHEARN: Ja. „Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.“ (Matthäus 24:30)

KENT BROWN: In diesem Zusammenhang — Und das Zeichen wird irgendwo am Ölberg erscheinen — wird selbst die Berührung seines Fußes den Berg spalten. Wie Sie wissen, kommt Jesus zuerst unerkannt nach Bethlehem. Doch dieses Mal wird ihn niemand übersehen. Johannes erinnert uns daran: „Jedes Auge wird ihn sehen.“ (Offenbarung 1:7 Einheitsübersetzung)

RICHARD DRAPER: Niemand weiß, an welchem Tag oder zu welcher Stunde. Aber Paulus hat eine Ahnung. Paulus weiß, dass der Tag und die Stunde unbekannt sind, aber er sagt zu den Heiligen in Thessalonich: „Ihr aber, Brüder, lebt nicht im Finstern, ihr alle seid Söhne des Lichts, so dass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen kann.“ (Siehe 1. Thessalonicher 5:4-5 Einheitsübersetzung) Und dann greift Joseph Smith, oder der Herr, dies in Abschnitt 106 wieder auf. Er sagt zu den Heiligen der Letzten Tage: „Ihr seid die Kinder des Lichts, und ich verspreche, dass euch der Tag nicht wie ein Dieb überraschen wird.“ (Lehre und Bündnisse 106:5).

Amos 3:7 (Einheitsübersetzung). „Denn der Herr tut nichts, er offenbare denn sein Geheimnis den Propheten, seinen Knechten.“ Da dies der Fall ist, können wir sicher sein, dass die Heiligen nicht überrascht werden, dass der Herr seine Propheten und seine Heiligen unterrichten wird.

Was allerdings offensichtlich aus diesen Gleichnissen hervorgeht, eine Sache, die der Herr wirklich betont, ist die Tatsache, dass es, wenn wir den Tag oder die Stunde wissen, zu spät sein wird, um uns vorzubereiten. Das Gleichnis von den 10 Jungfrauen. Um Mitternacht kommt der Schrei: Der Bräutigam ist auf dem Weg! Entweder sind unsere Lampen mit Öl aufgefüllt oder nicht. Wenn unsere Lampen nicht voll Öl sind, werden wir auf den Tag nicht vorbereitet sein.

GAYE STRATHEARN: Jeder, der die Zeichen des Zweiten Kommens Jesu studiert, versteht, dass mit der Predigt des Evangeliums an alle Völker und mit der Sammlung Israels auch eine Ansammlung von Armeen einhergehen wird, die die Gläubigen bekämpfen werden. Die Schriften deuten an, dass der Höhepunkt dieses Kampfes mit allen versammelten Armeen hier am Berg von Megiddo in der Schlacht von Armageddon stattfinden wird.

ROGER KELLER: Diese letzte Schlacht scheint ein weltweiter Kampf zwischen Gut und Böse zu sein. Es ist eine religiöse Schlacht, aber es geht nicht um religiöse Differenzen zwischen zwei verschiedenen Sekten oder etwas Ähnliches. Es dürfte vielmehr der letzten Schlacht gleichen, die sich die Leute in Qumran vorstellten, zwischen den Kräften des Guten und den Kräften des Bösen, wo Gott letztendlich als Eroberer hervorgehen würde.

ALISON COUTTS: In Sacharja wird von einer vierfachen Attacke auf die Kinder Israels erzählt. Nach der Eroberung, dem Plündern und dem Schänden der Frauen werden 50% von denen, die nach all der Zerstörung übrigblieben, in die Verbannung geschickt. Das ist eine Metapher dafür, was sich in dieser letzten großen Schlacht abspielen wird. Es wird ein Krieg der Seelen sein, aber auch ein Krieg — ein physischer Krieg.

ROGER KELLER: Er wird die ganze Welt umfassen. Niemand wird verschont bleiben. Babylon ist ein Symbol für alles Negative. All dies wird vergehen. All dies wird zerstört werden. Aber es wird eine grausame letzte Schlacht geben, die Mitglieder der Kirche Jesu Christi und der Heiligen der Letzten Tage mit einbezieht. Sie werden gegen die Schmerzen und das Leid dieser Schlacht nicht immun sein.

JOHN TANNER: Diese apokalyptischen Schriften können uns Angst machen, aber sie können auch viele Leute zum Spekulieren bringen. Ich kann in beiden Dingen wenig Nutzen finden, was die Ausübung meiner eigenen Religion betrifft. Ich glaube, sie sollen uns als Warnung vor den Dingen dienen, die auf uns zukommen, wodurch uns der Herr eine große Gnade erweist.

Es ist wichtig zu wissen, wenn Unheil bevorsteht, dass es vorhergesagt wurde, dass es ein Teil des Gesamtplans ist, den der Herr für diese Welt hat. Wir wissen nicht, was taktisch in jeder Schlacht vor sich gehen wird. Wir sind nicht mit allen Details vertraut. Aber wir haben eine vage Vorstellung der Dinge, die in den Tagen zum Ende dieser Dispensation hin geschehen werden.

GAYE STRATHEARN: Wenn Jesus mit Feuer und Herrlichkeit aus den Wolken herabsteigt, wenn seine Füße hier am Ölberg wieder die Erde berühren, wo er vor tausenden von Jahren wandelte, dann wird er das große und friedvolle Millennium einläuten.

ANDREW SKINNER: Die tausendjährige Herrschaft Jesu Christi wird von Jesaja mit sehr anschaulichen und berühmten Worten beschrieben. Hier sind seine Worte. „Er wird mit Gerechtigkeit richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande. Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und der Glaube der Gurt seiner Hüften. Die Wölfe werden bei den Lämmern wohnen und die Parder bei den Böcken liegen. Ein kleiner Knabe wird Kälber und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Man wird niemand Schaden tun noch verderben auf meinem ganzen heiligen Berge. Denn das Land ist voll Erkenntnis des Herrn, wie Wasser das Meer bedeckt.“ (Jesaja 11:4-9)

GAYE STRATHEARN: Darauf kann man sich wirklich freuen, oder nicht?

ANDREW SKINNER: Ganz zweifellos.

SUSAN EASTON BLACK: Jesus kommt in Wolken der Herrlichkeit. Das Zweite Kommen des Heilands wird ein weltweites Ereignis sein, tatsächlich seit dem Tod Jesu Christi schon lange von Christen erwartet. Wenn er für diese tausendjährige Herrschaft kommt, wer wird mit ihm sein? Die Rechtschaffenen. Sie werden an seiner Seite sein. Selbst die Rechtschaffenen, die noch in ihren Gräbern liegen, werden auferstehen. Es wird eine wunderbare Zeit für die Rechtschaffenen sein. Es wird eine wunderbare Zeit für Eltern sein, die in der Lage sein werden, ihre Kinder aufzuziehen, die zur Erlösung aufwachsen werden.

JOHN TANNER: Der Herr hat die Geschichte mit schöner Symmetrie kreiert, nicht wahr? Wir beginnen mit paradiesischer Pracht, und bewegen uns wieder auf eine paradiesische Welt zu, nur um vieles erhöhter, denn wir gehen nicht einfach nur zum Anfang zurück. Wir kehren zu etwas noch Großartigerem zurück. Wir kommen nicht nur als einzelne, alleinstehende Individuen zurück. Die Vorbereitungsarbeit, das Werk des Millenniums, unsere Arbeit ist nun die Arbeit einer Familie. Generationen kommen zusammen. Es ist ein Zusammensticken von Dingen, und der Herr, Christus, wird dem Vater ein Königreich bringen, ein Königreich von Familien, die durch Bündnisse miteinander verknüpft sind.

VIRGINIA H. PEARCE: Ich glaube, in jedem menschlichen Herz existieren Gefühle der Einsamkeit und Isolation, über die wir nicht so oft sprechen. Aber wenn Sie sich ansehen, wie wir uns verhalten, versuchen wir, diese Einsamkeit zu füllen. Jeder von uns. Sie wissen schon, kann Geld dieses Vakuum füllen? Gibt es eine Person da draußen, die ich lieben kann, und dann werde ich nie wieder einsam sein? Werden meine Kinder, wenn ich genug Kinder habe und sie gute Kinder sind, werden sie mir das Gefühl geben, nie wieder einsam zu sein? Nein. Nein. Wir sind einsame Tiere. Das ist die Natur der Sterblichkeit. Denn wir sind von Gott getrennt. Wenn wir also über die letzten Szenen sprechen, glaube ich, dass das Unvorstellbare daran sein wird, dass diese Einsamkeit nicht mehr existieren wird. Wir werden wieder in seiner Gegenwart sein, und wir werden uns komplett fühlen, wir werden uns vollkommen fühlen, wir werden uns sicher fühlen, wir werden uns wie ein Teil von jedermann fühlen. Wir werden von der himmlischen Liebe Gottes und des Heilands überflutet sein. Es geht ihm darum, die ganze menschliche Familie in diesem Kreis zusammen zu bringen. Ich glaube, wenn wir die Worte „von seinen Armen umgeben” , verwenden, bezieht sich das auf alle von uns zusammen. Die ganze Menschenfamilie, die seinen Namen bekennt und daran teilnimmt, wird in Liebe vereinigt sein, wie wir uns das jetzt nur vorstellen können.

RICHARD HOLZAPFEL: Diese Familie scheint von Anfang an Gottes Wille gewesen zu sein, diese ewige Familie, die auf die Ede kommen würde, um das Leben in all seiner Fülle zu erfahren, und dadurch ihre Reise bereichert, um wie Jesus zu werden. Und Jesus als der erstgeborene, einzige Sohn Gottes beschloss, den Willen Gottes zu erfüllen, mit dem Wissen, dass er durch die Erfüllung von Gottes Willen den Menschen, Männern wie Frauen, Unsterblichkeit und ewiges Leben bringen würde, jedem, der je geboren wurde und nun am Leben ist, und jedem, der in Zukunft noch leben wird. Deshalb verkündete er als Gott des Alten Testaments sein Gesetz und seinen Bund. Er versprach Israel die Erlösung. Die ultimative Erfüllung dieses Versprechens war seine eigene Geburt, als er als Sohn Gottes kam, Gottes einzigartiger, liebender Sohn. Und durch ihn, durch Jesus von Nazaret, ist die Liebe Gottes wahrlich manifestiert.

GAYE STRATHEARN: Die irdischen Fußschritte eines Mannes aus der Mitte der Zeiten, ja, die von Jesus von Nazaret, waren wirklich nur eine Fortführung von Schritten, die in der Anfangsphase des Universums begonnen hatten. Bevor das Fundament dieser Erde geschaffen war, setzte die Familie Gottes ihren Glauben in den Erstgeborenen des Vaters als Hauptfigur in einem Plan, der erstellt worden war, um Gottes Kinder zu erhöhen.

JOHN TANNER: „Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten, es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgend eine Hitze. Denn das Lamm mitten im Stuhl wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ (Offenbarung 7:16 Einheitsübersetzung)

JUAN HENDERSON: Ohne den Heiland wäre der Plan des Ewigen Gottes, unseres Vaters im Himmel, völlig vereitelt. Sofern der Heiland die Fesseln des Todes nicht löste, damit wir wie er wiederauferstehen und ewig leben können, ohne sein Leiden im Garten von Gethsemane, das uns, wenn wir für unsere Sünden Buße tun, erlöst hat. Doch nicht nur das, es macht uns zu wahren Jüngern Christi, wodurch wir den natürlichen Mann ablegen. Ohne die Rolle, die der Heiland dabei spielte, wären wir nicht einmal in der Lage, in Gottes Gegenwart zu stehen. Wir haben die Wahl, dem Heiland zu folgen und die Dinge zu tun, zu denen er uns eingeladen hat, und zu ihm zurückzukehren, um für immer und ewig bei ihm zu sein.

RICHARD HOLZAPFEL: Es war seine ursprüngliche Absicht, uns als Familie zurückzubringen. Und er wählte Jesus von Nazaret, seinen erstgeborenen Sohn, den Herrn, den Gott Jehova, den Gott des Alten Testaments, Jesus, den Messias, Jesus, den auferstandenen Herrn, um seinen Willen zu erfüllen. Und so stehen wir hier voll Verwunderung, dass er beschlossen hat, Gottes ultimativen Willen so komplett und endgültig zu erfüllen und uns zurück in seine Gegenwart zu bringen, damit wir ihn verehren dürfen. Darin ist die Liebe Gottes manifestiert, dass er für uns starb, als wir noch Sünder waren.

KENT BROWN: Ob es sich nun um Jehova im Alten Testament oder um Jesus im Neuen Testament handelt, der erstgeborene Sohn wird zu den ersten Früchten der Auferstehung. Da der auferstandene Jesus offen über seine glorreiche Wiederkunft spricht, warten seit dieser Zeit hunderte Millionen von Menschen auf ihn. Jesus Christus wird während eines Jahrtausends des Friedens und der Bekehrung regieren, an dessen Ende jede Seele die Gelegenheit erhalten haben wird, ihn anzunehmen oder ihn abzulehnen als den Sohn Gottes, den Erlöser der Welt. Dann wird Satan mit seinen Lakaien endlich in die tiefste Finsternis verbannt, und die Erde erhält ihre celestiale Herrlichkeit. Dann werden die Worte des irdischen Jesus, sein Gebet in Galiläa, endlich völlig vollfüllt. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“

xxxxxxxxxxxx